Farbe & Inspiration

Farbe in Bestform

Farbe charakterisiert Gebäude bereits auf den ersten Blick: Da gibt es das elitäre Schwarz, das fröhliche Grün und das für sich selbst werbende Orange. Nicht immer muss es so plakativ sein, denn Farbe kann auch zurück-haltend Bauten in Szene setzen.

Effektvolle Farbverläufe

Mit ihren ausdrucksstarken orangenen Farben sind die Werbetürme des Autovermieters Sixt am Flughafen Berlin-Tegel nicht nur werbewirksam, sondern auch als Kunstwerke beeindruckend. Feinste Farbabstufungen, die von einem sehr hellen Gelborange bis hin zu einem satten Rotorange reichen, gehen gekonnt ineinander über und sehen aus, als ob sie mit der Sprühdose auf- gesprüht worden wären. Um die Farben auf die groß- flächigen Betontürme aufzusprühen, kamen spezielle Niederdruckspritzgeräte zum Einsatz. Für die Umsetzung des außergewöhnlichen Designkonzepts wurde der Fassadenkünstler Oliver Kray gewonnen, der die acht Türme mit ihren insgesamt über 1.000 Quadratmetern Fläche in nur zwei Wochen mit Reinacrylatfarbe bearbeitete.
Entwurf: Oliver Kray Standort: Flughafen Otto Lilienthal, Berlin-Tegel Fotos: Oliver Kray/Caparol
Insektenbewohner erwünscht
Für Spinnen, Laufkäfer, Eidechsen und allerlei sonstiges Getier ist auf der Schwäbischen Alb zwar kein roter Teppich ausgerollt, wohl aber der gelbe Kalksteinschotter aufgeschichtet. Einem Riesenteppich aus Kalksteinen gleich, besteht die Fassade des ökologischen Vorzeigehauses im neu ausgebauten Naturschutzzentrum Schopflocher Alb aus rund 20 Tonnen des Albgesteins. „Eine in dieser Größe gefertigte Außenfassade aus Steingabionen ist wohl im ganzen Land einmalig“, so Architekt Jürgen Müller, der das Gebäude geplant und umgesetzt hat. In der Regel kommen die mit Stein gefüllten Stahlgitter im Garten- und Landschaftsbau zum Einsatz. Form und Material, so die Philosophie der Architekten, sollen im Naturschutzzentrum harmonisch ineinander übergehen. Die Steine übrigens stammen aus einem nahe gelegenenen Steinbruch.
Architektur: Dolde + Müller, Frickenhausen Standort: Naturschutzzentrum Schopflocher Alb, Schopfloch Fotos: Armin Scharf
Hochgestapelt
Weil am Rhein gehört mehr denn je zu den Hotspots der Architekturinteressierten. Denn Möbelhersteller Vitra wartet mit einem neuen Highlight auf, dem sogenannten „VitraHaus“. Entworfen wurde es von den Schweizer Großarchitekten Herzog & de Meuron als ein Agglomerat aus gestapelten Urhäusern. 15 in die Länge gezogene und damit verfremdete Satteldach-Häuser liegen wie Scheithölzer diagonal überein- ander, durchdringen sich, kragen bis zu 15 Meter weit aus und bilden so fünf Ebenen im Inneren. An den Stirnseiten voll- verglast, bleibt der Rest inklusive Dachhaut in einem fast schwarzen Grau. Den Kontrast dazu bildet das rundum weiß gefasste Interieur, darunter auch weiße Glättspachtel- techniken an den diversen Treppenabgängen. Die spannenden Raumabfolgen dienen letztlich der Präsentation der „Home Collection“, die 2004 als erste Endverbraucher-Linie entstanden war. Doch erst jetzt können sich Architekturfans beim Besuch des „Architekturzoos“ des Unternehmens auch noch eingehend über dessen Produkte informieren.
Für den Fachmann interessant sind jene Zonen, in denen sich die Baukörper durchdringen und eigenwillige WDVS-Anschlüsse bilden.
Architektur: Herzog & de Meuron, Basel Standort: Charles-Eames-Str. 2, Weil am Rhein Foto: Vitra
Fröhliche Aliens
