Bunte Industriekultur

Warum werden so selten Kunst und Industriebauten verbunden? Das fragte man sich bei der Covestro Deutschland AG, einem Hersteller hochwertiger Polymerwerkstoffe. Zum 100. Jubiläum des Standorts Dormagen ließ Covestro vom Wuppertaler Künstler Martin Heuwold ein Hochregallager in ein gigantisches Kunstwerk verwandeln.

Autor: Saki M. Moysidis I Fotos: Covestro

Stolze 69 Meter lang, 35 Meter hoch und 23 Meter breit ist die Fassade, die sich farbenfroh von dem übrigen Industriegrau abhebt. Für deren Beschichtung wählte Covestro eine pigmentierte Beschichtung, die auch als vorbeugender Betonschutz für freibewitterte Außenflächen dient. Die gewählte Beschichtung ist mit der sogenannten „Easy-to-Clean-Technologie“ ausgestattet. Diese sorgt für eine besonders geringe Schmutzannahme und trägt dazu bei, die bunte Farbgestaltung des Hochregallagers nachhaltig sicherzustellen. Zudem zeichnet sich die Beschichtung durch eine hohe Nassabriebbeständigkeit sowie eine gute Reinigungsfähigkeit aus. Sie kann im Sprüh- und Spritzbereich von Auftausalzen verwendet und dabei sowohl manuell mit Kurzflorwalzen als auch im Airless-Spritzverfahren aufgebracht werden.

Doch nicht nur diese Argumente machten die Beschichtung für Covestro interessant, die Materialentscheidung hatte noch einen weiteren Grund: Einige Rohstoffe in der Beschichtung stammen von Covestro selbst. Artwork-Projektleiterin Anja Waidele zeigt sich zufrieden: „Dieses farbenfrohe Industriekunstwerk erhöht den Bekanntheitsgrad von Covestro und ist gleichzeitig eine hervorragende Werbung für die Qualität unserer Produkte.“ Ein buntes Bauklotz-Motiv mit Rechtecken, Kreisen, Brücken, Halbkreisen und Dreiecken leuchtet von weither sichtbar in den sechs Unternehmensfarben. Ein bedeutungsvolles Geschenk anlässlich des 100. Geburtstages des Chemparks in Dormagen.

Kunst trifft Industrie

Es ist nicht das erste Mal, dass Covestro Grenzen zwischen Industrie und Kunst verschiebt. Die außergewöhnliche Kreativität des Unternehmens zeigte sich erstmals 2015, als es von Martin Heuwold eine mobile „Graffiti-Wand“ gestalten ließ. Sie befindet sich als 25 Meter breites und rund drei Meter hohes Graffiti-Kunstwerk mit dem künstlerisch interpretierten Unternehmensschriftzug auf Tour durch die verschiedenen Standorte des Unternehmens. 2016 beauftragte Covestro den Künstler, um den 132 Meter hohen Schornstein des Industrieparks in Brunsbüttel mit bunten Puzzleteilen zu gestalten. „Als noch junges Unternehmen besitzt Covestro viel Dynamik und Agilität“, betont Anja Waidele. „Und das bringen wir mit den Industriekunstwerken zum Ausdruck. In einer eher farblosen Chemiebranche präsentieren wir uns bunt, vielfältig und einfach anders.“

Ein Kunstwerk entsteht

Aber zurück nach Dormagen: „Das Bauklotz-Motiv hat sich fast von selbst ergeben. Als buntes, mutiges Motiv, das neugierig auf uns machen soll, repräsentiert es nicht nur unsere Unternehmenswerte, sondern spiegelt auch perfekt die Themen Lagerhaltung und Logistik am Standort Dormagen wider“, sagt Dr. Klaus Jaeger, Standortleiter der Niederrhein-Werke von Covestro über die Gestaltung des Hochregallagers. Für Martin Heuwold war die Gestaltung des Hochregallagers ein wahrer Glücksgriff: Ihm und seiner Kunst stand damit ein besonderes Objekt zur Verfügung. Der gewaltige Malgrund von 4.500 Quadratmetern entspricht immerhin der Größe von rund 23 Tennisplätzen. Diese Fläche musste jedoch zu Beginn von jeglicher Altbeschichtung gesäubert werden. Nachdem die Fachverarbeiter die Oberfläche in einem ersten Schritt mittels Hochdruckwasserstrahlern bearbeitet hatten, trugen sie im Anschluss eine Poren- und Lunkerspachtelung mit einem Feinmörtel auf, um für einen optimalen Untergrund zu sorgen. Danach behandelten sie die egalisierte Oberfläche mit einem transparenten Epoxidharz. Dieses dient unter anderem als Haftvermittler zwischen zementgebundenen Substraten und Oberflächenschutzsystemen sowie als Grundierung für nachfolgende Reaktionsharzversiegelungen. Mit dem Abschluss dieser Vorarbeiten konnte das Projekt nun in die kreative Umsetzung gehen. Dazu zeichneten Heuwold und sein Team an der Lagerfassade nach einem genauen Plan 328 Bauklotz-Motive an, die später nach Anleitung durch den Künstler in den sechs verschiedenen Unternehmensfarben ausgemalt werden sollten. Hinzu kamen zwölf Schattierungen, um realistische 3-D-Effekte zu erzielen.

