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Farbe & Inspiration
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Der Eingangsbereich eines Hauses verbindet innen und außen, kann gefällig oder abweisend wirken, ist der erste und letzte Eindruck, den Bewohner oder Gäste mitnehmen. Ein wichtiger Bereich also, der von Farbgestaltung profitieren kann.

Marco Bock, Brillux Farbstudio

Man könnte trefflich ins Philosophieren kommen. Warum gestalten Schweden, Griechen und Iren ihre Eingänge in so faszinierend kräftigen Farben? Warum öffnen sich hinter spanischen Pforten luftige Entrees in warmen Tönen? Und warum sieht es in Deutschland vor und hinter der Haustür so gleichbleibend monoton, wenn nicht gar trist aus?
Anstatt nun ins Grübeln und Klagen zu verfallen, sollte man sich sagen: Was nicht ist, kann ja werden. Und zwar zu einer beständigen Auftrags-chance für das farbige Handwerk. Denn es gibt sie ja bereits, die bewusst entworfenen Hauseingänge, wie auch die kompetenten Gestalter und Handwerker – und natürlich auch die Bauherren. Doch die wissen oft gar nicht um das positive Potenzial, das in Farbkonzepten steckt, wollen also darauf hingewiesen und umfassend beraten sein. Denn, wie bei jedem Farbentwurf gibt es eine Reihe von spezifischen Gestaltungsregeln, aus denen heraus sich das individuelle Konzept entwickeln lässt. In der Kür ist zwar viel erlaubt, das Pflichtprogramm stellt jedoch zunächst klare Anforderungen – so auch bei der Planung von Hauseingängen.
Funktionalität und Umfeld
Pflichtbestandteil Nummer 1 ist die Funktionalität. Dazu gehört, dass sich Besucher, Lieferanten oder Postboten schnell orientieren können. Eine deutlich platzierte und gut sichtbare Hausnummer, eine übersichtliche Anordnung von Klingelknöpfen, Lichtschaltern, Briefkästen und eine gute Beleuchtung gehören in der Grundplanung berücksichtigt. Zudem ist die Frage nach dem Belastungsgrad der Eingangsflächen zu stellen: Der Türbereich von Einfamilienhäusern wird deutlich weniger strapaziert als die Eingänge von Mehrfamilienhäusern, durch die auch Fahrräder und Kinderwagen transportiert werden. Für beanspruchte Flächen wird der Gestalter dann beispielsweise auf Buntsteinputze mit farbigem Akzent setzen.
Pflichtbestandteil Nummer 2: Der geplante Eingang muss mit der Fassade, der Architektur des Hauses und der Region in Beziehung stehen – und zwar in jedem baulichen Detail bis hin zu Vordach, Bodenbelag und Bepflanzung. Regel Nummer 3: Das Gesamtensemble lebt von vielen Details.
Grundsätzlich einladend wirkt ein in nicht zu dunklen Farben, mit breiten Stufen und großer Haustür gestalteter Eingangsbereich. Zugänge aus dunklen Materialien wie schwarzem Granit haben dagegen etwas Abweisendes, sofern sie nicht durch große weite Grünflächen oder andere gefällige Elemente kontrastiert werden. Ein zu heller Bodenbelag, womöglich noch mit glänzend polierter Oberfläche, ist ebenfalls problematisch. Neben der Rutschgefahr vermitteln zu lichte Böden psychologisch Trittunsicherheit. Bevor aber solche Feinheiten in Angriff genommen werden, muss die architektonische Grundkonzeption des Hauseingangs stehen. Zusammen mit dem Bauherren wird der Farbgestalter zunächst eine Grundsatzentscheidung treffen: Soll der Eingang harmonisch und zurückhaltend in das übrige Gebäude integriert werden? Oder soll er sich farblich und gestalterisch deutlich als eigenständiger Raum, als bewusster Kontrapunkt vom Gesamtgebäude abheben? Der Gestaltungsspielraum ist natürlich bei Neubauten und umfassenden Modernisierungen am größten, wenn auch Bauelemente wie Türen ersetzt werden können. Will der Bauherr an Vorhandenem festhalten, bietet Farbe ebenfalls viele Chancen, ein neues positives Erscheinungsbild zu erzeugen.
Den „roten Faden“ festlegen
Bei jeder Konzeption gilt es, die optisch führenden Elemente für den Farbentwurf festzulegen. Wird die Tür – vielleicht eine historische – zum Hauptgestaltungselement? Oder eignet sich die Putzfläche im direkten Türbereich als optischer Schwerpunkt? Wäre es sinnvoll, die Fassade um den Eingang vertikal bis zur Dachfläche zu betonen? Bietet es sich an, eine Farbfläche horizontal weit über die Eingangsbreite zu ziehen, was die Eingangssituation von weitem sichtbar macht und den Raum um die Haustür optisch öffnet? Ist Understatement gefragt, das sich in Form dezenter farbiger Akzente auf Laibungen, Briefkästen und Türen verwirklichen lässt?
