Farbe & Inspiration

Schwarz wird bunt

Während Farbtrends die Bunttöne beständig verändern, bleibt Schwarz unangetastet. Besser gesagt blieb, denn die Zukunft bringt uns Schwarztöne mit farbiger Nuancierung. Was übrigens auch nicht ganz neu ist.

Armin Scharf

Schwarz, das haben wir gelernt, bildet den Endpunkt des Farbspektrums, absorbiert alles auftreffende Licht und wird als Nichtfarbe eingestuft. Schwarz ist absolut, kompromisslos und rangiert zwischen Protest; Existenzialismus, Würde und Trauer. Kurz: Schwarz ist schwarz und seit vielen Jahrzehnten eine Konstante in den Farbkollektionen vieler Branchen. Aber nicht mehr lange, denn die Trendprognosen sagen eine Ära des farbigen Schwarzes voraus.
Transformation
„Der Longseller wird ersetzt durch Nuancen, die Schwarz als gebrochen dunklen, weichen Buntton interpretieren“, sagt Christoph Häberle, Professor an der Stuttgarter Hochschule der Medien. „Mit der subtilen Zugabe von Buntpigmenten erhält das Schwarz eine narrative Dimension, wird komplexer in der Wahrnehmung und kompromissfreudiger gegenüber anderen Farben.“ Denn mit der Bunt-Zugabe wird der Kontrast weicher, die Kombinationsfähigkeit größer. „Speziell die Kombination schwach bunter, gebrochen dunkler Farbnuancen ermöglicht eine faszinierende, zugleich vornehm-ruhige Buntheit voller Feinsinn.“ Die ersten dieser Schwarztöne tauchen aktuell in Sportkleidungs-Kollektionen auf und dürften sich in den kommenden Jahren weiter am Markt verbreiten.
Das, so Katrin Trautwein von kt.color, sei im Grunde nicht so neu, wie der Blick zurück in die ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts zeige. Damals, so haben ihre umfangreichen Recherchen ergeben, tauchten in den Farbkarten viele unterschiedliche Schwarztöne mit Buntanteil auf.
Rückkehr zur Vielfalt
Während heute in erster Linie Rußpigmente für den Schwarzanteil zuständig sind, standen damals unterschiedlichste Pigmente zur Verfügung, was eine durchaus polychrome Schwarzwelt ergab. Kein geringerer als Le Corbusier bediente sich dieser dunklen Töne: „Die Treppenhäuser der Villa La Roche oder des Maison Blanche sind dunkel“, so Katrin Trautwein im schweizerischen Magazin Hochparterre. „Beim Betrachten der alten Farbkarten bekam ich den Eindruck, dass die verbreitete Angst vor dunklen Farben eine neuzeitliche Erscheinung ist.“
Beinschwarz neu entdeckt
Also machte sich Katrin Trautwein daran, die Schwarzwelt neu zu erkunden. Dafür gewann sie die niederländische Designerin Hella Jongerius, die für ihre Materialexperimente bekannt ist. Das Ergebnis ist ein „schwarzer Regenbogen“ aus16 Farben, die alle auf dem traditionellen Beinschwarz aufbauen, einem Pigment aus verkohlten Knochen.
Verglichen mit Ruß ist Beinschwarz ein teures, weil aufwendig herzustellendes Pigment und daher auch nicht mehr weit verbreitet. Und: Es ist vergleichsweise grob, feinteilige Buntpigmente werden von der entstehenden Struktur verdeckt. Wobei genau diese Struktur erwünscht war, denn sie verleiht den Farbflächen Tiefe, moduliert das einfallende Licht.
Jongerius und Trautwein bauen ihren „schwarzen Regenbogen“ auf Beinschwarz und Champagnerkreide auf, verknüpfen mit sieben unterschiedlichen Pigmentkombinationen aus Umbra natur und Umbra gebrannt, Rubinrot, Magenta, Ultramarinblau, Ultramaringrün sowie Kobaltgrün. Das Ergebnis sind acht Farbpaare in heller und dunkler Variante.
Schwarz trifft Weiß
Auch das Weiß verliert übrigens seine Härte. Vor kurzem noch war das strahlende, blaustichige Polarweiß das Maß der Dinge – künftig wird es weicher, wärmer und charaktervoller. Offwhites oder Cremetöne erobern die Beliebtheitsskala.
Dazu passt exakt die „Weißkultur“, die der Farbrat im vergangenen Jahr präsentierte. Die „Weißkultur“ mit ihren 26 Weißnuancen basiert auf der Idee, regionale Steintöne in Farben zu übertragen. Jeder der 26 Töne stammt aus einer anderen Region Deutschlands, aus dem Norden, Osten oder Süden, stets aus der unmittelbaren Umgebung der Farbräte. Damit steht hinter jedem Weiß eine persönliche Geschichte, eine Identität. „Das ist ein bewusster Gegenpol zur Industrialisierung und Globalisierung der Farbigkeit, wir setzen Charakter gegen Beliebigkeit“, sagt Wolfram Beck vom Farbrat. Interessant ist die Vorgehensweise: Die Steine wurden gemahlen, mit Dolomit-Weißpigment aufgehellt und dann mit Bindemittel versehen – Entwicklungspartner war hier einmal mehr kt.color. Parallel dazu stellte man die so erhaltenen Weißtöne mit gängigen mineralischen Pigmenten nach, was eine praktische Nutzung der „Weißkultur“ möglich macht.
Harte Kontraste
Während die Nichtfarben bunter und weicher werden, zeigt man im Züricher Museum für Gestaltung das traditionelle Spiel von Schwarz und Weiß. Rückblickend sozusagen, kunsthistorisch aufbereitet. Die Ausstellung „Schwarz Weiss – Design der Gegensätze“ erkundet, welche Rolle das Nichtfarben-Duo in der Architektur, der Kunst, Mode und im Design hat. Gezeigt werden zahlreiche Exponate, streng vor weißen, respektive schwarzen Hintergründen. Malewitsch taucht ebenso auf wie Georg Muche, Mario Botta oder Trix und Robert Hausmann. Die Schau ist noch bis zum 4. März zu sehen.

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