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Jahrgang 2015: Besonders gehaltvoll

Farbe & Inspiration
Jahrgang 2015: Besonders gehaltvoll

Die Gewinner beim Deutschen und Österreichischen Fassadenpreis überzeugen mit inspirierenden und ungewöhnlichen Lösungen.

Es ist schon fast so wie beim Wein, man freut sich immer auf den neuen Jahrgang. Und auch die Preisverleihung auf Gut Havichhorst bei Münster ist eine Art Erntedankfest. Diesmal gab es sogar einen besonders guten Jahrgang. Die 14 Gewinner des 24. Deutschen Fassadenpreises und vier Gewinner des 2. Österreichischen Fassadenpreises zeigen einmal mehr: Gute Gestaltung entsteht aus dem Wesen der Auf-gabe, wächst an der freien, oft spielerischen Wahl der Mittel und entfaltet sich in der Kunstfertigkeit der Umsetzung. Am 9. September wurden die Preis-träger von Brillux mit insgesamt 23.600 Euro Preisgeldern, der höchsten Summe der Fassadenpreis-Geschichte, ausgezeichnet.

Vom wohl renommiertesten Wettbewerb um die vorbildlich gestaltete Gebäudehülle erhoffen sich immer mehr Planer Inspirationen für bauliche Standardsituationen, für ungewöhnliche Unikate und allgemeine Entwicklungen im Fassadendesign. So viel vorweg: Der Jahrgang 2015 erfüllt diese Erwartungen auf hohem Niveau. Die 14 Preisträger in den sechs Objektkategorien des Deutschen Fassadenpreises und die vier Gewinner des Österreichischen Fassadenpreises ließen die 13-köpfige Fachjury unter dem Vorsitz von Prof. Jürgen Braun (Stuttgart) mit ihrem Mut, obligatorische Wege zu verlassen, ebenso aufhorchen wie mit ihrem Gespür für die Feinheiten, die unaufgeregt zu stimmigen Ergebnissen führen. Die Macher der 18 Preisträgerobjekte – Architekten, Farbgestalter, Handwerker und Bauherren – hatten sich im Feld von fast 400 Einreichungen durchgesetzt. Sie feierten ihren Erfolg auf Gut Havichhorst.
Wohn- und Geschäftshäuser
Mit dem 1. Preis in der Kategorie Wohn- und Geschäftshäuser wurde ein Neubau in Mainz ausgezeichnet. Der schlichte Kubus wurde mit reizvoller ansprechender Putzstruktur und einem bisher selten gesehenen grünschwarzen Farbton gestaltet. H. Gies Architekten, Mainz und Baudekoration Reinhardt, Bad Kreuznach, können sich über diese Auszeichnung für ihre Planungs- und Ausführungsarbeit freuen.
An Architekt Ralf Kalläwe und Jörg Geffke Malermeister (beide Hamburg) ging der 2. Preis für ihre aufwertende Umgestaltung eines Hamburger Mehrfamilienhauses. Das Büro Sörensen Architektur und der Malerbetrieb Scholz wurden für ihre kluge Akzentuierung eines achtgeschossigen Laubenganghochhauses mit dem 3. Preis prämiert.
Öffentliche Gebäude
Das neu erbaute Familienzentrum in Rodgau überzeugte die Jury. Mit seinem dezenten Farbkonzept auf lebhaften Putzstrukturen und gekonnt gesetzten starkfarbigen Betonungen hilft es auch den Nutzern bei der Orientierung. Gar nicht „Rodgau-Monotone“, vielmehr „Rodgau-Polychrome“. tm-es architekten (Berlin) und Franco & Sohn Baudekoration (Rodgau) wurden hierfür mit dem1. Preis ausgezeichnet.
Industrie- und Gewerbebauten
In der Kategorie Industrie- und Gewerbebauten gab es in diesem Jahr so viele niveauvolle Einreichungen wie selten zuvor. Gleich zwei Arbeiten hob das Preisgericht auf den 1. Platz. In Erlangen ist eine alte Kaufhoffassade mit Winkelprofilen überformt worden. Die vertikal und horizontal angebrachten feinen Streben wirken wie farbige Fäden, die eine Webstruktur formen. Die neue Fassadenstruktur folgt zwei Leitmotiven: Zum einen wollte man die räumliche Tiefe zwischen dem eigentlichen Baukörper und seiner vorgehängten Fassade sinnlich und haptisch wieder wahrnehmbar inszenieren. So bleibt die rückwärtige Gebäudehülle durch das Geflecht der vorgehängten Lisenenstruktur hindurch verschleiert sichtbar. Horizontale Streifen gliedern die Textur der neuen Vorhangfassade. Zum anderen bewirkt die dreidimensionale Gewebe-struktur aus vertikalen und horizontalen, farblich gefassten Winkelprofilen beeindruckende perspektivische Effekte. Eine sehr elegante Lösung, für die die Architekten a.ml und partner (Nürnberg) und die Firma Stiegler (Schwabach) den1. Preis erhielten.
Völlig anders, doch in Idee und Ausführung ebenbürtig, beurteilte die Jury das explosive Farbfeld, das seit Kurzem einen Block des Müllheizkraftwerks in Ludwigshafen ziert. 74 effektvolle Farbtöne wurden hier virtuos und mit starker Ausdruckskraft ineinander verzahnt. Dieser 1. Preis würdigt den Entwurf der Berufsfachschule Technik 2 (Ludwigshafen), den Mut der Bauherrin, der GML Abfallwirtschaftsgesellschaft und die gekonnte Ausführung durch die Künstlergesellschaft Strauss & Hillegaart (Cottbus). Der Siegerentwurf von Christian Deutsch „Die vier Elemente“ setzt Energieumwandlung der Elemente grandios in Farbkraft um. In Schablonentechnik wurden die unzähligen Nuancen des verschachtelten Farbfeldes als Übergang von aufsteigender Erde zu Luft, Feuer und Wasser zum Himmel zusammengefügt. Die Welt der Farbe breitet sich in phantastischer Weise aus. Leicht grell und jugendlich entlädt sich Farbenergie im Kontrast zum zurückhaltenden Baukörper des Industrieblocks.
