Tranche aus der Branche

Drei große Verbände der am Bau beteiligten Unternehmer, darunter auch unser Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz, veranstalten erstmals gemeinsam „Branchentage“. Die Themenbereiche, wie Marketing, Bautechnik und -physik und auch Recht werden von hochkarätigen Referenten praxisnah abgedeckt. Die Tage am 28. und 29. November in Leipzig sind vielversprechend.

Mehr Meister – weniger Master

Die FDP macht sich für gleiche Bafög-Bedingungen bei Akademikern und Handwerkern stark. Der Entwurf eines Entschließungsantrags sieht vor, dass die Lehrgangs- und Prüfungskosten angehender Meister und Fachwirte deutlich höher als bislang bezuschusst werden. Warum, so fragt der Mittelstandspolitiker Thomas Kemmerich, von dem die Initiative für den Antrag ausgeht, wird die Ausbildung eines Studenten vom Staat finanziert, während sie der Meister selbst bezahlen muss. Das ist in der Tat nicht einsehbar. Aber vielleicht ist der Gesetzgeber ja einsichtig.

Wachsweicher Wohngipfel

„Bezahlbare Wohnungen“ -von den Parteien und Politikern hört man diese Forderung mindestens dreimal täglich. Hört sich gut an, aber bezahlbare Wohnungen heißt subventionierte Wohnungen. Bloß sagt das keiner. Billigwohnungen wären ja solche mit schlechteren Standards, und die kann keiner ernsthaft wollen. Dass Bauen hierzulande teuer ist, hängt nicht zuletzt von überzogenen Standards, bürokratischen Genehmigungsverfahren und (zu)vielen Bauvorschriften ab. Aber in diesem Bereich brachte der Wohngipfel nur wachsweiches: Die Landesbauordnungen sollen „verständlicher“ und übereinstimmender werden. Unverständlich, dass das nicht längst selbstverständlich ist. Dass so viele auf der Suche nach „bezahlbaren Wohnungen“ sind, hängt nicht nur mit Geld und Mieten, sondern auch mit Mentalität zusammen: Umfragen unter Studenten z. B. zeigen immer wieder, dass viele Angst vor der eigenen Courage haben. Lieber einen Job im sicheren öffentlichen Dienst, als Selbstständigkeit riskieren. Lieber Zeit zur Selbstverwirklichung und Einsatz im Privaten, als Engagement und Überstunden im Betrieb und, ja das auch: Lieber zur Miete wohnen, als Eigentum zu erwerben und zu unterhalten. Zu „Trautes Heim, Glück allein“ fehlt also auch die Traute.“ Auch deshalb gibt es bei uns weniger Eigenheime als in manchen Entwicklungsländern. Viele jungen Leute, das ergab jetzt eine aktuelle Umfrage der Union Investment, fühlen sich schon vom Procedere eines Immobilienerwerbs überfordert, jeder Dritte der Befragten möchte zugunsten einer eigenen Wohnung in den anderen Lebensbereichen auf nichts verzichten. Die gute Nachricht: Der überaus größte Teil der Immobilienbesitzer hat keinen akademischen, sondern einen mittleren Abschluss. Menschen, die nach einer Lehre in ihrem Beruf arbeiten, z. B. Handwerker, bilden deutlich früher Kapital zur Finanzierung von Eigentum. Sie sind halt handfester.

Von Bullen, Bären und Gummibärchen

Nein, an die von mir oft genug vorgeschlagene Spiele-App, um Kids schon früh für das Handwerk zu begeistern, glaube ich nicht mehr, aber für das Anliegen gibt es auch andere Aktivitäten. „Kleine Hände – große Zukunft“ ist eine davon. Dabei besuchen Kita-Kinder zwischen drei und sechs Jahren Handwerksbetriebe in der Nähe und setzten anschließend ihre Erlebnisse und Eindrücke in bunten Postern zusammen. Diese können auf Länderebene eingereicht und mit Geldpreisen für die Kitas prämiert werden. Bleibt zu hoffen, dass auch viele unserer Innungen und Betriebe mitmachen und die Kitas in ihrem Bereich ansprechen.

Zu den bemerkenswerten Marketingmaßnahmen gehörte zuletzt auch ein blauer Bulle vor der Frankfurter Börse am Tag des Handwerks, der den bronzenen Bullen, Symbol für Anstieg, noch überragte. Er war seiner Größe und Farbe wegen unübersehbar und illustrierte die Forderungen des Handwerks nach einer Verlängerung der Bafög-Förderung für Auszubildende und die Wiedereinführung der Meisterpflicht für die ausgenommenen Berufe. Für den Tag des Handwerks war jedenfalls der bronzene Bär, Zeichen des Rückgangs, gegenüber dem überragenden Bullen des Handwerks auf Gummibärchenformat geschrumpft.

Mit Haut und Haaren

Bei manchen ist das Handy schon wie angewachsen. Das hat die französische Künstlerin Marie-Eve Levasseur inspiriert, eines zu schaffen, das scheinbar mit menschlicher Haut überzogen und von der Hand, in der es liegt, optisch kaum zu unterscheiden ist. Zum Nachdenken für alle, die sich dem Ding bereits mit Haut und Haaren unterworfen haben.

Malermeister und Minister

Ich erinnere mich noch gut an dünkelhafte Bemerkungen akademischer Bedenkenträger, als Ministerpräsident Walter Wallmann unseren Kollegen Alfred Schmidt, Malermeister aus Kassel, zum hessischen Wirtschaftsminister berief. Aber auch an die Anerkennung für dessen Amtsführung, die er rasch erfuhr. So plädierte er trotz Tschernobyl mutig für die Energieversorgung ohne Verzicht auf Atomenergie, forcierte den Straßenbau und hob Autobahn-Tempolimits seiner Vorgänger auf. Bescheiden und freundlich wie er war, bezeichnete er sich selbst am liebsten als Pragmatiker. So habe auch ich ihn oft erlebt. Jetzt feierte er seinen 80. Geburtstag. Herzliche Gratulation.


PraxisPlus

Autor Werner Schledt war jahrzehntelang Betriebsberater und Verbandsgeschäftsführer im hessischen Maler- und Lackiererhandwerk.

Werner Schledt

Gangstraße 35 c

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werner@schledt.de


Lieber einen Job im sicheren öffentlichen Dienst,
als Selbstständigkeit riskieren.


Der größte Teil der Immobilienbesitzer hat keinen
akademischen, sondern einen mittleren Abschluss.