In dieser Phase ist es wichtig, den roten Faden für den Farbentwurf zu finden und konsequent zu verfolgen. Dabei gilt: Mit wenig lässt sich viel erreichen. Überrascht sind Bauherren beispielsweise, um wie viel origineller ihre weiße Haustür wirkt, wenn sie eine neue Umgebung bekommt. Setzt man die Fassade im Eingangsbereich oder die Eingangsachse farblich und strukturell ab, ergibt sich ein völlig neues Bild. Grafische Farbgestaltungen und farbige Putze in unterschiedlichen Strukturen sind nur ein Teil der verfügbaren Gestaltungsmittel. Oberflächenmaterialien wie Klinker-, Naturstein- oder andere Flachverblender lassen sich ebenfalls in den Entwurf einbeziehen.
Außen: Farbenkanon
Natürlich gelten die Gesetzmäßigkeiten der Farbenlehre auch im Eingangsbereich – nur ist das Ergebnis der Komposition an dieser Stelle besonders wirkungsvoll.
Die gewählten Farbklänge entscheiden darüber, ob dem Besucher ein froh gestimmtes „Willkommen“, ein kraftvolles „Guten Tag“ oder nur ein müdes „Hallo“ entgegentönt. Doch Vorsicht bei farbigen Paukenschlägen: Intensive reine Farben sollten nur kleinflächige Akzente bilden, große Flächen hingegen mit Farben aus dem abgetönten hellen Spektrum gestaltet werden.
Bei der Farbaussage kann man sich auf Gewohntes verlassen: Warm und aktivierend wirken die Nuancen aus der gesamten Rot-, Orange- und Gelbfamilie – gerade in unseren Breitengraden. Das kühle Grün-, Blau- und Violettspektrum ist derzeit in der Eingangs- und Fassadengestaltung noch selten anzutreffen. Trendsetter und Bauherren, die nach dem Ungewöhnlichen suchen, begeistern sich jedoch zunehmend für diese einnehmend frischen Farben. In Verbindung mit Weiß entfalten Sie eine außergewöhnliche Wirkung – besonders, wenn solch ein Eingangsbereich auf der Südseite liegt und ganztägig belichtet wird. Sehr offen und belebend – vor allem auch bei baulich zu klein geratenen Türöffnungen – wirken in Streifen gesetzte Farbflächen aus unterschiedlichen Tönen. Dabei ergeben Kombinationen monochromer Farben oder die Verbindung eines bunten Farbtons mit Weiß und edlem Grau eine zeitlos klassische Aussage.
Wird ein hoher Widererkennungseffekt, eine spannungsreiche Gestaltung oder eine besonders repräsentative Wirkung vom Bauherrn gewünscht, sind kräftigere Töne erlaubt. Wichtig ist, dass starke Nuancen durch entsprechend zurückhaltende Gegengewichte aufgefangen werden, damit sie den Betrachter nicht visuell überfordern. Harmonisch, ruhig und doch einladend wirkt das Zusammenspiel zweier oder dreier, auf dem Farbkreis nebeneinander liegenden Tönen.
Gleichwertige komplementäre Farben oder Schwarz findet man bei einem gelungenen Eingangsbereich dagegen kaum. Aus gutem Grund: Die Dramatik dieser Kombination wirkt auf die Mehrheit der Menschen schlicht abschreckend.
Wer bewusst nach leisen Tönen sucht, hat übrigens mehr Möglichkeiten als schlichtes Weiß. Gedämpfte Blau- und Beigetöne signalisieren die nötige Zurückhaltung.
Innen: Tonfolge fortsetzen
Der Eingangsbereich beginnt vor der Haustür und setzt sich in das Treppenhaus oder den Windfang fort. Daher bietet es sich an, auch diesen Bereich in die Gestaltung einzubeziehen und so die Verbindung zwischen außen und innen zu schaffen. Die Farbtonreihen der Fassadengestaltung können hier aufgenommen und variiert werden. Besonders reizvoll ist dieser Ansatz, wenn der Raum durch eine Glasfront auch von außen sichtbar ist. Kleine oder drückend wirkende Eingangszonen sollten dabei optisch erweitert werden, um den freundlichen Eindruck fortzusetzen. Vertikale Streifen machen Räume höher, ein zu schmaler Raum wirkt weiter, wenn die kürzeren Wände einen dunkleren Farbton erhalten als die langen.

kompakt
Eingangsbereiche durch Farbgestaltung aufwerten – das ist nicht nur eine Chance für Bauherren, sondern auch für gestaltende Betriebe. Das hier noch brachliegende große Potenzial kann im wahrsten Sinne ein Türöffner für weitere Aufträge sein. Besondere Chancen bieten sich für Kooperationen aus Malerbetrieben, Stuckateuren, Schreinern, Steinmetzen, Elektrikern und Farbgestaltern, die Komplettleistungen anbieten.
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