Sanierung am Fachwerk

Farbiges Fachwerk gestalten

Farbiges Fachwerk präsentiert klassische Handwerksarbeit – auch bei der Sanierung. Anhaltspunkte für eine gelungene Gestaltung finden sich über Befunde, regionale oder epochale Farbigkeiten geben ebenfalls Hinweise.

Autor | Fotos: Melanie Nüsch

Als Besucher von ländlichen Gebieten oder geschichtsträchtigen Orten verbinden wir farbiges Fachwerk mit Historienromantik, Tradition, Heimat und Gemütlichkeit. Das liegt am besonderen Erscheinungsbild von Fachwerkgebäuden, die von schlicht bis prunkvoll verziert, einzeln, aber auch als Ensemble für ein interessantes Panorama sorgen. Gerne lässt man den Blick über farbiges Fachwerk an Gebäuden von Marktplätzen wie Waiblingen, Alsfeld oder Nienburg schweifen und bewundert ihre Vielfalt.

In mittelalterlichen Fachwerkstädten sind bedeutungsvolle Fachwerkbauten besonders reich mit farbig gefasstem Schnitzwerk ausgestattet. Geht es um die Sanierung, ist hier ein behutsames Vorgehen bei der Bearbeitung wichtig. Gemeinsam mit der Denkmalpflege lassen sich fachlich vertretbare Möglichkeiten der Gestaltung ausloten. Ob ein Objekt unter Denkmalschutz als einzelnes Kulturdenkmal oder in einem Ensemble steht, zeigt die verbindliche Denkmalliste des jeweiligen Denkmalamtes oder die daraus resultierende veröffentlichte Denkmaltopografie. Bei einem Denkmal ist es immer ratsam, zuerst den Kontakt zur Behörde zu suchen und dann erst die Arbeiten zu planen. Bei gewünschter farblicher Veränderung des Fachwerk Erscheinungsbildes wird in der Regel eine Befunduntersuchung gefordert, um eventuell der ursprünglichen, für den jeweiligen Bau charakteristischen Farbigkeit auf die Spur zu kommen.

Fachwerk: Orientierung an Beispielen

Gibt es keine aussagekräftigen Anhaltspunkte aus einer solchen Untersuchung, hilft es für eine fachlich vertretbare Neugestaltung, die Erbauungszeit und das Umgebungsbild zu recherchieren. Bestimmte Epochen und unterschiedliche Regionen zeigen wiederkehrende Beispiele, an denen man sich orientieren kann. Im Prinzip waren es bis ins 19. Jahrhundert fast ausschließlich Erdpigmente und nur wenige Mineralpigmente, die die Farbigkeiten am Bau bestimmten. Für Blaufärbungen gab es nur Pflanzensäfte, die eher zum Färben von Stoffen geeignet waren, blaue Kristalle wie Smalte oder Bremer Blau, welche viel zu wenig brillant auf Holzgründen gewesen wären oder den zu wertvollen Lapislazuli. Grüne Töne rührten oft von natürlichen Erden her. Dazu wurden erdige Rottöne, Ockertöne und – als einziges Organisches Pigment – Schwarz aus diversen Verbrennungsrückständen eingesetzt. Allerdings lässt sich durchaus auch mal ein historischer leuchtend oranger Farbton ausmachen. Bleimennige konnte schon im Mittelalter hergestellt werden ebenso wie andere Bleifarben. Natürlich benötigt Holz keinen Korrosionsschutz, aber die Vorfahren freuten sich über die Möglichkeit besonders intensiver Farbtöne. Dass diese giftig sein könnten, spielte damals keine Rolle.

Farben: Epochen und Regionen

Zu bestimmten Farben in Epochen und Regionen gibt es zwar allerhand fachliche Informationen, die aber in ihrer Gesamtheit manchmal sehr unübersichtlich erscheinen. Und mancher Befund hebelt die Regeln aus. Das liegt daran, dass von Fachwerkbauten aus sehr frühen Epochen nur sehr wenige Exemplare erhalten sind und dann in der Regel nicht in ihrem ursprünglichen Erscheinungsbild. Historische Gestaltungen waren aus natürlichen Materialien gefertigt und deren Haltbarkeit begrenzt. Grundsätzlich lassen sich aber zumindest grob auf Grund belegter Funde folgende Aussagen zusammenfassen:

Im südlichen Deutschland findet man an frühen mittelalterlichen Häusern in Städten hauptsächlich Rottöne, später auch häufiger Ocker oder umbragrünliche Farben. Graue Farben sind eher in späteren Epochen ab dem Barock oder dem Klassizismus zu finden. Im mittleren Deutschland z. B. in Nordhessen gibt es neben Rottönen sehr früh Schwarz- und Grautöne, die ab dem Barock auch oft zu einem Blaugrau tendieren. Geht es mehr in den Norden, finden sich weniger Rottöne, eher Schwarz oder Grau und eine Besonderheit, die gemeinsame Überfassungen von Gefach und Holz. Sie stammt aus dem 18. Jahrhundert. Hier hat man bewusst die Gefache und die Holzteile zusammen mit einem zumeist hellen Ton übermalt, um ein wertigeres Massivhaus darzustellen. Dass Rot als Variante nicht so häufig verwendet wurde, dürfte mit den ziegelsteinsichtigen Ausfachungen zusammenhängen.

Farbigkeit der Gefache

Gefache waren zum oft farbigen und dunkleren Holz hell getüncht. In der Historie war Kalk das Anstrichmaterial dafür und dieser hat eine starke Eigenfarbe und konnte mit Pigmenten nur wenig abgetönt werden. Um ein angenehmes Bild zu schaffen und nicht den größtmöglichen Kontrast, ist es auch immer ratsam, das Weiß der Gefache in Richtung der Holzfarbe ein kleinwenig zu brechen.

An späteren modernen Fachwerkbauten der Jahrhundertwende findet man auch mal stark farbige Gefache, bei denen die Hölzer im Kontrast oft braun oder dunkel gestrichen wurden. Zum einen machten es neue Farbtechnologien möglich, wie z. B. die Silikattechnik. Zum anderen geht diese Gestaltung einher mit dem Historismus, bei dem man einen romantischen Blick auf die Baugeschichte warf und gerne das Dekorative betonte. Während im Mittelalter bestimmte Ornamente durchaus auch mit einem tieferen Sinn angewendet wurden, sind sie im Historismus nur noch Schmuck.

Striche, Begleiter und Ritzer

Ein sogenannter Begleiter oder Begleitstrich ist eine Linierung, die unmittelbar am Übergang von Holz zu Putzfläche ringsherum verläuft und in der Historie sogar teils auf dem Holz verlief und bis in das Gefach hineinragte. Er bot eine Möglichkeit zur künstlichen „Begradigung“ der Konstruktion. Will man Derartiges heute umsetzen, muss man aufgrund von Haltbarkeitsüberlegungen diese Gestaltung kritisch hinterfragen. Denn es ist physikalisch gesehen eher unvorteilhaft, mit der zumeist dichteren Holzfarbe auf die empfindlichste Stelle, die Übergangsfuge, zu streichen. Ritzer nennt man dünnere Linien, die noch direkt an den Begleiter anschließen oder auch frei im Gefach erfolgen können. Ritzer sind so dünn, dass sie in Pinselstärke in einer Bewegung aufgezogen und nicht flächig ausgemalt werden. Manchmal findet man Linierungen im Gefach, die bewusst mit hellen und dunklen Kontrasten kombiniert, zu einer optischen Quaderung innerhalb der Gefachfläche führen. Solche Licht- und Schattenmalereien entstanden erst ab der Renaissance, weil in dieser Epoche die räumliche Darstellung und die Gestaltung mit der Perspektive Einzug hielten.

Mehr zum Thema:
www.malerblatt.de/themen/technik-werkstoffe/fachwerkfarben-richtig-erhalten/

Weitere Infos zum Betrieb:
www.malermeisterei-schlitz.de


PraxisPlus

Zur Autorin

Melanie Nüsch ist Malermeisterin und Restauratorin im Maler- und Lackiererhandwerk mit einer Malermeisterei in Schlitz. Als Seminarleiterin in der Propstei Johannesberg leitet Sie dort – neben anderen Fortbildungen – das Seminar „Anstrich auf Fachwerk“.

Nähere Informationen zu ihrem und weiteren Seminaren rund ums Thema Fachwerksanierung:

www.propstei-johannesberg.de