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Rostumwandler für Reparaturarbeiten auf Metalloberflächen

Rostumwandler
Beschichtung auf Rost?

Für kleinere Reparaturarbeiten auf Metalloberflächen werden Rostumwandler angeboten. Wie funktionieren diese und welche Ergebnisse lassen sich erreichen?

Autor: Klaus Langguth

Der Massenwerkstoff „unlegierter Stahl“ oxidiert bei Kontakt mit Feuchtigkeit und Luft und bildet poröse Eisenoxide, umgangssprachlich als Rost bezeichnet. Diese Korrosionsschichten besitzen keine Schutzschicht-eigenschaften, wie sie bei der Oxidation von Aluminium, Titan, Edelstahl entstehen. Deshalb geht der Oxidationsvorgang bei atmosphärischer Belastung immer weiter. Um ihn zu stoppen, werden Verzinkungen oder Korrosionsschutzbeschichtungen aufgebracht. Verbindliche Vorgaben dazu enthält die DIN EN ISO 12944, „Beschichtungsstoffe- Korrosionsschutz von Stahlbauten“, Teile 1–9 (Ausgaben 2018). Diese DIN fordert vor der Neubeschichtung die vollständige Entfernung von Rost.

Grundsätzliches

Doch neben den industriellen und großtechnischen Anwendungen werden in kleinteiligeren Bereichen Reparaturarbeiten durchgeführt, die nur zur Wiederherstellung des dekorativen Ausgangszustandes von Objekten führen. Hier kann in manchen Fällen keine gründliche Rostentfernung durchgeführt werden, und manchmal ist sie auch nicht gewollt. Für diesen Bereich bietet der Handel eine Vielzahl von Produkten an, die als Rostumwandler, Roststopper, Rostkiller etc. bekannt sind.

Rostumwandler sind flüssige oder gelartige Produkte, die mit Pinsel oder als Spray und, bei sehr kleinen Flächen, mit einem Spezialstift aufgebracht werden. Vor der Applikation sollte der Untergrund öl- und fettfrei sein. Noch vorhandener Restrost und lose haftende Altanstriche sind so weit wie möglich zu entfernen. Der Untergrund muss für die meisten Produkte trocken sein. Es gibt aber auch restfeuchtetolerante Rostumwandler oder Grundierungen.

Allgemein gilt: Je sauberer und restrostärmer der Untergrund, umso länger ist die zu erwartende Haltbarkeit. Abhängig von der Vorbereitung erreichen diese Produkte Haltbarkeiten von zwei bis sechs Jahren bis zur Wiederholung der Arbeiten.

Phosphorsäurehaltige Produkte

Die enthaltende Säure wandelt den Restrost in unlösliche, festhaftende Eisenphosphate um. Günstig ist es, die Phosphorsäure (H3PO4) in einer Grundanstrichvariante einzusetzen, die nach der Trocknung mit Deckanstrichen ergänzt wird. Vorteile, die im Prinzip auch für andere Säuren wie Zitronensäure, Oxalsäure gelten, sind die schnelle Trocknung und Komplettierung des Schutzsystems.

Allerdings gilt es, bei der Verarbeitung einiges zu beachten: Beim Umgang mit einem säurehaltigen Produkt müssen Schutzbrille und Schutzkleidung (Handschuhe, Schürze) getragen werden. Verbindungsbereiche des zu schützenden Objekts, z. B. Aluminium, verzinkter Stahl, Beton, sind aufwendig abzudecken. Es können bei einer nicht äquivalenten H3PO4-Menge unter der Grundierung nicht umgewandelter Restrost oder nicht umgesetzte Phosphorsäure verbleiben, was besonders im Außeneinsatz zu verkürzten Haltbarkeiten führen kann. Empfehlung: Neuanwender sollten diese Produkte nur mit Vorbehalt anwenden oder zuständige Profis konsultieren.

Tanninhaltige Rostumwandler

Diese gerbsäurehaltigen Produkte sind wässrige Dispersionen, die mit Pinsel oder auch als Spray aufgebracht werden. Das Tannin bindet den Restrost unter Bildung einer tiefblauen bis schwarzen organischen Eisen-Tannat-Schicht, die gut haftet. Nach ausreichender Trocknung (mehrere Stunden in Abhängigkeit von den Umgebungsbedingungen) komplettiert ein geeigneter Deckanstrich die Maßnahmen. Die Produkte eignen sich durch ihre relativ ungefährliche Verarbeitung auch für Anfänger. Fehlbereiche können ohne Umgebungsgefährdung mit Wasser abgespült werden. Ein Nachteil entsteht durch die längeren Trocknungszeiten, bevor Deckanstriche appliziert werden können.

Spezialgrundierungen

Neben diesen Produkten gibt es noch Spezialgrundierungen, die mit penetrierenden Zusätzen ausgerüstet sind und die Fähigkeit besitzen, den verbliebenen Restrost zu umhüllen. Sie binden den Restrost in den Grundanstrich ein, ohne die Haftung und die Überstrichbarkeit nachhaltig einzuschränken. Diese Produkte werden allerdings insbesondere im Oldtimer-Bereich angewandt.

Fazit

Rostumwandler sind grundsätzlich nur für Objekte aus unlegiertem Stahl geeignet. Zur Kontrolle und Auswertung empfiehlt sich immer eine Dokumentation in Wort und Bild über die durchgeführte Maßnahme.

Rostumwandler können bei Beachtung der aufgezeigten Einschränkungen und spezifischen Anwendungsvorschriften der Hersteller durchaus einen sinnvollen Einsatz auch bei Profis finden. Voraussetzung ist immer eine möglichst gründliche Reinigung der Oberflächen und die Beseitigung lose haftender Rost- und Altbeschichtungen. Zu beachten ist, dass die Haltbarkeitserwartungen wesentlich niedriger sind, als bei klassischen Korrosionsschutzmaßnahmen gemäß DIN EN ISO 12944.

Dass Rostumwandler durchaus eine aktuelle Relevanz besitzen, beweist auch ein öffentlich gefördertes Forschungsprojekt am Institut für Korrosionsschutz e.V. (IfK) Dresden, das gerade angelaufen ist. Bei diesem Projekt werden die handelsüblichen Rostumwandler und vergleichbare Produkte in einem geeigneten Anwendungsfall in kurzzeitige Intensivtests und praktische Langzeitprüfungen an Prüfobjekten einbezogen und getestet.

Produktbeispiele auf:
www.malerblatt.de


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