Farbe & Inspiration

Schön & schrill

CityLeaks 2011 – junge Künstler brachten beim ersten internationalen Urban Art Festival Farbe nach Köln.

Ulrich Schweizer

Über 40 Künstler aus aller Welt, internationale Größen der Szene wie junge Talente gleichermaßen, schufen während des Festivals „CityLeaks 2011“ in verschiedenen Stadtteilen Kölns großformatige Kunstwerke an öffentlichen Plätzen und Hausfassaden. Ihre Werke werden von der Bevölkerung mit Staunen, Interesse und auch Bewunderung wahrgenommen. Beliebt sind die Werke von Pau Quintanajornet: Die chilenische Künstlerin, die seit zwanzig Jahren in Deutschland lebt, malte ihre Werke mit Farben von Sikkens, da sie die Vielzahl der Farbvarianten für die Darstellung ihrer großäugigen Figuren nutzen wollte. Auch viele andere Künstler nutzten für ihre Werke Farben des Hauptsponsors, der Akzo Nobel Deco GmbH, wie zum Beispiel Captain Borderline.
„Unsere Farben haben ganze Straßenzüge in Istanbul vom grauen Einerlei befreit, sie gaben in Portofino (Ligurien), dem schönsten Hafen Italiens, den Hausfassaden ihre farbenfrohe Einmaligkeit zurück. Und jetzt helfen wir quasi vor unserer Haustür Street Art-Künstlern, dass Kölner Häuser und Stadtviertel sich bunt und farbenfroh präsentieren können. Anders ausgedrückt: Die Faszination der Farben verbindet Menschen, Länder, Kulturen, Künstler und Konservative“, erläutert Thomas Pfützenreuter, Managing Director der Akzo Nobel Deutschland, die Motivation des Sponsors.
Einen Schwerpunkt der CityLeaks bildeten Werke von Künstlern aus verschiedenen Ländern Lateinamerikas, wo Wandmalerei im öffentlichen Raum viel selbstverständlicher ist als in Europa. Dazu zählt unter anderem auch INTI aus Chile, der seit 2008 als Reisender mit seiner Kunst auch außerhalb Südamerikas unterwegs ist. Seine Arbeiten zeigen ikonografische Elemente und Farben, die an die Kunst der Ureinwohner Amerikas erinnern.
Der Festivalname CityLeaks verweist auf die Philosophie des Nicht-Schweigens: Er weist darauf hin, dass Kunst sich nicht zensieren lässt. Aufgrund ihrer Exponiertheit im öffentlichen Raum sind die Kunstwerke jedem zugänglich und damit gleichzeitig angreifbar. „Mit dem CityLeaks Festival 2011 wollen wir die Aufmerksamkeit in der Gesellschaft für die Kunst im öffentlichen Raum stärken, denn sie schafft es, subversiv auf Missstände aufmerksam zu machen. Mit großflächigen Wandgestaltungen wollen wir das Stadtbild verändern und der Bevölkerung visuelle Oasen inmitten des Werbedschungels bieten“, so John Iven von CityLeaks.
Doch nicht nur gesellschaftliche Missstände sind es, die thematisiert wurden. Es geht oft um den Menschen, wie er lebt, lacht und auch leidet. „Ich werde nie sagen, was du hören willst.“ Ein trotzig dreinblickender schwarzer Junge hat das auf seinem Shirt stehen. Der Blick allein sagt schon, dass an der Aussage nicht zu rütteln ist, vollends da sie als Satz auf einem Kleidungsstück keine missverständliche Interpretation des Gesichtsausdrucks des Jungen zulässt. Der Künstler nennt sich L.E.T., das eine Abkürzung des französischen Ausdrucks „Les Enfants Terribles“ (Die schrecklichen Kinder). Seit Anfang der 90er-Jahre ist der Künstler engagiert in der Straßenkunst-Szene. Seine Spezialität sind linkspolitische Schablonenarbeiten der kubanischen Revolution. Seine Arbeiten sind inzwischen in namhaften Ausstellungen in den USA, in Japan und in Europa zu sehen.
Dass die Straßenkünstler nicht für die etablierten Gesellschaftsschichten arbeiten, sondern gerne für die Gebeutelten, für die Verlierer, und dass ihnen teilweise im Wortsinne nichts heilig ist, das zeigt ein Werk, das sich über eine komplette Giebelfassade erstreckt: Aus einem Meer von Geld kommen die Arme einer gierigen Krake, deren Enden mit Symbolen der Macht und des Geldes besetzt sind. Ganz oben findet sich der Papst, der ein schwarzes Kind auspresst. Er ist in Gesellschaft von einem Polizisten, einem Soldaten, einem Richter, einem Anzugträger – und von Adolf Hitler. Die Szene wird durch einen Moderator mit Mikrofon und einem kleinen Eurozeichen im offenen Mund vollends absurd. Das hier beschriebene Werk, so wird inzwischen kolportiert, ist dem Hausbesitzer zu brutal und soll bald wieder überstrichen und somit getilgt werden.
Die Fassaden in Köln, auf denen sich die Künstler „austoben“ und verwirklichen durften, wurden größtenteils von privaten Immobilienbesitzern zur Verfügung gestellt. Und gerade, damit die Graffiti nicht den negativen Beigeschmack der „Schmuddelkunst“ übergestülpt bekommen, tat man sich mit renommierten Partnern wie Sikkens oder Herbol zusammen. Und welche Idee steckt hinter dem Kunst-Event und dem Begriff „CityLeaks“? „Das ist eine Philosophie des Nicht-Schweigens. Wir wollen auch sozialkritische Denkanstöße geben, vor allem aber auf diese Kunstform aufmerksam machen“, so Mit-Organisator John Iven. Die Köln Nachrichten zitierten die Kuratorin Ann-Cathrin Scherer, Kommunikations-Expertin: „Diese Kunstform ist der kreative Fehler im System und er findet als globales Phänomen statt. Immer mehr trauen sich auf die Straße.“ Weiter schreiben die Köln Nachrichten, das Online-Magazin für Köln, dass sich bei CityLeaks 48 Künstlerinnen und Künstler beteiligten: „Wir benötigten für die Durchführung dieser Veranstaltung ein Budget von rund 68.000 Euro.“ Das verriet Barbara Deppner, die Verbindungsfrau zu den Sponsoren. Die Kommunalpolitikerin von Köln-Ehrenfeld, wo die gesamte Aktion stattfand, konnte die RheinEnergie-Stiftung, die sk Stiftung Kultur und als Hauptsponsor den niederländischen Chemiekonzern Akzo Nobel mit seinen Marken Sikkens und Herbol gewinnen. Letztgenannter Sponsor stellte die Farben zur Verfügung und leistete zusätzlich noch einen finanziellen Beitrag.
Wie kam nun die große Aktion „CityLeaks“ in der Öffentlichkeit an? Noch einmal werden die Köln Nachrichten herangezogen: „Auch die härtesten Kritiker von Kunst im öffentlichen Raum beginnen umzudenken und nicht alles zu verteufeln.“ Das ist das Fazit von Barbara Deppner nach Gesprächen mit der Anti-Sprayer-Aktion KASA, einem Zusammenschluss von Polizei, Stadt und dem Haus- und Grundbesitzerverein. In Köln schlug der legale Event „CityLeaks“ in breiten Bevölkerungskreisen positiv ein. Und so gibt es inzwischen sogar Angebote, Hauswände gezielt durch Künstler verzieren zu lassen, weil schöne Motive nur selten von „wilden Sprayern“ angerührt werden.

