Nicht ohne Netz

Die Aufzüge der Zukunft sollen dabei unterstützen, Menschen zu vernetzen und mit Smart Service das Warten zum Erlebnis machen.

Autor: Martin Mansel | Fotos: Schindler

Wer erinnert sich noch? Früher waren Treppenhäuser nicht nur Ort-zu-Ort-Transporter, sondern auch immer Orte der Kommunikation. Über drei Etagen rief Frau Müller der Frau Meier den neuesten Nachbarschaftsklatsch zu, ohne Rücksicht auf Verluste und Privatsphäre. Jeder bekam mit, was im Flur passierte. Was geschieht heute, da man nicht mehr auf seine eigenen Füße angewiesen ist um vom ersten in den dritten oder siebzigsten Stock zu gelangen. Man wartet. Und während man wartet, macht man was? Natürlich kommunizieren. Aber nicht mit Frau Meyer aus dem dritten Stock, sondern mit der ganzen Welt. Dabei soll der der Aufzug von Morgen helfen, denn der wird zum Kommunikationsmedium. So sieht es zumindest Schindler, einer der führenden Hersteller von Aufzügen und dazugehörigen Dienstleistungen. Bei neu installierten Anlagen wird es wohl in Zukunft kaum noch eine Fahrtreppe oder eine Aufzuganlage geben, die nicht mit dem Internet verbunden ist. Das dient nicht nur der Verbesserung der Wartung und der Überwachung. In Verbindung mit anderen Gebäudesystemen soll eine Vielzahl von Interaktionen zwischen Mensch und Maschine möglich werden. Smart Service heißt das Zauberwort.

Interaktion vor Aufzügen

Der Aufzughersteller hat sich gemeinsam mit der Hochschule Wismar mit dem Thema Interaktion und Kommunikation vor Aufzügen befasst. Auf der letzten Hannovermesse hat man ein Projekt vorgestellt, das die digitale Wohnungswirtschaft zum Thema hat. Die Aufgaben, die früher das schwarze Brett im Hausflur innehatte, übernimmt heute der Aufzug. Während des Wartens erhalten die Bewohner individuelle Informationen, so zum Beispiel ob die Post schon da war oder wann der Gaszähler abgelesen wird. Mieter sollen so alle relevanten Vorgänge im Gebäude im Blick haben. Per App sollen die Bewohner auch untereinander kommunizieren können.

Erlebnis Warten

Das Warten vor dem Aufzug soll zum Erlebnis werden. Schon heute haben Hotels das Potenzial erkannt und bespielen Bildschirme mit Informationen über die Sehenswürdigkeiten vor Ort oder bewerben Bar- und Restaurantangebote. Das ist erst der Anfang. Die Doorshow als Blickfang an der Aufzugtür bietet einiges an kommerziellem Potenzial für Unterhaltung oder Werbemaßnahmen. Was bleibt ist die Frage, ob wir uns die Zeit der banalen Aufzugmusik irgendwann zurücksehnen werden? Momentan sind gerade einmal zwei Prozent der Aufzüge vernetzt. Der Markt für Smart Buildings soll sich in den nächsten vier Jahren jedoch verdoppeln.

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