Bismark Architekten (Algermissen) und die Firma maltec Johannes Temps (Neustadt) nahmen einen 2. Preis mit nach Hause. Sie hatten das triste Raster einer Porenbetonhalle in Hannover mit einer gelungenen grafischen, farbigen Gestaltung auf sehenswerte Weise belebt. Sie haben dabei mit dem, vom Porenbeton vorgegebenen Raster gespielt und dabei auch bewusst Felder außerhalb dieser Grenzen gesetzt. Als Basis wurde mit neun Grautönen gearbeitet. Zwei Kontrasttöne aus beigegelb und gelbocker setzten spezielle Akzente, die den Betrachter unentwegt beschäftigen, seinen Blick schweifen lassen.
Förderpreis
Mit dem Förderpreis für künstlerische und designbetonte Arbeiten zeichnet der Wettbewerb Gestaltungen aus, die im Außenraum für Aufsehen im eigentlichen Wortsinn sorgen. In 2015 schweift der Blick im Angesicht des einzigen Preisträgers elf Stockwerke hoch: Auf einem Hochhaus in Senftenberg hat die Künstlergesellschaft Strauss & Hillegaart eine abstrahierte Wasserwelle in großen Farbpixeln entwickelt, die den massiven Riegel belebt und eine visuelle Verbindung zum dahinter liegenden See herstellt.
Historische Gebäude und Stilfassaden
In der Kategorie Historische Gebäude und Stilfassaden sprach die Jury den1. Preis einhellig der Arbeit zu, die wolff: architekten (Berlin) und die Malerfirma Maxin (Stralsund) an einem Gebäude in der Stralsunder Altstadt geleistet hatten: Goldocker auf interessanter Putzstruktur wurde hier mit konzeptionell gewählten Akzenten in Weiß und Rot kombiniert. Zurückhaltend und ideenreich entwickeln Fensterrahmen und helle Farbflächen eine aufsteigende Kraft aus den horizontalen Fensterreihen der Fassade in der Kleinschmiedgasse. Der 2. Preis würdigt die gestalterisch klug gelöste Sanierung eines Fertighauses aus den 1950er-Jahren in Düsseldorf. Das Besondere daran: Es ist aus Stahl und nur in kleiner Auflage gefertigt worden. Turck Architekten und der Malerbetrieb S. Wild, beide Düsseldorf, hatten sich an diese seltene Aufgabe gewagt. Weiss Malerwerkstätten (Düsseldorf) und der Bauherr, der Neusser Bauverein, erhielten für ihre Gestaltung einer Gründerzeitfassade in Neuss den 3. Preis.
WDVS-Fassaden
In den letzten Jahren hat die Anzahl gestalterisch hervorragender Lösungen bei Fassadenertüchtigungen mit Wärmedämm-Verbundsystemen erfreulich zugenommen. Dieses Jahr wurden drei Gewinner prämiert, die außenseitige Dämmung auch als wirkungsvolles Gestaltungsmittel begreifen. Vor allem Konzepte zu einer stärkeren plastischen Ausformung der Oberflächen überzeugten hier die Jury.
Den 1. Preis erhält die Gebäudehülle eines streng kubisch geformten Einfamilienhauses in Berlin. Die dabei eingesetzte Kammzugtechnik hat die Firma Die Handwerker für Berlin und Brandenburg mit Sitz in der Hauptstadt handwerklich perfekt ausgeführt. Das geradlinige und schlichte Wohnhaus trägt einen unauffälligen erdfarbenen Ton. Ein vergleichsweise dicker Oberputz wird mit Kämmen horizontal durchzogen, die unterschiedliche Abstände zwischen den Zähnen haben. So entstehen architekturbegleitende Strukturen.
Wie sich die Gliederung einer Fassade mit verschiedenen Dämmplattenstärken und entsprechenden farbigen Akzenten noch feiner herausarbeiten lässt, macht der Gewinner des 2. Preises vor: Für ihre kluge Neugestaltung eines Düsseldorfer Wohn- und Geschäftsgebäudes aus den 1950er-Jahren wurden baumodul architekten und Robert Wingen Stuck + Putz, beide aus Köln, geehrt. Die Jury schreibt dazu, „so bewahrte das Gebäude seinen Charme und wirkt durch die Farbgestaltung feingliedriger.
Die Firma B & R Bau Fassadentechnik und blauraum architekten (beide Hamburg) haben die Außenansicht einer weitläufigen Wohnanlage der Hansestadt charakterstark interpretiert und bekamen den 3. Preis zugesprochen.
Österreich
Zeitgleich lobte die Jury auch den 2. Österreichischen Fassadenpreis aus und verlieh die Preise 1 bis 3 sowie eine Anerkennung. Den ersten Preis erhält hier die Anlage an der Kautzenerstraße 102 in Dobersberg. Unter dem Motto „weniger ist mehr“ ist dieses Projekt umgesetzt worden. Mit zwei harmonisch aufeinander abgestimmten Grautönen wurde dem Gebäude eine gewisse Aussagekraft verliehen. Die dabei dezent betonten Arkadenbögen fügen sich nahtlos und ohne aufdringlich zu wirken in das Fassadenbild ein. Durch die Weiterführung der gleichen Farbgebung an der Gartenmauer gelang es, das gesamte Objekt in die Umgebung einzubinden.