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Die Veranstalter von CityLeaks, Cologne Urban Art Festival, waren die Kölner Kunstvereine artrmx e.V. und Colorrevolution e.V. Kuratiert wurde das Festival von der Urban Art-Expertin Anne Scherer.
Vom 5. bis zum 25. September 2011 kamen internationale Größen der Urban Art Szene in Köln zusammen.
Der Festivalname „CityLeaks“ verweist auf die Philosophie des Nicht-Schweigens. Das zeigt, dass Kunst sich nicht zensieren lässt. Aufgrund ihrer Exponiertheit im öffentlichen Raum sind die Kunstwerke jedem zugänglich und gleichzeitig angreifbar. „Mit dem CityLeaks Festival 2011 wollen wir die Aufmerksamkeit in der Gesellschaft für die Kunst im öffentlichen Raum stärken, denn sie schafft es subversiv, auf Missstände aufmerksam zu machen. Mit groß- flächigen Wandgestaltungen wollen wir das Stadtbild verändern und der Bevölkerung visuelle Oasen inmitten des Werbedschungels bieten“, so John Iven von CityLeaks.
Die Unternehmen, die das Festival erst möglich machten: Hauptsponsor Akzo Nobel Deutschland mit Sikkens und Herbol, GL Verleih Arbeitsbühnen, MobiLift und Montana-Cans.
Weitere Infos zum Festival unter www.cityleaks-festival.de

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