K(l)eine Aprilscherze

Kein Aprilscherz: Vor fünf Jahren hat ein New Yorker Immobilienbesitzer ein Graffito an seinem Haus überstreichen lassen. Weil er darüber den „Künstler“ nicht vorher informiert und um Zustimmung gebeten hatte, wurde er jetzt von einem Bundesgericht zu einer Entschädigung von sage und schreibe 6,7 Millionen Dollar verurteilt. Mit diesem Urteil seien, so die Anwälte des Sprayers, Graffiti endgültig als Kunst anerkannt. Zu der grotesken Entscheidung passt, dass in London die Werke eines bekannten, aber anonymen Graffiti-Künstlers schon so hoch gehandelt werden, dass Spekulanten illegal Löcher in die Hauswände gefräst haben, um die Graffiti herauszulösen und zu verkaufen.

Vermutlich krebserregend

Jetzt also auch unser Titanweiß? Der europäische Ausschuss für Risikobewertung hat vorgeschlagen, das wichtigste Weißpigment als „vermutlich krebserregend“ einzustufen. Dann müsste ein entsprechender Hinweis auf die Gebinde und nicht nur die Farbenindustrie, auch wir hätten Probleme. Einstweilen weisen die Hersteller darauf hin, dass das Pigment ja im Anstrich fest gebunden und schon deshalb ungefährlich sei, und auch Wissenschaftler und zuständige Institutionen stellen die Studie, auf der die Empfehlung basiert, infrage. Verunsicherung und Angst bringt die Debatte allemal, hoffentlich keine Hysterie.

Stilblüten

Der Glaube, man könne ein Problem dadurch lösen, dass man ihm einen neuen Namen gibt, breitet sich in erschreckendem Maße aus. So wurde einst die Hilfsschule zunächst in Sonderschule umbenannt und dann in Förderschule. Als ob das den jungen Menschen, z.B. bei der Lehrstellensuche, irgendwie geholfen hätte. Derzeit ist hier im Parlament und in den Medien ein heftiger Streit darüber entbrannt, ob die beiden Mohrapotheken ihren Namen ändern müssen, weil das Wort Mohr inzwischen diskriminierend sei. Angefangen hat der Unfug mit den „Negerküssen“, die dann eine Weile „Mohrenköpfe“ hießen, bevor sie zu „Köhlerköpfen“ wurden. Weil sich darüber angeblich die kleine Gilde der Köhler beschwert hat, heißen die Dinger derzeit „Dickmänner“. Und jetzt fühle ich mich diskriminiert.

Ach ja, auch mit unserem Handwerk hat die Debatte inzwischen zu tun: Dieser Tage hat eine renommierte Bildungsstätte allen Ernstes das Wort „Schwarzarbeit“ – wohl wegen der Silbe „Schwarz“ – als rassistisch und diskriminierend gebrandmarkt. Bin gespannt, wie das Ersatzwort wohl heißen wird und schlage schon mal „Afterwork“ vor – in einem Wort. Ob dieser Unsinn irgendwann aufhört? Ich sehe da schwarz.

Darauf steuern wir zu

Noch weiß niemand, wie es sich auswirkt, dass man neuerdings mit der Steuererklärung keine Belege mehr einreichen muss, da ist schon in der GroKo-Vereinbarung festgelegt, dass wir als nächstes ausnahmslos vom Finanzamt vorausgefüllte Steuererklärungen bekommen. Die Finanzämter haken dann also glaubhafte unbelegte Einkünfte und Ausgaben ab und nehmen sie für das Folgejahr quasi als Soll-Daten an. Darauf steuern wir also zu – und darauf darf man auch neugierig sein.

Die Hosen voll

Weit mehr als die Hälfte unserer Studierenden will nichts unternehmen, sondern in den Staatsdienst. Beim Wohnen in den eigenen vier Wänden liegen wir weltweit ganz hinten. In Aktien was anlegen? Viel zu riskant und beinahe schon anrüchig.

Einer aktuellen Umfrage zufolge haben fast 30 Prozent der Deutschen keinerlei Ersparnisse. Viele riskieren nicht mal Riester. Versorge statt Vorsorgementalität. Und bloß nicht auf etwas verzichten. Wozu auch? Der Staat wird’s am Ende schon richten.

Gutes Standing

Die Besucher schlendern ziemlich uninteressiert an den Ständen vorbei. Bloß keinen Aufwand für immer größere Stände habe ich mir gesagt und einem beratenen Betrieb empfohlen, stattdessen Gutscheine verteilen zu lassen, deren Wert, unterschiedlich nach Auftragsgröße, bei Auftragserteilung verrechnet wird.

Hat ganz gut funktioniert. Klar: Wenn zwei fixe junge Leute, vielleicht als „Sandwichmänner oder -frauen“, die Scheine aktiv verteilen, hat man auch ohne Stand ein gutes Standing. Und das zu geringen Kosten.


PraxisPlus

Autor Werner Schledt war jahrzehntelang Betriebsberater und Verbandsgeschäftsführer im hessischen Maler- und Lackiererhandwerk.

Werner Schledt

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Mehr Mut täte gut!