praxisplus
Deutscher und Österreichischer
Fassadenpreis
Wann wird die Farbgestaltung eines Gebäudes zur Architektur? Gibt es regionale Unterschiede bei der Fassadengestaltung? Und welche Fassaden liegen aktuell im Trend?
Der Fassadenpreis prämiert seit nunmehr 24 Jahren herausragende Fassaden in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Zu der Jury zählen Experten des Malerhandwerks, Fachjournalisten und Architekten.
Wer einen Wettbewerbsgewinn beim Deutschen und Österreichischen Fassadenpreis vorzuweisen hat, hebt sich von seinen Mitbewerbern mit einer besonderen Expertise ab: Diese Erfahrung
haben alle Preisträger der vergangenen Jahre gemacht.
Die Chance, zu den Gewinnern zu zählen, kann mit einer Teilnahme an den Wettbewerben 2016 genutzt werden. Dann wird zum 25. Mal der Deutsche Fassadenpreis und zum dritten Mal der Österreichische Fassadenpreis ausgetragen. Fassadengestaltungen des Baujahres 2015 können ab Februar 2016 angemeldet werden.
Die Teilnahmeunterlagen gibt es ab diesem Zeitpunkt bei Brillux. Eine formlose Anforderung per Fax an +49 (0)251 7188-439 oder per E-Mail an info@fassadenpreis.de genügt.
.fassadenpreis.defassadenpreis.at fassadenpreis.ch
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