Edel und elegant downshiften

Das Wohnbewusstsein hat sich geschärft. Somit wurden gute Geschäfte als Startschuss für ein erfolgreiches Möbeljahr gewertet. Gewachstes Naturleder, geöltes Holz, raffinierte Haptiken und sinnliche Stoffe erwarteten den Besucher auf der imm cologne 2014.

Andrea Grunau

Aber was ist eigentlich down- shiften? Wir haben doch bisher ordentlich gechilled? Ganz einfach: Die Möbler setzten der Entspannungszone ein i-Tüpfelchen auf und nannten sie Komfortzone. Edler und eleganter als bisher kam sie daher, in einem Mix verschiedener Stilrichtungen und Farben. Besonders gefragt war der Stil der 60er-Jahre mit seinen aus Kupfer und Messing hergestellten dekorierenden Einrichtungsgegenständen, nebst kleinen Clubmöbeln und zierlichen Schreibtischen. Dazu gaben Accessoires in Schwarz, Silber oder dezenten Pastelltönen den passenden Rahmen in Kombination mit opulenten Tapeten und sinnlichen Wandfarben. Jeder kennt das Bedürfnis in dieser online-geprägten Welt, nach Feierabend endlich herunterzukommen. Die eigenen vier Wände betreten, abzuschalten und auszuruhen. Für die individuelle Einrichtung des Zuhauses steht nun ein Entspannungs-Cocktail bereit, den der Verbraucher nur noch zusammenmixen muss.
„Kein leichtes Unterfangen“, so Dick Spierenburg, Creativ-Director der imm cologne, der im letzten Jahr das „Pure Village“ als Plattform für visionäre Möbel-und Einrichtungskonzepte an den Start brachte. „Was wäre eine Messe, wenn die Aussteller nicht mit ihren Inszenierungen beispielgebend sind. Zusätzlich sorgt die imm cologne seit drei Jahren mit der Einladung eines Ehrengastes für die Umsetzung einer zukunftsträchtigen Wohnvision für ihre Besucher.“
„Das Haus“ wurde in diesem Jahr von der dänisch-britischen Designerin Louise Campbell in Szene gesetzt und wirkt wie Poesie. Ein entschleunigtes Haus voller handgemachter Dinge thematisiert den gesellschaftlichen Wandel. Möbel verschiedenster Designer wie Jasper Morrison und Stoffe von Quadrat und Kinnasand prägen die Einrichtung. „In meinem Haus soll sich jeder sofort wohlfühlen und die eigene Entspannungszone finden,“ so Campbell, „mein Favorit bleibt immer das Bett.“ Niedersinken auf ein 20 Meter breites Bett, kommunizieren und werkeln an einem ebenso langen Tisch von Muuto, eine Spielzone für Kinder und baden in einem sinnlichen Ambiente, das alles wurde in harmonischen Dimensionen nebeneinander arrangiert. Highlight für beide Geschlechter war die bis ins kleinste Detail geordnete und doch verspielte Küchenzone. 573 Werkzeuge hat Louise Campbell zur griffbereiten Verwendung auf einer Werkzeugwand aus dem Baumarkt sortiert, darunter Geschirr und Kochutensilien. So werden handwerkliche und häusliche Pflichten zu angenehmen Begleitern und die Zubereitung der Nahrung sowieso zu einem Genuss.
Kaum zu glauben, die Farbe Rosa wird erwachsen und ist voll im Trend, auch, weil entspannungsfördernd. Die wohldosierten lichten und rosigen Nuancen bis hin zu dunklerem Pink und Brombeere lassen sich besonders gut mit Grau und helleren Holztönen kombinieren. Daneben waren alle orientalischen Gewürzfarben vertreten wie Senf, Curry, Zimt und gedeckte Grün- und Blautöne in Mattlack, die die hochglänzenden Farblacke ablösten. Für die nun fehlenden glänzenden Akzente sorgten dezent eingesetzte Metalle. Und ganz besonders das Kupfer feierte sein Comeback. Da es weniger kühl als andere Metalle wirkt, wurde es vielfach eingesetzt: bei Tischen, Sitzmöbeln, Leuchten und nach Kupfer changierenden Stoffen. Die Nachfrage ist da: Der Komfortzone fehlte nur noch die in Kupfer gestrichene Wandfläche.