Neues im Narrenmond

Brände in oder an Gebäuden mit gedämmten Fassaden werden von den Feuerwehrverbänden registriert. Die Liste wurde jetzt vom Energieinstitut Hessen analysiert. Dabei kam heraus, dass es sich bei über 70 Prozent der Brandfälle um Fehleinträge und Kleinigkeiten handelte. Über die Hälfte der Brände mit WDVS-Beteiligung waren Bagatellen, bei denen die Dämmung nicht etwa als Brandbeschleuniger wirkte, nicht einmal brannte, sondern selbst beschädigt wurde. Polystyrol ist bei bundesweit 180.000 Brandfällen im Jahr statistisch nur 1,8-mal beteiligt. Die hitzigen Debatten um die Gefährlichkeit von WDVS sollten deshalb ein Ende haben. Die aufgeregten Behauptungen sind nämlich eine Ente.

Bitte keine Werbung

Soviel Zustimmung wie zur bösen Satire in der Dezember-Ausgabe über den Versandhandel wünschte ich mir öfter. Hätte ich in diesem Jahr eine Büttenrede zu schreiben, würde ich über die Praktiken der Zusteller aus Sicht von Leuten, die tagsüber zu Hause sind, was zusammenreimen. Keinen Reim kann ich mir dagegen darauf machen, wieso auffallend viele Leute, die sich von den Angeboten im Internet jeden Hosenknopf andrehen lassen, „Bitte keine Werbung!“ auf ihre Briefkästen schreiben. Kein Wunder, dass immer mehr Mittelständler verschwinden. Und Briefkästen vielleicht auch.

Selber schuld

Für Mieter und private Nutzer eigener Immobilien beteiligt sich das Finanzamt auch in diesem Jahr an Renovierungs- und Modernisierungsmaßnahmen durch Handwerksbetriebe und erlässt bis zu 1.200 Euro von der Steuerschuld. Selber schuld, wer damit nicht wirbt.

Weniger Stress bei Regress

Seit 1. Januar sind Regressansprüche für mangelhafte Baumaterialien auch für Unternehmen deutlich erweitert. Die Betriebe haben jetzt nicht nur einen Anspruch auf mängelfreie Ersatzlieferung, sondern auch auf Übernahme der Kosten für Folgeschäden. Deutliche Verbesserung also beim Regress. Was in solchen Fällen unverändert bleibt ist der Stress.

Alte Häuser für junge Leute

Junge Leute lieben alte Häuser und sind bereit, dafür tief in die Tasche zu greifen. Das hat eine repräsentative Studie des Allensbach-Instituts ergeben. Die Jungen sind also für uns eine interessante Zielgruppe, die man speziell ansprechen kann. Zum Beispiel mit Informationen über Steuererleichterungen, günstige Kredite und Zuschüsse. Allensbach hat nämlich auch ermittelt, dass inzwischen 35 Prozent der Deutschen bereit sind, für eine denkmalgeschützte Immobilie einen höheren Preis zu zahlen – aber nur knapp 15 Prozent die staatlichen Fördermöglichkeiten kennen.

Denk mal!

Den historischen Wehrturm in unserem Stadtteil haben die Maler vorbildlich restauriert. Meinen Vorschlag, in circa fünf Metern Höhe rundum eine daumenbreite Fuge in den Putz zu schneiden, hat die Denkmalpflege ignoriert. Jetzt beginnt sich eine angenehme Patina auf der Oberfläche zu bilden. Und ich bin gespannt, bis wohin man ohne eine Schattenfuge als Begrenzung die leider zu erwartenden Graffiti-Schmierereien dann anständig beseitigt. Ich denk mal, so dilettantisch und lieblos wie an vielen historischen Gebäuden ohne begrenzende Bauteile.

Fair Job Firma

Der Chef eines der feinsten deutschen Grandhotels hat eine Initiative „Fair Job Hotels“ mitbegründet, bei der in erster Linie die Mitarbeiter im Vordergrund stehen und stetige Wertschätzung und Karrierehilfen erfahren. Natürlich bleibt dabei der Kunde unverändert König. Er wird schließlich noch besser bedient. Mit angesehenem Hofstaat lässt sich auch mehr Staat machen. Warum also nicht „Fair Job Firmen“ auch bei uns?

Maler-Meister

Malermeister – auf Bauschildern und Firmenfahrzeugen liest man das immer seltener. Umso überraschter war ich, dass eine der größten deutschen Tageszeitungen die ganzseitige Vorankündigung einer Kunstausstellung mit „Maler-Meister“ überschrieb. In dicken Lettern und unübersehbar. Und wir?

Urlaubsgrüße

Ich wollte dem Winter aus dem Weg gehen, fühlte mich in Marokko „mailen-weit“ vom Alltag entfernt und mich vor Aufträgen wie diesen sicher: „Ihr Beitrag ist zu kurz, können Sie schnell noch was schicken – rund 1000 Anschläge?“ Also gut, hier nun Urlaubsgrüße für Maler.

Identitätsstiftende Farbe?

Die Farbe von Marrakesch ist faszinierend, ein einziges erdfarbenes Rot, aber in unendlich vielen Nuancen. Die ganze Stadt bis zu den Rändern in nur einer charakteristischen Farbe, „ Tausendund eine“ eben. Das wäre bei uns unvorstellbar – oder vielleicht doch? In einer der neuen Trabantenstädte könnte man es ja mal versuchen. Farbe als identitätsstiftendes Medium, Selbstbewusstsein statt „Buschhemd-Buntes“.

Glücklicher Maler

Auch meine Zeitung erreicht mich hier. Heute erfreut sie mich mit der Headline „Glücklicher Maler“. Und die auf der Titelseite und in leuchtend roten Lettern. Im Inneren beschreibt der Artikel, wie glücklich die Maler über die Auftragslage sind- es boomt wie noch nie. Bitter beklagt wird natürlich der Nachwuchs- und Fachkräftemangel, ebenso die Tatsache, dass so viele Betriebsführer keinen Nachwuchs mehr finden. Da über 60 Prozent der Studenten von Jobs im öffentlichen Dienst träumen, bleibt der Mitarbeiter- und Meistermangel ein Albtraum. Vielleicht müssen wir für viele, die jetzt zu uns ziehen, noch anziehender werden? In meinem Urlaubsland, wo jeder zweite Jugendliche ohne Arbeit und Perspektive ist, drängt sich dieser Gedanke an jeder Ecke auf.

(Die letzten drei Absätze erreichten uns handschriftlich aus Marokko. Die Redaktion bedankt sich für die schnelle und unkomplizierte Hilfe.)


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Autor Werner Schledt war jahrzehntelang Betriebsberater und Verbandsgeschäftsführer im hessischen Maler- und Lackiererhandwerk.

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