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Dekorative Spachteltechniken

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Dekorative Spachteltechniken

Hochwertige, dekorative Oberflächen sind häufig das Aushängeschild eines Malerbetriebes. Insbesondere bei aufwendigen Spachteltechniken kann der Maler sich künstlerisch verwirklichen und individuelle Werke erschaffen, die seine Kunden begeistern. Ganz ohne Zweifel kommt es bei diesen dekorativen Spachteltechniken neben dem handwerklichen Geschick des Malers auch auf ein optimal abgestimmtes System der eingesetzten Materialien und deren Verarbeitung an.

Jürgen Stoll, Festool

Als Spachteltechnik bezeichnet man im Grunde genommen jede Technik, bei der eine Spachtel oder eine Spachtelkelle zum Materialauftrag benutzt wird. Häufig wird diese Technik zum Glätten des Untergrunds wie beispielsweise im Trockenbau angewandt. Von hochwertigen, dekorativen Spachteltechniken spricht man im Allgemeinen dann, wenn die mit der Spachtel aufgetragenen Materialien am Ende sichtbar sind und mit einem geeigneten Finish vollends zur Geltung kommen.
Untergrundvorbereitung
Im Folgenden wird anhand eines Praxisbeispiels erläutert, wie eine Spachteltechnik auf Kalkbasis mit Wachsüberzug zu erstellen ist und welche Kniffe den Maler dabei für ein gutes Gelingen unterstützen können. Für diese Arbeiten wurde die Spachteltechnik „Stucco Veneziano“ von Jäger mit Goldwachsüberzug verwendet. Die Basis für jede gelungene, dekorative Spachteltechnik bildet natürlich eine penibel ausgeführte Untergrundvorbereitung. Nur, wenn der Untergrund absolut frei von Rissen und plan ist, lassen sich die nachfolgenden Arbeiten so ausführen, dass das Endergebnis den hohen Erwartungen des Kunden gerecht wird. Um dies zu gewährleisten, ist es sinnvoll, in den Untergrund ein Armierungsvlies – auch bekannt als „Malervlies“ – einzuarbeiten. Die Oberflächengüte in der Qualitätsstufe 4 wird am besten mit einem Spritzspachtel oder bei kleineren Wandflächen mit einem sogenannten Rollspachtel erstellt. Alle namhaften Hersteller von Spachtelmaterialien bieten verschiedene Möglichkeiten, um Oberflächen in Q4-Qualität zu erzeugen. Für den letzten Schliff in der Untergrundvorbereitung sorgt am besten ein sogenannter Langhalsschleifer, mit dem sich alle eventuell noch vorhandenen Unebenheiten oder Überstände vollflächig glatt schleifen lassen. Bei weichen Spachtelmaterialien ist aufgrund des hohen Staubaufkommens auf eine effiziente Staubabsaugung beim Schleifen zu achten. Der Festool Planex LHS bietet für diese Aufgaben eine Besonderheit, da er über eine individuell zuschaltbare Außenabsaugung verfügt und somit ein nahezu staubfreies Arbeiten gewährleistet. Neben dem Langhalsschleifgerät und dem entsprechenden Absaugmobil mit zuverlässiger Abreinigung des Hauptfilters, kommt dem Schleifmittel ebenso eine entscheidende Rolle zu. Da die Q4-Qualitätsstufe eine sehr feine und glatte Oberfläche erfordert, empfiehlt Festool hier das Granat-Schleifmittel in den Körnungen P220–320. Es bewährt sich durch seine hohe Oberflächenqualität und seine langandauernde Standzeit.
Gewusst wie
Nachdem der Untergrund angemessen vorbereitet ist, beginnt man mit dem Einmessen und Abkleben der gewünschten Spachtelfläche. An dieser Stelle ist ein möglichst hochwertiges Klebeband ratsam, um anschließend Rückstände auf der Oberfläche und die damit verbundenen, nachträglichen Ausbesserungsarbeiten auszuschließen. Ein häufig unterschätzter Arbeitsgang ist die Grundierung der Fläche. Um ein Ablösen des Spachtelmaterials zu vermeiden, empfiehlt es sich, einen Mineralgrund mit einer Walze aufzutragen. Das gewährleistet eine andauernde Haftung des Kalk-Spachtelmaterials mit dem Untergrund.
Anschließend folgt die eigentliche Arbeit der Spachteltechnik. Dazu wird in zwei Arbeitsgängen ein feiner „Fondo“- Spachtel aufgetragen und mit einem Flächenspachtel abgezogen. Die Verwendung eines Flächenspachtels ist dabei sinnvoll, da sich nur so die gesamte Fläche absolut plan abziehen und aufwendige Schleifarbeiten auf ein Minimum reduzieren lassen. Zum Schleifen eignet sich ein Exzenterschleifgerät mit dem verwischenden Schliff – wie beispielsweise der ETS 150/3. Der 3-Millimeter Schleifhub in Verbindung mit dem Schleifmittel Granat P320 ermöglicht ein optimales Schleifbild – insbesondere wenn das Schleifgerät mit nur leichtem Druck geführt wird. Geübte Anwender können alternativ dazu auch den Langhalsschleifer verwenden.
Im Anschluss daran werden in Fleckspachtelung die ersten Flecken mit dem Kalkspachtel gesetzt. Dieser und die folgenden Arbeitsgänge sollten immer nur von einem Verarbeiter durchgängig vollzogen werden, da jeder Handwerker unterschiedlich spachtelt und seine individuelle Handschrift auf der Wand hinterlässt. Im zweiten Arbeitsgang wird die restliche Fläche geschlossen und es entsteht eine vollflächig gefleckte Oberfläche. Im dritten Gang der Fleckspachtelung wird die gesamte Fläche nochmals fleckig überarbeitet.
Wachsauftrag
Um abschließend eine Topqualität der Fläche zu erhalten, ist diese für den Auftrag des Goldwachses vorzubereiten. Dazu wird erneut mit dem Exzenterschleifer ETS 150/3 und einem feinen Schleifmittel Platin2 mit Körnung P2000 – bei verringerter Drehzahl – die gesamte Fläche überschliffen. Zur Veredelung des Materials „Stucco Veneziano“ empfiehlt es sich, das Goldwachs (Kronen Exquisit Finish Echtgold) mit einer sogenannten „Veneziano Spachtel“ in einem Arbeitsgang dünnschichtig und fleckig aufzutragen – bis die Fläche vollständig geschlossen ist. Auf Wunsch kann abschließend mit dem farblosen Kronen Wachs-Finish ein Schutzüberzug in ein bis zwei Lagen in dünnschichtiger Spachtelung aufgetragen werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass beim Einsatz von Wachs die Fläche vor dem Auftragen nicht poliert werden sollte. Zu guter Letzt kommt das Polieren der Fläche, bei dem der Getriebe-Exzenterschleifer Rotex 150 für den finalen Glanz sorgt. Die gewachste Fläche wird im Getriebemodus – mit einem Lammfell bestückt – zuerst mit niedriger Drehzahl und anschließend mit gesteigerter Geschwindigkeit poliert. Zum Schluss gilt es dann nur noch die Klebebänder abzuziehen und die Randflächen sauber abzufassen – bevor das Kunstwerk dem neuen Besitzer präsentiert wird.

praxisplus

Weitere Informationen zu den im Text genannten Produkten erhalten Sie direkt bei:
Festool Group GmbH & Co. KG
Schulungsreferent Tim Schadt
Tel.: (07024) 804-20720
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