Einer ist nicht genug

Einen universellen Schutz gegen Graffiti und ein Allheilmittel bei der Graffiti-Entfernung gibt es nicht. Stattdessen muss der Schutzanstrich exakt auf den zu beschichtenden Untergrund abgestimmt sein und der richtige Reiniger gefunden werden. Lesen Sie in einer zweiteiligen Serie, wie man das passende Produkt auswählt und was bei der Anwendung zu beachten ist. Im ersten Teil werden die Schutzanstriche und Imprägnierungen vorgestellt.

Autor: Susanne Sachsenmaier-Wahl | Fotos: Scheidel

Wer glaubt, es gebe den einen Graffiti-Schutzanstrich, der irrt gewaltig. Genauso vielfältig wie die Untergründe sind auch die entsprechenden Schutzbeschichtungen. Dies durfte ich bei einem Ortstermin in Bamberg mit dem Anti-Graffiti-Spezialisten Georg Scheidel anschaulich miterleben.

Unser erster Weg führt uns auf das obere Parkdeck eines Parkhauses. Der Grund für unseren Besuch an dem eher ungemütlichen, windigen Ort ist schnell klar. Überall in der Umgebung sind kleinere und größere Schmierereien zu entdecken. Dass der Parkhausbetreiber sein Objekt in dieser Umgebung vor Sprayer-Attacken schützen möchte, verwundert nicht weiter. An einer der grau beschichteten Betonwände seien bereits zwei Testflächen mit Anti-Graffiti-Schutzlacken angelegt worden, erzählt mir Georg Scheidel. Die eine kann ich auf Anhieb ausfindig machen. Sie tritt durch einen glänzenden Film deutlich hervor. Die andere dagegen offenbart sich erst bei genauerem Hinsehen. Denn ihre matte Oberfläche lässt die darunter befindliche Betonbeschichtung fast unverändert aussehen.

Schutzlacke

Bei beiden Produkten handelt es sich um zweikomponentige, permanente Schutzlacke, erklärt mir Scheidel. Permanente, also dauerhafte Anti-Graffiti-Systeme können mehrmals gereinigt werden, ohne dass der Schutz erneuert werden muss. Lösliche Untergründe, wie Fassaden mit Dispersions- oder Siliconharzfarben oder lackierte Flächen können effektiv und nachhaltig nur mit chemisch stabilen Schutzlacken vor Sprühattacken geschützt werden, lässt mich Scheidel außerdem wissen. Ein Durchschlagen der Sprühlacke könne durch sie vollständig ausgeschlossen werden, weshalb die darunterliegende Farb- bzw. Lackschicht unbeschädigt bleibe. Deshalb habe man auch auf dem bereits gestrichenen Beton im Parkhaus nur die Wahl zwischen den beiden Schutzlacken – anders als auf unbeschichtetem Beton. Hier empfehle er unbedingt den Einsatz einer Schutz-Imprägnierung (zu diesen Systemen später mehr).

Bei dem matten Schutzlack handelt es sich um ein wässriges Produkt auf Polyurethan-Basis mit Silan, das auf allen beschichteten Flächen eingesetzt werden kann. Neben Dispersions-, Siliconharz-und Silikatfarben eignen sich zur Überarbeitung auch WDVS, Kunstharzputze, Pulverbeschichtungen, lackierte Holzflächen und – wie hier – gestrichener Beton. Wichtig ist Georg Scheidel die Tatsache, dass der Schutzlack „HydroPur Silan“ so gut wie keinen Einfluss auf den Gesamtaufbau eines Wärmedämm-Verbundsystems hat und dessen Eigenschaften (wie etwa die Diffusionsfähigkeit) nicht negativ beeinflusst. Der Lack weist einen sd-Wert von 0,46 Metern auf und liegt damit im Diffusionsbereich einer Dispersionsfarbe. Die empfohlene Schichtstärke von 0,1 Millimetern unterscheidet sich ebenfalls unwesentlich von der einer Dispersionsfarbe.

Auch der glänzende Schutzlack verfügt über einen sd-Wert von unter 0,5 Metern. Das überrascht durchaus positiv, denn bei dem glänzenden Lack auf Epoxy-Basis handelt es sich um ein sogenanntes Ultra-High-Solid-Produkt. Bei der Verarbeitung bringt das glänzende Produkt einen klaren Vorteil gegenüber dem matten Schutzlack, der in zwei Arbeitsgängen appliziert werden muss, mit sich: Der Epoxy-Lack muss nur einmal gerollt werden, was die Arbeitskosten erheblich verringert. Hinsichtlich der Optik müssen bei diesem Produkt jedoch Abstriche gemacht werden. Aufgrund seines Glanzes verändert es die Optik des Untergrundes nämlich deutlich, während das matte HydroPur Silan die Optik so gut wie nicht beeinflusst. „Man muss sich immer fragen, was bei dem Schutzanstrich im Vordergrund steht,“ erklärt Georg Scheidel. „Ist es der Preis oder die Optik? Wenn die Optik an einem Objekt nicht so entscheidend ist, ist das leicht glänzende Produkt eine gute Wahl. Wo der Glanz als störend empfunden wird, sollte man besser zum matten Produkt greifen.“ Der glänzende Schutzlack, der laut Scheidel extrem hart im Nehmen ist eignet sich beispielsweise ideal für Unterführungen oder als Schutzbeschichtung für (Fahrkarten-) Automaten.

