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Treppenhäuser des Historismus

Farbe & Inspiration
Treppenhäuser des Historismus

Gebäude aus der Gründerzeit sind beliebt. Wir geben Ihnen Hinweise, was bei der Sanierung historistischer Treppenhäuser zu beachten ist.

Carola Neydenbock

Rückbesinnung auf vergangene Baustile kennzeichnet die Epoche des Historismus. Die Architekten dieser Zeit verwendeten Schmuckformen aus Antike, Romanik, Gotik, Renaissance, Barock und Klassizismus und stellten diese in einen neuen Zusammenhang. Blumendekor und für die damalige Zeit neue Materialien, wie z.B. Gusseisen, prägen die Gestaltungsform.
Grundsätzlich gibt es in Bezug auf Treppenhäuser im Historismus zwei Tendenzen:
  • 1.) Hausflure werden entweder wohnlich gestaltet, da sie als Erweiterung des Privatraumes verstanden werden.
  • 2.) Oder der Hausflur ist öffentlicher Raum. Er übernimmt repräsentative Aufgaben und soll den gesellschaftlichen Stand der Bewohner widerspiegeln.
Historische Farbigkeit
Während der Epoche des Historismus gab es unterschiedliche Farbvorlieben. Diese lassen sich nach Prof. Matthias Gröne von der Hochschule Esslingen in drei Phasen gliedern:
  • Buntfarbige „Dekoration“ von ca. 1830 bis 1860
  • Dunkle Naturfarbigkeit (1860 bis 1890)
  • Eine „historisch zutreffende Farbgebung“ von ca. 1890 bis 1915
Je nachdem wie ein Treppenhaus genutzt wird, ob als Haupttreppenhaus oder als Nebentreppenhaus, werden verschiedene Anforderungen an ihre Sanierung und Restaurierung gestellt. Bei der Planung prüft der Architekt, welche weiteren Aspekte zu beachten sind. Das können Maßnahmen sein, die den Denkmalschutz, den Brandschutz und den Einbruchschutz betreffen. Dazu kommt, dass die Treppenhäuser über die Jahre durch Kriegseinflüsse oder Modernisierungsanforderungen wie Strom- und Heizungsinstallation verändert wurden. Was bleibt? Was darf verändert werden? Klar ist: Die heutigen Nutzungsbedingungen sind nicht mehr die gleichen wie vor 100 Jahren. Neue Anforderungen sollten vorab vom Architekten abgeklärt werden.
Farbbefund
Jörg Held, Maler- und Lackierermeister und Restaurator, ist Geschäftsführer der Firma Steuernagel & Lampert. Er kennt sich aus mit Arbeiten im Rahmen der Baudenkmalpflege. Sein Fokus liegt auf dem Umgang mit historischen Materialien und alten handwerklichen Techniken. Wenn das betreffende Gebäude unter Denkmalschutz steht, stellt der Restaurator fest, welche verschiedenen Farbgestaltungen das Treppenhaus über die Jahrzehnte aufwies. Ermittelt wird das anhand der Farbbefunduntersuchung: „Bei der Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden rate ich immer dazu, eine solche Begutachtung durchzuführen. Auf diese Weise findet man heraus, wie ein Gebäude zu einer bestimmten Zeit ausgesehen hat“, erklärt Jörg Held. Der Befund ist also die Grundlage für die weiterführende Sanierung.
In der Regel gehört zu einer fachgerechten Befunduntersuchung eine Objektbeschreibung, eine Aufgabenstellung, eine Voruntersuchung, ein Ergebnis und ein Fazit. Anhand von Sondierungsschnitten beispielsweise an Treppenstufen, Holzvertäfelung oder Wandflächen, zeigen sich verschiedene Farbtöne, die vermuten lassen, wie das Treppenhaus zu einer bestimmten Zeit aussah. Jede Farbschicht spiegelt den Geist einer Zeit wider. Daher ist umso wichtiger, sich im gemeinsamen Gespräch mit der zuständigen Denkmalbehörde und dem Bauherrn abzustimmen, welcher Farbton wiederhergestellt werden soll. Dann wird anhand der Farbtonkarte die zu gestaltende Farbigkeit ausgewählt.
Putzoberflächen
Ist der gewünschte Farbton gewählt, muss der Maler noch wissen, mit welchem Untergrund er es an den Wänden und der Decke zu tun hat, beziehungsweise ob dieser tragfähig ist. In der Regel besteht der Untergrund in der Zeit des Historismus aus tonigem Kalkputz, Kalk-Gipsputz (mehr Kalkanteil) oder Gips-Kalkputz (mehr Gipsanteil). Zu beachten ist: Die Putze haben andere Eigenschaften als die heutigen Maschinenputze. Moderne Additive führen zu anderen Verarbeitungs- und anderen Trocknungszeiten.
Vorsicht ist geboten beim Arbeiten an historistischen Decken: Die Unterkonstruktion besteht häufig aus Schilfrohrmatten. Diese funktionieren zwar sehr gut als Putzträger, wird aber unbedacht in die Decke geschnitten, kann das die gesamte Putzkonstruktion zerstören. Schließlich sind die Schilfrohre untereinander mit Schnüren oder Draht verbunden. Sind die Verbindungen des Schilfs und damit auch die Spannung zerstört, kann es im schlimmsten Fall passieren, dass die ganze Putzschicht herunterkommt.

praxisplus
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