Mit uns durchs Jahr

Vorsätze fürs neue Jahr? Wie wär’s mit diesen drei aus einer frühen Malerblatt-Broschüre:

1. „Jeder Kunde hat etwas im Kopf, worauf es ihm besonders ankommt. Fachleute nennen diese Vorstellung den dominanten Kundenwunsch. Er sollte mit dem Auftrag unbedingt erfüllt werden. Deshalb fragen wir ab sofort jeden Kunden, worauf er bei der Auftragsausführung besonderen Wert legt.“

2. „Der Kunde wird ständig kundiger. Deshalb steigern wir unsere Beratungskompetenz, indem wir unsere Mitarbeiter stetig weiterbilden.“

3. „Ältere Menschen sind keineswegs nur für Hersteller von Treppenliften interessante Kunden. Sie sind aktiv und brauchen öfter mal Tapetenwechsel. Den für Haus und Wohnung bieten wir ihnen jetzt an. Mit einem attraktiven Seniorenpaket.

Probieren statt diskutieren – so heißt auch die zitierte Broschüre.

Fachkräftemangel ein Fake?

Eigentlich haben wir keinen Fachkräftemangel, sondern einen Mangel an Effizienz. Jedenfalls behaupten namhafte Unternehmer mit arbeitswissenschaftlichem Hintergrund, dass bis zu 40 Prozent der Zeit- und Arbeitskraft für Blindleistungen verschwendet werden, die nicht der Wertschöpfung dienen und dem Kunden nichts bringen. Als Beispiel nennen die Experten überlange Meetings, unnötige Such- und Wartezeiten, vermeidbare Transporte und das Beheben von Mängeln. Da ist sicher was dran. Auch für unsere Betriebe gilt, was schon der Soziologe Parkinson herausgefunden hat: „Eine Arbeit dauert so lange, wie Zeit dafür zur Verfügung steht.“ Deshalb sind gerade in unserem lohnintensiven Gewerk für die Auftragsabwicklung realistische Zeitvorgaben so wichtig. Dadurch lassen sich nutzlose Blindleistungen und unbezahlte Überqualitäten reduzieren. Und zwar drastisch.

Rauf und runter

Natürlich geht es zu Lasten der energetischen Modernisierung, wenn jetzt nur noch 8 statt bisher 11 Prozent der Kosten auf die Mieten umgelegt und diese nur noch um 3 Euro je Quadratmeter, bei geringen Mieten noch weniger, innerhalb von sechs Jahren erhöht werden dürfen. Das bringt auch den Mietern nichts, falls die umlagefähige Grundsteuer, wie gleichzeitig vorgesehen, erhöht wird. Bei diesem Rauf und runter geht’s drauf und drunter.

Hartz IV nicht schlecht reden

Dank der Hartz-Reformen und einer guten Konjunktur hat sich die Zahl der Langzeitarbeitslosen inzwischen mehr als halbiert. Trotzdem wollen SPD und auch Grüne das erfolgreiche Modell abschaffen und durch eine bedingungslose Versorgung ersetzen. Während Andrea Nahles die seltenen Sanktionen für Unzuverlässige und Arbeitsunwillige als Demütigung und Stigmatisierung bezeichnet, ist der Chef der Bundesagentur für Arbeit der Meinung, dass man den Leistungsempfängern von Steuergeldern wenigstens Zuverlässigkeit bei Terminvereinbarungen abverlangen könne. Das sehen sicher viele so. Ein System, das eine Familie mit zwei Kindern mit genauso viel Mitteln ausstattet, wie beispielsweise ein ICE-Zugführer in gleicher Situation zur Verfügung hat, mag da und dort verbesserungswürdig sein. Aber so schlecht, wie es jetzt geredet wird, ist es nicht.

Nachteile der Vorsorge

Wer für sein Alter privat vorgesorgt hat, z. B. durch den Abschluss einer Direktversicherung oder eine zusätzliche betriebliche Rente bezieht, zahlt für die Krankenversicherung doppelt so viel Beitrag wie ein Bezieher gesetzlicher Rente. Das will die Union im neuen Jahr ändern – aber nur für die Zukunft. Hoffentlich bleibts keine Zukunftsmusik: Über die Finanzierung ist man sich nämlich noch nicht einig.

Qualität wird respektiert

Nein, die hohe architektonische Qualität und die handwerkliche Ausführung mit teuren Materialien im IG-Hochhaus, seit Jahren Campus der Goethe-Universität in Frankfurt, sind es nicht, was Besucher zuerst verblüfft. Es ist vielmehr die unglaubliche Sauberkeit und Unversehrtheit, sowohl im historischen Trakt, als auch in den qualitätvollen Neubauten. Nirgendwo, weder in den Treppenhäusern und Fluren, noch in den Mensen oder Hörsälen eine Schmiererei oder Parole, ein Papier am Boden oder gar eine Kippe. Absolut nichts. Und diese beeindruckende Sauberkeit setzt sich in den riesigen Freianlagen fort. Auch hier so gut wie nirgends der kleinste Abfall auf Wegen oder dem Rasen – und dies bei rund 25 000 Studenten, die im Sommer auch nachts das Freigelände nutzen und Party machen. Ganz offensichtlich bestätigt sich der Zusammenhang zwischen gestalterischer und handwerklicher Qualität und sozialem Verhalten. Studenten, die ich dazu befragt habe, zuckten nur mit den Schultern und meinten „ist halt hier so.“ Qualität wird respektiert und ist unantastbar. Ist halt so.

Arbeit macht Spaß

Jedenfalls sagen das viele Rentner. Jeder Sechste über 65 arbeitet inzwischen noch weiter. Als Gründe nennen die Senioren vor allem: Spaß an der Arbeit, Kontakte zu Menschen und der Wunsch nach einer Aufgabe. Angst vor einer Erhöhung des Rentenalters haben offensichtlich immer weniger.


PraxisPlus

Autor Werner Schledt war jahrzehntelang Betriebsberater und Verbandsgeschäftsführer im hessischen Maler- und Lackiererhandwerk.

Werner Schledt

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„Eine Arbeit dauert so lange,
wie Zeit dafür zur Verfügung steht“


„Für ein Grundeinkommen gibt es keinen Grund“