Gebäudehülle & Innenraum

Design auf Schritt und Tritt

Der Boden nimmt in der Raumgestaltung eine immer wichtigere Rolle ein. Was es Neues bei Holz, Kork, Laminat, Teppich oder elastischen Belägen gibt, wurde auf den Messen Domotex und Bau Anfang des Jahres präsentiert.

Susanne Sachsenmaier-Wahl

Der Trend zu immer mehr Natürlichkeit ist auch am Boden ungebrochen. Das war auf der „Domotex“ in Hannover und auf der „Bau“ in München nicht zu übersehen. Authentizität, Natürlichkeit und bewusst auf alt getrimmte Optiken bestimmten das Design bei Parkett und Laminat, aber auch bei elastischen Bodenbelägen. Der Landhausstil ist wieder (oder immer noch?!) en vogue, egal ob in Anlehnung an die Berghütte in den Alpen, das Holzhaus in Skandinavien oder die mediterrane Finca in Spanien. Neben soviel Ländlichkeit kommt aber auch die Extravaganz nicht zu kurz. Exotische Hölzer und glänzende und schimmernde Holzoberflächen versprühen einen Hauch von Luxus und geben modernen Einrichtungen eine individuelle Note.
Parkett- und Dielenböden
Der Trend zur Natürlichkeit ist besonders bei Holzböden deutlich erkennbar. Die Oberflächen von Parkett- und Dielenböden muten wieder sehr ursprünglich an. Die natürlichen Strukturen des Holzes werden betont. Was man sieht, soll man auch fühlen können und das nicht mehr nur ganz subtil in Form von Poren und Holzmaserung, sondern gerne auch so, dass man beim Barfußlaufen eine wahre Wellness-Wirkung hat. Parador und tilo etwa bieten gebürstete oder sägeraue Oberflächen an, die sehr authentisch, beinahe unbehandelt wirken. Bei Hamberger (Haro) entsteht auf Landhausdielen und Schiffsböden mithilfe eines groben Hobels gar eine Designoberfläche mit ausgeprägten Höhen und Tiefen, die sich dann „sanft geschroppt“ nennt. Wer es besonders ursprünglich liebt, für den könnten zwei Neuheiten auf dem Bodenmarkt interessant sein. Das Parkett „History“ von Parador wird aus Eichenbalken, die aus alten Scheunen oder Fachwerkhäusern stammen, hergestellt. Für Antik-Fans und Freunde des rustikalen Stils sicherlich ein Highlight. Für Individualisten und Liebhaber ganz naturnaher Einrichtung präsentiert das Unternehmen Bolefloor ein absolut neues Holzbodendesign. Erstmals werden industriell gefertigte Massivholzdielen in der natürlich gewachsenen Form des Baumes angeboten. Da jeder Baum anders gewachsen ist, sehen die Dielenböden niemals identisch aus.
Mithilfe von Farbe kann die Holzmaserung betont werden. Vor allem beim skandinavischen Stil sind weiß oder hellgrau „gekälkte“ Hölzer nicht wegzudenken. Doch auch andere Farbtöne können das Holz akzentuieren und dem Boden eine individuelle Note verleihen. Während die meisten Hersteller mithilfe von Farbe eine Patina erzeugen, wird das Parkett beim Frankenthaler Unternehmen Tarkett zum Kunstobjekt. Böden mit Metallic- und Perleffekten auf der Oberfläche machen endgültig Schluss mit veralteten Vorstellungen über das Aussehen eines Holzbodens. So wird ein Eichenboden etwa kräftig gebürstet, dann zunächst schwarz beschichtet und schließlich mit silbernen Farbakzenten versehen. Das Ergebnis nennt sich „Salsa Eiche Silver Star“. Hinter dem Begriff „Salsa Esche Cognac Purple Rain“ verbirgt sich ein gebürsteter, thermisch behandelter Esche-Cognac-Boden, der zunächst mit beigefarbenen Akzenten veredelt, dann abgeschmirgelt und schlussendlich mit einem Schimmereffektlack überlackiert wurde. Je nach Lichteinfall ändert die Oberfläche des Bodens ihre Farbe von Braun über Grün zu Purpur. „Esche White Pearl“ ist ein Holzfußboden mit Perleffekt. Weitere Designvarianten im aktuellen Tarkett-Sortiment sind schwarz, grau oder weiß gebeizte Böden mit handgeschrubbten Fasen.