Veli Vrh ist ein locker bebauter Vorort der kroatischen Hafenstadt Pula. 2008 brannte dort das alte Schulhaus komplett ab, was sich im Nachhinein als Chance für ein neues, multifunktionales Ensemble erwies. Heute tummeln sich auf einem durchgestalteten Areal insgesamt sechs unterschiedlich ausgeformte Bauten: die Schule samt Sporthalle und Verwaltung, ein Gemeindezentrum und ein Kindergarten. In allen Bauten finden sich markante Farben: Gelb, Grün, Orange und Violett, dazu ergänzend Weiß und das Grau des Sichtbetons. Auch an den Fassaden finden sich diese Farben wieder, etwa am Kinder- garten mit seinem kammförmigen Grundriss. Die nach innen gerichteten Höfe werden von gelben Fassaden und Böden definiert, die Stirnfassaden tragen ein fröhlich-frisches Grün. Weiß gepixelte Alien-Icons, die aus frühen PC-Spielen entstammen, lassen den Betrachter schmunzeln.
Architektur: Randic-Trauto, Rijeka/Kroatien Ausführung: Strabag, Kastav/Kroatien Standort: Zahtilina, Pula/Kroatien Fotos: Sto AG
Grünes Kinderhaus
Verglichen mit seiner Plattenbau-Nachbarschaft ist die Kindertagesstätte „Leonardo“ geradezu ein Winzling. Doch das zweigeschossige Gebäude setzt einen selbstbewussten formalen Kontrapunkt: Der amöbenartig geschwungene Grundriss und das leuchtende Grün der Fassade geben dem Bau eine typgerechte, einladende Unbeschwertheit. Die äußere Form setzt sich konsequent auch im Inneren fort: Kein Raum ist wirklich rechtwinklig, überall fließt der Schwung von außen nach innen. Die Fassade ist als WDVS mit EPS-Platten und einem organisch gebundenen Putz ausgeführt, der wegen der intensiven Farbigkeit nochmals beschichtet wurde.
Architektur: HLP Architekten, Berlin Ausführung: Dahmeland-Bau GmbH, Königs-Wusterhausen Standort: Kleine Markusstr. 9, Berlin-Friedrichshain Fotos: HLP Architekten
Wellenfront
So manches Gründerzeit-Gebäude verlor in der Vergangenheit seine Fassadenornamentik und wurde belanglos-banal. Auch in München trifft man derlei geschundene Bauten immer wieder an – und seit kurzem auch eine zeitgemäße Neuinterpretation mit modernen Gestaltungselementen. So erhielt das gesichtslose Wohngebäude im Gärtnerplatzviertel eine komplett neue Straßenfassade aus wellenförmigen Bossen. Die wurden werkstattseitig per Latexform mit Gießstuckmörtel hergestellt, vor Ort dann auf die armierte Fassade montiert, mit einem Feinputz versehen, dieser oberflächlich abgekratzt und schließlich silicatisch beschichtet. Die in horizontalen Bändern versetzt angebrachten, zwischen 15 und 40 Millimeter Dicke variierenden Elemente erzeugen ein ausgesprochen bewegtes Fassadenbild. Das Sockelgeschoss trägt breitere Wellenbänder als die beiden Obergeschosse darüber. Im Gegensatz zu normalen Bossierungen wirkt diese Lösung weder statisch noch massiv und verleiht der Fassade einen neuen, individuellen Charakter.
MA Architektur: Hild und K Architekten, München Ausführung: Restauro Putz GmbH, München Standort: Reichenbachstraße, München Fotos: Michael Heinrich
Modellstadt als Symbolfläche
Johannes Becker und Philipp Nottelmann haben in einer Semesterarbeit an der HAWK Hildesheim das Zusammenspiel zwischen Symbolen und Stadtstrukturen nachgestellt. Dazu bauten die beiden Studenten eine Modellstadt mit typischen Zonierungen aus weiß beschichteten Polystyrol-Schaumkörpern und projizierten per Minibeamer eine Kaskade von Symbolen, Icons, Piktogrammen und Zeichen auf die neutralen Körper. Die Arbeit „Lumen Urbs“ versteht sich weniger als Simulation einer möglichen inter- aktiven Gebäudegestaltung, sondern nimmt Bezug auf die Stadt als Ort der effektiven und kulturüber- greifenden, globalisierten Kommunikation, für das die abstrahierten Piktogramme stehen. Doch auch unter Stadtbild-Aspekten ist das Projekt interessant wie inspirierend.
Projekt: Johannes Becker und Philipp Nottelmann Ort: Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst, Fakultät Gestaltung, Hildesheim Foto: HAWK

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