Fassadengestaltung: Bewusster Umgang mit Holzvergrauung und Farbeffekten

Changierende Grautöne

Durch die vorvergrauende Kanthölzer und den Einsatz farbiger Flächen bei der Fassadengestaltung erlebt der Betrachter zwischen Schräg- und Frontalansicht unterschiedliche Farb- und Strukturwirkungen.

Autor/Fotos: Wolfgang Conrad

Holzelemente sind heute Bestandteil  moderner Fassadengestaltung. Dabei wird schon bei der Aufstellung mit oder ohne Beschichtung über das weitere Aussehen der Holzaufmachung entschieden. Mit der ungeschützten Verwendung im Freien verändert sich in Abhängigkeit von der Holzart und den Umgebungsbedingungen das Oberflächenaussehen relativ schnell, es vergraut.

Natürliche Patina

Beispiele für diese natürliche Holzpatinierung, mit ihren verschiedenen optischen Verlaufsbildern, findet man häufig im ländlichen Bergland, wo sie auch der natürlichen Umgebung und der lokalen Baukultur entgegenkommen. Im Gegensatz dazu wird im städtischen Raum bei Neubauten mit großen Holzflächen mehr gestalterisch als zufällig die Entwicklung der Holzästhetik aktiv beeinflusst, und sich nicht selbst überlassen.

Den bewussten Umgang mit Vergrauungs- und Farbeffekten veranschaulicht die Fassadengestaltung im Holzbau an der neuen Kinderkrippe in Ismaning im Münchner Nordkreis: Die Wände sind in Holzmassivbauweise aus Brettsperrholz, Dämmung und hinterlüfteter Verkleidung hergestellt, die Fassadengestaltung besteht aus Massivkanthölzern, sogenannten „Kanteln“, aus Lärchenholz auf einer Holzunterkonstruktion mit einer unterlegten anthrazitgrauen Fassadenmembran. Die Kanthölzer wurden mit einer Vorvergrauungslasur beschichtet, die die natürliche Abwitterung vorwegnimmt, wo sie als eine einfache, aber sehr charaktervolle Gestaltungskomponente die Fassadenansicht bestimmen.

Fassadengestaltung mit Farb- und Strukturwirkungen

Mit dieser Kantholzgestaltung erlebt der Betrachter zwischen Schräg- und Frontalansicht unterschiedliche Farb- und Strukturwirkungen: In der Schrägrichtung schließt sich optisch die Wandfläche, in der Frontalen öffnen sich die Zwischenräume der Kanthölzer, hauptsächlich vor anthrazitgrauem Hintergrund, und entfalten ihre dreidimensionale Wirkung. Unter Ausnutzung dieses visuellen Effekts haben die Architekten eine Terrassenwand an der Westseite mit einer zusätzlichen farblichen Gestaltungskomponente ergänzt. Hier wurden als großflächiger Farbakzent gelbgrüne Eternitplatten unterlegt. Als weiteres Farbenspiel sind unterschiedlich nuancierte, gelbgrüne glatte Teilflächen zur Auflockerung der Fassade eingegliedert.

Dadurch strahlt die Holzfassade, je nach Tageszeit und Lichteinwirkung, in verschiedenartig changierenden Grautönen. Die einfache und klare Flächengestaltung wirkt insgesamt, auch im Zusammenhang mit der langen Balkonreihe, sehr luftig und leicht. Durch die Verwendung der Vorvergrauungslasur hat die lasierte Holzfassade vorzeitig eine graue Naturästhetik des zukünftigen Erscheinungsbildes durch die Holzalterung, die zudem jetzt kontrolliert und stabil abläuft.

Weitere Fotos:
www.malerblatt.de


PraxisPlus

Bautafel

Holzvergrauungslasur:
Adler Pullex Silverwood

Fassadenmembran:
Stamisolfolie

Planer/Architekten:
MRA München

Ausführung:
Holz & Fassadenbau Ludwig, Trogen

Bauherr:
Gemeinde Ismaning