Zu 100 Prozent durchgefärbte Deckbeläge für Parkettböden präsentiert Hamberger. Mithilfe dieser Technik entstehen aus europäischen Hölzern aus nachhaltiger Forstwirtschaft ganz neue Holzfarben, wie Original-Hölzer sie nicht abdecken können. Die durchveredelten Parkettböden eignen sich besonders in Bereichen mit höherer Belastung, da Kratzer kaum sichtbar sind, oder an Stellen mit starker Sonneneinstrahlung, da ihre Farbstabilität wesentlich höher ist als die unbehandelter Hölzer.
Kork, Bambus und Leder
Selbstverständlich prägte auch das Trendthema Nr. 1 die diesjährigen Messen: Nachhaltigkeit. Doch was bedeutet das für den Bodenbelagsmarkt? Neben dem Hang zur oben beschriebenen natürlichen Optik heißt das vor allem, dass umweltfreundliche Beläge wieder vorne liegen. Ein Bambusparkett beispielsweise sieht nicht nur sehr exotisch aus und verfügt über eine höhere Härte als die als äußerst robust geltende Eiche, es lässt sich vor allem sehr nachhaltig herstellen. René Zaal, Geschäftsführer des niederländischen Herstellers für Bambusbeläge Moso, verdeutlicht dies: „Man muss sich vergegenwärtigen, dass wir den Bambus bereits nach fünf Jahren ernten können, ohne die Pflanze zu schädigen oder gar zu vernichten.“
Ebenfalls ganz vorne in puncto Nachhaltigkeit rangiert der Korkboden. Denn Kork kann nicht nur zu 100 Prozent recycelt werden, auch die Ernte ist nachhaltig. Die Rinde der Kork- eiche wächst wieder nach, für einen Korkbelag muss kein einziger Baum gefällt werden. Doch das sind längst nicht alle Argumente, die für einen Korkboden sprechen, weiß Tomas Cordes, Sprecher des Vorstands Deutscher Kork-Verband e.V.: „Neben dem hohen ökologischen Wert sind es seine Wohlfühleigenschaften, für die ihn die Deutschen so schätzen: Korkboden ist fußwarm, wärmedämmend und schallisolierend.“ Und nicht zuletzt sind Korkböden auch in puncto Design alles andere als langweilig. An den fein gehäckselten Weinkorken in Naturbraun erinnert heute nur noch wenig. Cordes: „Korkboden gibt es mittlerweile in so vielen Farben und Designs, dass er problemlos auf jeden neuen Wohntrend und die unterschiedlichsten Geschmäcker eingeht.“ Edelkork-Furniere in Längsrichtung ergeben beispielsweise moderne lineare Designs (z.B. „ReedLane“ von Amorim, „Expression“ und „String“ von Granorte). Andere Korkböden erinnern dank ihrer Farbgebung und der Anordnung der Furniere stark an Stein, manche wirken gar wie gepixelt. Farblich ist bei Kork fast alles machbar, egal, ob komplett gefärbt in einem noblen Dunkelbraun oder partiell bunt eingefärbt, wodurch eine Art Patchwork-Effekt entsteht oder mit dunklen Farbschattierungen in der Fläche für den angesagten Vintage-Look. Einen riesigen gestalterischen Fortschritt hat auch der Digitaldruck dem Korkboden ermöglicht. Dank dieser Innovation lassen sich Bodenbeläge herstellen, die über alle positiven Eigenschaften eines Korkbodens verfügen, optisch aber Stein, Holz oder beliebige Fantasiemuster abbilden (z.B. „Arteo“ von Haro, „Samoa“ von KWG). Eine weitere Möglichkeit besteht in der Kaschierung von Korkböden. So werden diese heute beispielsweise mit Vinyl- oder Lederoberfläche angeboten.
