Leser briefen

Werner Schledt

„Habe ich mit der von Ihnen in der Mai- Ausgabe des Malerblatts empfohlenen Werbung in der „Apotheken-Umschau“ nicht zu viele Streuverluste als Risiken und Nebenwirkungen?“ will ein Leser wissen, und „Erreiche ich da nicht nur Alte und Kranke?“ fragt ein anderer.
Bedarf und Bares
Zum Ersten: Nur wenn in dem für Sie interessanten regionalen Bereich mehr als 20 Prozent eine andere Zeitung lesen, inserieren Sie besser dort. Aber nur dann. Zum Zweiten: Ältere sind eine interessante Zielgruppe. Sie haben B&B: Bedarf und Bares – Bedarf an Dienstleistungen und Bares zum prompten Zahlen. Mit ihren populären Monatsthemen erreicht die „Apotheken-Umschau“ aber alle Gesundheitsbewußten. Mit den Beiträgen über Kosmetik und Schönheitspflege die vielen, die schön sind und bleiben wollen. Die sind überwiegend jung – und auch an gesundem, schönem und jungem Wohnen interessiert.
Studenten ohne Ende
Immer mehr Schulabgänger zieht es an die Universitäten. Parallel dazu geht die Zahl junger Menschen, die ihre Ausbildung im dualen System absolvieren, drastisch zurück. Unternehmerverbände haben jüngst darauf hingewiesen, dass derzeit schon ein Viertel der Ausbildungsplätze nicht mehr besetzt werden kann, ein Mangel an qualifizierten Facharbeitern absehbar ist. Die vielfältigen Maßnahmen, mit denen auch das Handwerk junge Flüchtlinge, von denen viele keine abgeschlossene Berufsausbildung beziehungsweise Schulabschluss haben, qualifizieren will, können nicht kurzfristig wirken. Keine Facharbeiter, aber Studenten ohne Ende – und viele davon bringen ihr Studium nicht mal zu Ende.
Pittoreskes aus Italien
Die ebenso herrlichen wie herrschaftlichen Villen im Tessin und an den oberitalienischen Seen tragen traditionell farbigen Schmuck: Die bescheideneren Villen mit filigran schablonierten Ornamenten oder mit floralen Motiven, frei gemalte Friese, mindestens jedoch eine Lünette wie eine Brosche – unübersehbar, aber dezent. Die stolzeren imponieren dazu noch mit großflächigen Colliers, Fresken meist historischer Darstellungen. Wie maßgeschneidert bei fast allen auch eckübergreifende Quaderungen und, wo eine Fassadenfläche architektonisch zu wenig unterbrochen und leer ist, auch aufgemalte Blindfenster samt Klappläden, quasi als Schönheitskorrektur. Selbstverständlich trägt, wer hier auf sich hält, eine Sonnenuhr.
Und die Neubauten? Passen sich da und dort an und zeigen ebenfalls was sie drauf haben: Bei einem nachträglich aufgestockten „Kasten“ aus den 70ern waren Fenster und eine ganze Terrasse samt Geländer so täuschend echt aufgemalt, dass ich im ersten Augenblick der Illusion erlag, ich könnte mich dort oben für eine Weile einmieten. Alles nur Fassade? Nein, meisterliche Malerleistungen, nicht aufgesetzt, sondern traditionell maßgeblicher Teil zur Steigerung der Architektur. Schmucke Fassaden in hervorragender Wandarbeit. Und kaum mal eine Fehlfarbe. Ist uns da etwas abhanden gekommen?
Impulse für eine lange Weile
Vorab nur soviel: „Mit dem Navi zum Ziel“ ist das diesjährige Thema des Freisprechpakets, das der LIV Hessen für die Gesellen-Freisprechungsfeier durch die Innungen beziehungsweise Kreishandwerkerschaften konzipiert. Kernstück ist ein Redemanuskript, das sich in Inhalt und Sprache an die richtet, um die es bei dieser Feier geht. Und das sind die jungen Gesellinnen und Gesellen. Diesmal werden in dem bildreichen – natürlich auch mit Bildern illustrierten – Vortrag die Funktionen eines Navi analysiert und Schritt für Schritt auf die Planung und das Erreichen beruflicher Ziele übertragen. Es gibt also statt Langeweile Impulse für eine lange Weile. Als passenden Service zum jeweiligen Thema enthält das Freisprechpaket natürlich weitere Vorschläge für die zielgruppengerechte Gestaltung der Feier. Sie reichen von themenadäquater Musik bis zur Tischdekoration und Geschenkideen für die Prüfungsbesten. Zum Paket gehören auch vorformulierte Presseeinladung, Geschenkeinleger und eine Broschüre aller Weiterbildungsmöglichkeiten in unserem Beruf. An einer Stelle des Redemanuskriptes heißt es: „Mit dem Navi fährt man besser“. Mit dem Freisprechpaket des LIV Hessen auch.
Deprimierendes Ergebnis
Deprimierendes Ergebnis einer aktuellen, repräsentativen Umfrage: Jeder vierte Berufstätige sagt von sich, dass ihn am Wochenbeginn nur der Gedanke an den kommenden Freitagabend tröstet, die Arbeit durchstehen lässt. Das muss nachdenklich machen: Arbeitszeit ist doch tägliches Leben. Und wer da nichts erlebt, sondern nur leidet, kann einem wahrlich leid tun. Wem das Leben nur an den „frei-Tagen“ lebenswert ist, weil er keinen Erfolg hat oder sich überfordert fühlt, hat sich wahrscheinlich schon bei der Berufswahl vertan – oder übernommen. Ob das Streben nach Studium und vermeintlich gehobeneren Berufen auch zu Erfolg und Erfüllung führt, ist angesichts dieser Erhebung jedenfalls fraglich.
Goldene Zeiten für Maler?
Goldene Zeiten für Maler kämen, wenn dem Rat des Farbforschers Axel Venn gefolgt würde, darüber nachzudenken, die Wohnung jedes Jahr in den angesagten Trendfarben neu streichen zu lassens – oder selbst zu streichen. In diesem Jahr entsprächen Goldtöne unserer derzeitigen Stimmung am ehesten. Man könne sie insbesondere mit Rosa und Hellblau kombinieren, und wer die Wände so behandele, läge nicht nur im Trend, sondern schaffte auf Zeit auch eine Atmosphäre des Wohlbefindens. Dagegen sei Weiß keine „Palaverfarbe“ und deshalb für Wohnräume ungeeignet. Folgte man dagegen seinen Farbvorschlägen, würde man kommunikativer und Gespräche verliefen viel harmonischer. Wenn – ich weiß nicht, lieber Herr Venn.

praxisplus
Relevantes für die Branche entdecken, Anstöße geben, manche Dinge auf die Schippe nehmen – genau das macht Werner Schledt in seiner Kolumne „Unverdünnt aufgetragen“. Der Autor war jahrzehntelang Betriebsberater und Verbandsgeschäftsführer im hessischen Maler- und Lackiererhandwerk.
Werner Schledt
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