Farbe & Inspiration

Farbe in Bestform

Sie ist nicht nur eine physikalisch messbare Größe: Farbe verändert die Wahrnehmung, die Wertigkeit und auch die Präsenz von Gebäuden in ihrem Kontext. Farbe definiert Objekte durch ihre Symbolik, bildet Metaphern und kann Geschichten erzählen.

Warten in Farbe

Je nach Tageszeit ändern sich an der Straßenbahn- haltestelle Hochzoll-Mitte in Augsburg die Farben. Die hell leuchtende, auffallende Licht-Installation der Nürnberger Künstlerin Rita Kriege macht die Wartehäuschen an der kürzlich gebauten Linie 6 auf beiden Seiten zu einem unterhaltenden Blickfang. Die Motive wurden digital im Okalux-Okacolor-Verfahren direkt auf die Innenflächen von zwei acht Millimeter starken Einscheiben-Sicherheitsgläsern gedruckt, aus denen dann die Isolierglaselemente entstanden.
Wenn in der Nacht oder bei schlechtem Wetter die Leuchtdioden ihr Licht einkoppeln, werden auch ein- gravierte Linien und grafische Muster sichtbar. Zusätzlich ermöglichen die individuell programmierbaren Beleuchtungselemente jederzeit Änderungen für verschiedene Gelegenheiten.
Entwurf: Rita Kriege, Nürnberg Glasfertigung: Okalux, Marktheidenfeld Standort: Augsburg, Haltestelle Hochzoll-Mitte Foto: Stefan Noack, Nürnberg
Eisenzeit
Mit seiner rostbraun schimmernden Stahlverkleidung verweist der moderne und kantige Guckkasten des Keltenmuseums am Glauberg darauf, dass die Zeit die Dinge und die Landschaft verändert und passt sich perfekt in eine landwirtschaftlich geprägte, hügelige Landschaft ein, ohne in ihr zu verschwinden. Das auf zwei keltischen Grabhügeln ausgerichtete Panoramafenster leitet den Blick in die Eisenzeit der Kelten. Im Inneren steigt man, dem Geländeverlauf folgend, Schicht für Schicht in den Ausstellungsbereich. Der von den Aachener Architekten Klaus Kada und Gerhard Wittfeld entworfene Neubau ist Teil eines Ensembles, bestehend aus einem archäologischen Park und einem Forschungszentrum, das sich der weiteren Untersuchung des Ortes widmet. Das klar umrissene Gebäude ist auf einem weit zurückgesetzten, gläsernen Sockel in den Hang geschoben. Fast wirkt es, als sei es selbst ein archäologisches Fundstück, das freigelegt wurde.
Architektur: kadawittfeldarchitektur, Aachen Standort: Am Glauberg 1, Glauburg-Glauberg Foto: Keltenwelt am Glauberg
Rot oder helles Blau
Je nachdem, ob nun die „Bayern“ oder die „Löwen“ kicken, erscheint die Stadionhülle der Münchner Allianz-Arena rot oder blau illuminiert. Sowohl die Farben des FC Bayern München als auch des TSV 1860 München sind so in das Gestaltungskonzept einbezogen. Aus dieser Idee entwickelte Sybille Abel vom Caparol FarbDesignStudio ein Logen-Konzept, das farbige und strukturierte Wandoberflächen korrespondierend zu beiden Vereinen einsetzt. Zum Blickfang wurde eine rote Akzentwand, für die eine hochglänzende, das einfallende Licht spiegelnde Spachteltechnik verwendet wurde. Auf dieser Wand präsentiert sich farblich passend ein historisches Mannschaftsfoto des FC Bayern München in Schwarz-Weiß. Die gegenüberliegende Wandfläche in einer feinen Bürstenschlagstruktur nimmt sich in einem in Verbindung mit dem TSV 1860 München stehenden, hellen Blauton zurück, wodurch der schlauchförmige Raum optisch weiter wirkt.
Entwurf: Caparol FarbDesignStudio Ausführung: Maler Fahrnbauer, München Fotos: Caparol/Martin Duckek
Violett in die Jetztzeit
Etwas ab vom Zentrum Luzerns, aber immerhin mit Blick auf den Rigi, steht seit rund 40 Jahren das Seni-orenheim Staffelnhof, ein massiver, sechsgeschossiger Komplex in einem vergrauten, dunklen Violettton. Jetzt wurde das inzwischen denkmalgeschützte Gebäude um einen neuen Trakt erweitert, der sich linear an den Bestand anfügt.
Während sich die Architektur des Neubaus in Proportion, Fenstertypologie und auch Putzoberfläche dem Bestand weit annähert, reagiert die Farbebene auf den ersten Blick völlig konträr. Jörg Niederberger, der Luzerner Künstler, schließt an das alte Violett mit einem kräftigen Komplementärkontrast an, taucht den Neubau zunächst in ein sattes Gelb, das dann entsprechend der vertikalen Balkonzeilen mutiert. Und zwar zunächst in ein Hellgrün, dann in ein Grün und wieder in das bekannte Violett. Damit erhält der Neubau eine optische Klammer zum Bestand, bleibt aber als neu zu erkennen. Selbst Niederberger, der die kraftvolle Farbe schätzt, war nach dem Abrüsten von der Intensität wie auch der Stimmigkeit der „Volumennobilitierung“positiv überrascht.
Architektur: Büro Konstrukt, Luzern Farbkonzept: Jörg Niederberg, Büren Standort: Staffelnhof, Luzern-Littau Fotos: Keimfarben
Kieselabdrücke
Lokaler Bezug lässt sich auf unterschiedlichste Weise in die Architektur bringen – einen ganz besonderen Weg beschritt man beim neuen Wohnkomplex in München-Thalkirchen. Dort integrierte man große Kiesel der nahen Isar in die Fassadenbänder, genauer gesagt, deren Abdrücke. Die Brüstungsbänder umschließen den Neubau komplett und integrieren das spezielle Relief aus rasterfrei, in loser Abfolge gestreuten Einwölbungen.
Zur Herstellung dieses Reliefs wurden die Kiesel zersägt, Aluminiumgüsse hergestellt und diese auf eine Mutterplatte montiert. Daraus entstand eine Kautschukmatrize für die werkseitige Produktion der Sto-Fassadenplatten, mit denen sich die künstlerische Idee technisch umsetzen ließ.
Architektur: Robert Meyer und Victoria von Gaudecker, München Künstlerische Idee: Sabrina Hohmann, München Fotos: Sto AG

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