Leder ist nicht nur strapazierfähig, sondern auch elegant und sinnlich. Fußböden mit einer Lederoberfläche bringen Wärme, eine angenehme Haptik, eine edle Optik sowie den charakteristischen Duft ins Haus. Die Oberfläche des Lederbodens „Veledo“ von Tretford besteht aus einem Lederfaserstoff. Dieser wiederum besteht neben recycelten Resten der Lederverarbeitung aus Naturlatex, Naturfett und Naturgerbstoff. Er stellt eine sinnvolle Alternative zu echtem Leder dar und hilft, Ressourcen zu schonen. Verbunden wird der Lederfaserstoff mit einer HDF-Trägerplatte, die mit einem Gegenzug aus Kork versehen ist. Ein spezielles Oberflächenfinish auf Basis natürlicher Öle und Wachse macht den Boden strapazierfähig, langlebig und pflegeleicht. „Veledo“ wird in vier an Tierhäute angelehnten Oberflächenstrukturen (croco, torro, angus, buffalo) und in insgesamt 12 Farben angeboten.
Laminat- und Designbeläge
Man muss schon sehr genau hinsehen, wenn man moderne Laminat- oder Vinylböden von echtem Holz oder Stein unterscheiden will. Da die Struktur einer Buche anders ist als die Maserung einer Eiche und Sandstein und Schiefer nicht gleich strukturiert sind, bedarf es verschiedener Prägungen. Forbo etwa fertigt die Fliesen und Planken für seine „Allura“-Designbeläge mit insge-samt sieben verschiedenen Prägungen, wodurch der Charakter verschiedener Holzarten und Steinoberflächen sehr gut nachempfunden werden kann. Auch bei den Designbelägen von Tarkett oder Gerflor ist die Strukturprägung der Oberfläche auf das jeweilige Dekor abgestimmt. Umlaufende Fasen, modernste Digitaldrucktechniken und prägnante Druckfarben vervollständigen den Echtheitscharakter. Doch bei den Designböden kommt neben der Authentizität auch die Kreativität nicht zu kurz. Holzdekore im Vintage-Look, Kompositionen aus Fantasiestrukturen in puristischem Weiß oder mit kräftigen Farbkontrasten versehene Holzdekore sind nur einige Beispiele.
Bei den Laminatböden steht ebenfalls die täuschend echte Reproduktion von Holz und Stein im Vordergrund. Authentizität ist dabei das Maß aller Dinge. Parador beispielsweise reproduzierte für das Laminat „Nussbaum Antik“ aufwendig das über 100 Jahre gealterte Parkett einer Kanzlei. Der Vintage-Style, das Natürliche bis hin zum Rustikalen, hat auch vor dem Laminatboden nicht Halt gemacht. Und das gilt nicht nur für die Optik, sondern auch für die Haptik. Sägeraue und gebürstete Oberflächenstrukturen verleihen den Kunststoffböden noch mehr Echtheits-charakter. Auch die unregelmäßige Anordnung unterschiedlich langer und breiter Dielen soll dem Industrieprodukt eine handwerkliche Note verleihen. Beim Laminat „Eiche mix“ von Parador ergibt sich so ein lebendiges Raumbild, das mit der Vorstellung vom stereotypen Laminat aufräumt. Auch Witex versucht, dem Laminat einen Unikatcharakter aufzustempeln. Durch ein spezielles Fertigungsverfahren sollen bei der Laminat-Landhausdiele „ariosa“ Dekorwiederholungen auf den Bodenelementen verhindert werden. Voll im Trend liegt auch das Format der Bodenelemente. Mit einer Länge von 1.845 Millimetern handelt es sich um eine sogenannte Langdiele, ein Format das derzeit stark im Kommen ist. Weite und Großzügigkeit – selbst in kleinen Räumen – soll dadurch vermittelt werden. Tarkett treibt diesen Effekt mit seiner Kollektion „Infinite“ (auf Deutsch: unendlich) auf die Spitze. Die Optik dieser Böden wird nicht durch harte Dielenübergänge unterbrochen, sondern scheint sich über die Kopfseiten der Planken endlos fortzusetzen.
