Welcome to the sample pot

An der englischen Südküste liegt die Wiege eines der bekanntesten britischen Farben- und Tapetenherstellers, Farrow & Ball. Wir durften einen Blick in die Produktion werfen.

Autor I Fotos: Martin Mansel

Vom Flughafen London sind es gute zwei Stunden Fahrt bis ins beschauliche Städtchen Wimbourne Minster im Südosten der Grafschaft Dorset. Am heutigen Standort – die erste Fabrik wurde bei einem Brand zerstört – werden seit den 60er-Jahren, teilweise noch mit hohem handwerklichem Aufwand, Farben und Tapeten mit dem typisch britischen Flair hergestellt. Gegründet wurde das Unternehmen 1946 von den beiden Namensgebern John Farrow und Richard Ball. Diese verkauften ihre Firma Ende der 60er-Jahre. Heute gehört der Hersteller von Premium-Farben dem Finanzinvestor Ares Management.

Authentizität und Emotion

Bei Farrow & Ball hat man früh erkannt, dass Farbe viel mit Emotion zu tun hat. Auch heute gehört die Erforschung von Farbbefunden noch zum Tagesgeschäft. So stellt man sicher, dass bei der Restaurierung von Gebäuden genau der historische Farbton getroffen wird. In der Design-Abteilung tüfteln die Farbexperten stets an den kommenden Farbtrends, vergessen darüber aber nicht die Tradition. Um die Vielzahl an Farben beherrschbar zu machen, umfasst eine aktuelle Farbpalette grundsätzlich immer 132 Farbtöne. Wenn im Rahmen eines Kollektionswechsels Farben aus der aktuellen Palette genommen werden, heißt das aber nicht, dass diese nicht mehr verfügbar sind. Die Rezepturen werden archiviert und sind auf Wunsch weiterhin, und übrigens auch ohne allzulange Wartezeit, lieferbar.

Diese Liebe zum Detail setzt sich in vielen Aspekten fort, so zum Beispiel auch bei den beliebten Sample Pots. Die Probedosen enthalten jeweils die Farbmenge für einen Quadratmeter Fläche und haben sich in den vergangenen Jahren zu wahren Kultobjekten entwickelt. Nach Verbrauch der Farbe werden sie nicht schnöde weggeworfen, sondern finden häufig einen Dauerplatz im Haushalt, sei es nun als Blumenvase oder Gefäß für Buntstifte. Übrigens, auch die Kantine für die Mitarbeiter in Wimbourne trägt den Namen „Sample Pot“. Sie versorgt die Farrow & Ball Crew täglich mit typisch britischen Gerichten, sicherlich auch eine Ursache für das einzigartige Look & Feel der Farben aus Südengland.

Viel Handwerk im Spiel

Bei der Produktion der Farben kommen nur hochwertige Pigmente und Bindemittel zum Einsatz. Im ersten Schritt mischen die Mitarbeiter Kreide, Kaolin und Titandioxid. Anschließend erfolgt die Zugabe der jeweiligen Pigmente und entsprechenden Zusätze für den Farbton und das gewünschte Finish. Mittlerweile sind elf unterschiedliche Finishs im Angebot. Gleich nebenan befindet sich das Prüflabor. Hier wird das Ergebnis der Mischvorgänge kontinuierlich Tests unterzogen, bevor es in Dosen abgefüllt wird. Farbintensität, Glanzgrad, Abriebfestigkeit und Deckkraft sollen schließlich den hohen Anforderungen an den typischen Farrow & Ball-Look genügen. Seit 2010 sind übrigens alle Farben umweltfreundlich auf Wasserbasis und niedrigen VOC-Gehalt umgestellt.

In einem weiteren Gebäude werden die F&B-Farben direkt hausintern weiterverwendet, nämlich bei der Produktion der Tapeten. Seit 1995 fertigt man hier in Wimbourne auch Tapeten, auf ganz traditionelle Weise. Mit Flachbett- oder Rollenblockdruck erhält das Papier sein Muster. Die Blöcke werden noch heute aufwendig von Hand gefertigt. Spannend ist auch hier ein Blick in das Archiv, in dem sich viele außergewöhnliche Muster und Designs befinden.

Streifentapeten gehören auch in England zu den Designklassikern. Die Streifen trägt man mittels Trogdruckverfahren auf. Die dabei verwendeten Farbkissen werden nach nur fünf Durchläufen ausgetauscht, um eine gleichbleibende Qualität zu sichern. Im Anschluss an den Farbauftrag werden die Papierbahnen mit einem Schutzüberzug versehen, damit der Bauherr lange Freude am Design hat. Auch hier gilt: Eine schöne Verpackung gehört dazu. Nach Trocknung und Zuschnitt erhalten die fertigen Rollen eine elegante Bauchbinde und werden gemeinsam mit einem Muster in einem Karton ansprechend verpackt, bevor sie in den Versand hinaus in die weite Welt gehen.

Weitere Fotos:
www.malerblatt.de


PraxisPlus

Schulungen in Deutschland:

Der britische Farbhersteller hat mittlerweile hierzulande fünf Showrooms mit Beratung: In Hamburg, Düsseldorf, Köln, Frankfurt und München. Zusätzlich sind die Farben und Tapeten bei ausgewählten 70 Fachhändlern verfügbar. Wer sich für weitere Informationen interessiert, findet nachstehend die nächsten Lehrgangstermine:

  • Frankfurt 14. Juni .2018
  • München 12. Juli 2018
  • Düsseldorf 26. Juli 2018
  • Köln 20. September 2018
  • Hamburg 13. September 2018

eu.farrow-ball.com


Eine Million
Sample Pots
verkauft
Farrow & Ball
im Jahr