Farbe kommt ins Spiel

Beim Ausfüllen der vorgegebenen Konturen spielte eine zweikomponentige, wässrige Polyurethan-Polymer-Kombination eine tragende Rolle. Diese ist UV- und witterungsbeständig und somit besonders farbstabil. Zudem bietet die hochwertige Beschichtung mit integrierter Easy-to-clean-Technologie nicht nur dauerhaften Schutz gegenüber Farbverunstaltungen, sondern schützt dank ihrer karbonatisierungsbremsenden Wirkung auch den Beton. Durch die Pigmentierung der Beschichtung sind zahlreiche Farbkombinationen möglich.

In Dormagen war das eine der Voraussetzungen für das Gelingen des Gesamtwerkes. Denn für den eindrucksvollen Tiefeneffekt der einzelnen Bauklötze sorgten zweierlei Schattierungen der jeweils sechs Hauptfarben. Alle notwendigen Farbtöne legte Dr. Dörte Bartel, Leiterin des Farblabors der MC Bauchemie, von der die Beschichtung für das Hochregallager stammt, zusammen mit Fachberater Frank Schöntaube und dem Künstler im MC-Labor in Bottrop individuell fest. Dabei produzierte das Unternehmen die insgesamt 18 Farbvarianten so exakt, dass der Künstler bei der Gestaltung keinerlei Kompromisse eingehen musste. Nach den genauen Anweisungen Heuwolds konnten nun durch die Bottroper KST-Kunststofftechnik die Farbflächen ausgefüllt werden. Dabei verarbeiteten die Mitarbeiter des ausführenden Betriebs insgesamt 1.800 Kilogramm der Beschichtung.

Nachhaltiger Erfolg

Horst Mews, Betriebsingenieur bei Covestro, führte das Kunstprojekt als Technischer Leiter. Er ist normalerweise als Maintenance Engineer IT verantwortlich für den Betrieb, die laufende Instandhaltung und die Abwicklung von Logistikprojekten im Unternehmen. So war das Entstehen des Kunstwerkes auch für ihn etwas ganz Besonderes: „Wir alle konnten Tag für Tag miterleben, wie das Covestro Artwork fertiggestellt wurde. Jetzt schweißt das tolle Ergebnis unsere aufeinander eingespielten Teams noch mehr zusammen.“

Standortleiter Dr. Klaus Jaeger ist ebenfalls begeistert: „Das Kunstwerk ist ein perfekter Markenbotschafter, weil die Visualisierung unserer Unternehmenswerte hier wunderbar gelungen ist. Wir sind neugierig, mutig und bunt. Jetzt haben wir auch in Dormagen ein weithin sichtbares Wahrzeichen, auf das wir stolz sein können.“Frank Schöntaube ist angetan von der hervorragenden Zusammenarbeit aller Beteiligten: „Angefangen bei der Projektleitung von Covestro über die MC-Bauchemie, dem verarbeitenden Unternehmen KST bis hin zum Künstlerteam haben alle perfekt zusammengearbeitet, um dieses sehenswerte Kunstwerk zu erschaffen.“

Weitere Projekte geplant

Das Konzept „Covestro Artwork“ geht erfolgreich auf und weitere Projekte sind schon in Planung: In Shanghai ist die Gestaltung zweier Gebäudekomplexe in Arbeit. Und auch in der Schweiz wird sich Covestro in der eher farblosen Industriewelt schon bald neugierig, mutig und vor allem bunt präsentieren.

Weitere Informationen:
www.covestro.de


PraxisPlus

Bei der Sanierung des Covestro-Hochregallagers in Dormagen kamen folgende Produkte der MC Bauchemie zum Einsatz:

  • MC-Color Flair vision (wässrige, pigmentierte 2K-Beschichtung)
  • Nafufill KM 110 (Feinmörtel)
  • MC-DUR 1177 WV-A
    (transparentes Epoxidharz)

Weitere Informationen zu den Produkten:

www.mc-bauchemie.de