Fast könnte man meinen, bei Laminat- und Designbelägen drehe sich alles nur ums Holz. Doch zahlreiche neue Fantasiedekore beweisen das Gegenteil. Egal, ob Briefmarken, Maßbänder, Streifenmuster oder Metalleffekte – fast jedes erdenkliche Muster ist dank moderner Technologien möglich. Bei den Laminatdekoren „Midnight Blue Metallic“ und „Luna Metallic“ (beide von Tarkett) zaubern sogar echte Metall-Pigmente silbern schimmernde Highlights auf den Boden.
Teppichboden
Individualität ist Trumpf! So könnte das Motto lauten, das sich bei textilen Belägen als Trend abzeichnet. Neben der klassischen vollflächigen Verlege-weise neigt man immer öfter dazu, Räume mit Teppichfliesen spielerisch zu gestalten. Vorwerk präsentiert als Lizenzpartner von Esprit home, der Interieur-Linie von Esprit, Teppichfliesen in Freiform. Die neuartige Rückenbeschichtung von „Esprit home islands“, so der Name der Fliesen, ermöglicht ein rutschsicheres Verlegen auf Glattböden. Dadurch können die Fliesen schnell und flexibel beliebig im Raum platziert werden.
Tretford kombiniert die gestalterischen Vorzüge von Teppichfliesen mit einem weiteren Mega-Trend: der Nachhaltigkeit. Mit der ECO-Fliese präsentiert das Unternehmen seine erste vollständig recycelbare Fliese mit Vliesrücken. Dieser Rücken besteht zwar aus 100 Prozent Polyester, 70 Prozent davon sind jedoch recyceltes Material. Der Vlies-Rücken kann, genauso wie das Obermaterial, nach der Liegezeit selbst wieder recycelt werden. Als Obermaterial wird die bekannte Rippe aus Kaschmir-Ziegenhaar und Schurwolle beibehalten. Erhältlich sind die Fliesen in 40 Standardfarbtönen, die lose verlegt und beliebig kombiniert werden können.
Was sonst noch neu ist
Eine völlig neue Bodenbelagsart präsentiert Knauf: einen konstruktiven Unterboden und einen dekorativen Oberbelag in einem. „Knauf One“ besteht aus einer Gipsfaserplatte, auf die ein- oder zweiseitig eine Korkschicht appliziert ist. Dadurch kombiniert der Boden die wirtschaftlichen Vorteile des Baustoffes Gips mit den positiven Eigenschaften des Naturstoffs Kork. Per Digitaldruck und dreidimensionaler Prägung werden an der Plattenoberfläche Natursteine, Beton, Steinzeug oder Metall naturgetreu nachgebildet. Die großformatigen Platten besitzen eine Aufbauhöhe von nur 15 Millimetern und werden auf dem Unterboden einfach lose verlegt und anschließend verfugt. Durch die profilierte Systemkante des Plattenelements ist eine exakte Fugenausbildung gewährleistet.
Den Boden an die Wand bringt Witex mit dem innovativen System „active wall“. Sämtliche Witex-Böden können nun auch als Wandpaneel montiert werden, wodurch eine einheitliche Gestaltung von Wand und Boden ermöglicht wird. Basis für das Wand-System sind Aluminiumprofile, in die die Bodenbeläge eingeschoben werden. Gleichzeitig dienen die Schienen zur Aufnahme von Haken, Regalträgern oder TV-Halterungen. Das neue System bietet Flexibilität pur: Nicht nur die Zubehörkomponenten können jederzeit problemlos ausgetauscht werden, sondern auch die Dekorelemente.

praxisplus
Weitere Informationen zu den genannten Bodenbelägen:

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