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Pigment Goldocker: Schon von den alten Römern geschätzt

Pigment Ocker
Schon von den alten Römern geschätzt

Das Pigment Ocker wurde einst von Frankreich aus nach ganz Europa exportiert. In den Jahren 1900 bis 1930 wurden in einem kleinen Ort in Südfrankreich jährlich bis zu 35.000 Tonnen Gestein verarbeitet.

Andreas Ehrfeld

Roussilion im Süden Frankreichs, genauer gesagt im Departement Vaucluse gelegen, gehört, wie sein Nachbarort Gordes, zu den schönsten Dörfern Frankreichs (Plus beaux villages de France). Alte, dicht aneinander gedrängte Häusern und kleine, verwinkelte Gassen sorgen für Urlaubsstimmung; Diese wird durch die vielen Aussichtspunkte, die den Blick über die Hügel des Plateau de Vaucluse freigeben, noch verstärkt. Im und um den Ort herum finden sich die Ockerfelsen, die mittlerweile nur noch für den Tourismus eine Rolle spielen. Das war nicht immer so: Die kreidezeitlichen, marinen Sandablagerungen wurden bereits von den Römer abgebaut, die mit den gewonnenen Pigmenten Kleidung färbten beziehungsweise Töpferwaren bemalten. Sie nannten den Ort am Fuße des Luberon-Massivs „vicus russulus“, übersetzt „rotes Dorf“. Bis zu 20 Farbtöne wurden einst aus dem Ocker gewonnen.
Goldocker
Berühmt wurde das französische Dörfchen aber nicht, wie es der antike Name impliziert, durch ein rötliches Pigment, sondern durch „Goldocker“. Jenes Pigment, auch als „Barockgelb“ bekannt, prägte unter diesem Namen farblich eine ganze Epoche. Besonders in Bayern, Böhmen, Ungarn und Slowenien war der Gelbton äußerst beliebt. Kaiser Joseph II. verordnete in den 1780er-Jahren sogar, alle Bauwerke des Staates Österreich-Ungarn und des Hauses Habsburg in diesem Ocker anzustreichen. Mit Beginn der Industrialisierung wurden die Pigmente mit Mörtel und Malfarben versetzt. Damals erhielten auch die Häuser in Roussilion ihre bis heute typischen Anstriche. Übrigens, „Goldocker“ ist auch weiterhin gefragt, ist die Farbe des Jahres 2016 (siehe Malerblatt 1/2016).
Später wurde bei der Herstellung von Lebensmitteln und Kosmetik auf die ungiftigen, natürlichen Pigmente gesetzt, bis Anfang des 19. Jahrhunderts galt der idyllisch auf einem Bergrücken gelegene Ort als europäisches Zentrum des Ockerabbaus. Da die natürlichen Pigmente, verstärkt durch künstliche Eisenoxidhydrate, nach und nach verdrängt werden, wurde auch die Bedeutung des Ockerabbaus in Roussilion geringer, sodass sich der Abbau ab dem Jahr 1930 nicht mehr rentierte und etwa um 1950 komplett eingestellt wurde.
Literarisch verewigt
Kleiner Exkurs: Der jüdische Schriftsteller Samuel Beckett versteckte sich zwischen 1942 und 1945 in Roussillion vor der deutschen Wehrmacht. In Südfrankreich arbeitete er als Erntehelfer und Gelegenheitsarbeiter, schrieb nachts an seinem Roman „Watt“. In seinem Stück „Warten auf Godot“ verewigte er das Departement Vaucluse literarisch.
Heutige Verwendung
Zurück zu den Pigmenten: Ocker wird nur noch in geringen Mengen aus der Erde gewonnen, dies erfolgt dann aber auf die gleiche Art und Weise wie schon vor Jahrhunderten. Moderne Maschinen erleichtern den Abbau aber deutlich.

praxisplus
Bis die Pigmente für einen Wandanstrich geeigent sind, muss die Erde gewaschen, gefiltert, getrocknet und gebrannt werden. Anschließend wurde und wird das getrocknete Material in Windmühlen gemahlen. Durch Erhitzen lassen sich gelbe in rote Pigmente umwandeln. Dies wird als gebrannter Ocker bezeichnet. Wird er über Holzfeuer gebrannt, lassen sich unterschiedliche Rottöne gewinnen. Konzentrierte, kleine Pigmentansammlungen, auch „Nest“ genannt, kommen im Künstlerhandwerk zum Einsatz, ansonsten spielen natürliche Pigmente nach wie vor im Restaurierungshandwerk einen bedeutende Rolle.
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