Imprägnierungen

Unsere Besichtigungstour geht weiter. Das Ziel ist eine Brücke über die Regnitz. Mit Graffiti besprühte, mächtige Brückenpfeiler aus Sandstein stechen mir sofort ins Auge. Kein Wunder, lädt die Abgeschiedenheit am Regnitzufer doch geradezu Sprayer ein, sich hier auszutoben. Die Brückenpfeiler seien bereits vor einigen Jahren von ihren „Verzierungen“ befreit und anschließend mit einer Schutzimprägnierung versehen worden. Die neuen Graffiti wären nun also einfacher zu beseitigen – wenn denn die Stadt Bamberg hier tätig werden würde.

Zum Einsatz kam auf den Brückenpfeilern damals die Fluoromer Graffiti-Imprägnierung von Scheidel. Alle Anti-Graffiti-Imprägnierungen von Scheidel sind hoch wasserdampfdiffusionsoffen und weisen sd-Werte von etwa 0,02 Metern auf. Sie sind farblos, nicht farbtonintensivierend und treten daher optisch kaum in Erscheinung. Im Angebot von Scheidel sind mehrere Imprägnierungen. Worin unterscheiden sich die einzelnen Produkte und welches ist wann das richtige?

Alle Graffiti-Schutz-Imprägnierungen von Scheidel sind auf wässriger Basis mit C6-Fluor-Polymer-Technologien und nicht filmbildend. Diese Formulierung ergibt chemisch stabile und hoch mit dem mineralischen Bausubstrat vernetzende, hauchdünne Trennschichten. Ähnlich wie bei einer imprägnierten Regenjacke wird durch die Produktzusammensetzung die Oberflächenenergie erhöht und eine Anti-Haft-Wirkung erzielt, welche die einfache Graffiti-Entfernung ermöglicht. Die Imprägnierung „Fluorosil Classic“ kommt dabei auf einfachem (ungestrichenem) Sichtbeton und anderen saugfähigen mineralischen Untergründen, wie etwa Klinker, zum Einsatz. Das weiterentwickelte „Fluorosil Premium“ ist dann das Mittel der Wahl, wenn hochwertiger Glattbeton geschützt werden soll oder wenn nicht (!) lösliche, mineralisch gestrichene Flächen (Silikatfarben und Betonlasuren) geschützt werden sollen. Wie man die Löslichkeit einer Beschichtung feststellen kann, lesen sie im unten stehenden PraxisPlus-Kasten.

Beide Fluorosil-Imprägnierungen sind als permanente Trennschichtbildner nach RAL zertifiziert. Von permanenten Anti-Graffiti-Produkten kann dann gesprochen werden, wenn Graffiti ohne Erneuerung der Trennschicht 10 bis 15 mal auf der Schutzbeschichtung entfernt werden können. Auf unlöslichen Farbanstrichen seien so viele Entfernungszyklen jedoch nicht zu erzielen, darauf weist Georg Scheidel ausdrücklich hin. Die Permanenteigenschaften sind hier eingeschränkt, weil der Untergrund bzw. der Farbaufbau der Belastung nicht standhalten kann. Die Permanenteigenschaften gemäß RAL werden lediglich auf Beton erzielt.

„Fluoromer“ schließlich wurde speziell für die Anwendung auf Sandstein und weichen Untergründen konzipiert. Diese Imprägnierung ist „semi-(also halb-)permanent“ und muss nach jeder Graffiti-Entfernung mit geringem Materialverbrauch nachimprägniert werden.

Hydrophobierung plus Graffiti-Schutz

Immer dann, wenn Betonbauwerke und andere mineralische Oberflächen nicht nur vor Graffiti geschützt werden müssen, sondern auch deren Standfestigkeit gewährleistet sein muss – beispielsweise bei Brücken und andern Ingenieurbauten oder Betonfertigteilen – bietet Scheidel seine jüngste Produktfamilie „Hydro Graff“ als den prädestinierten Graffitischutz an. Auch Klinker oder Kalksandstein werden durch Hydrophobierungen vor eindringendem Wasser geschützt. Hydrophobierungen reduzieren die Aufnahme von Wasser und damit von gelösten Schadstoffen, wie etwa schädigenden Salzen, und schützen somit den Stahl im Beton vor Korrosion und folglich vor Instabilität. In den innovativen „Hydro Graff“-Produkten sorgen tief eindringende Silanbestandteile, die sich untrennbar mit dem Baustoff verbinden, für eine hohe Wasserabweisung. Die enthaltenen Fluoropolymere dagegen, die ebenfalls an das Substrat „andocken“, erzeugen den Oberflächenschutz, der Graffiti und Schmutz dauerhaft abweist. Hydro Graff ist als lösemittelfreie Creme oder als lösemittelarmes Flüssigprodukt erhältlich. Für sehr dichte, glatte Betonflächen und andere dichte, aber dennoch saugfähige Untergründe steht außerdem eine lösemittelarme Fassadencreme zur Verfügung.

Sorgfalt bei Planung und Ausführung

So langsam lichtet sich in meinem Kopf der Nebel: Graffiti-Schutz ist zwar definitiv eine Wissenschaft für sich – ein Buch mit sieben Siegeln ist er aber nicht. Man muss sich die Gegebenheiten nur sehr genau anschauen und dann das entsprechende Schutzmittel auswählen. Und vor allem muss man sich strikt an die Verarbeitungsrichtlinien halten, um den gewünschten optischen und technischen Effekt zu erzielen. Georg Scheidel erklärt mir, warum er so viel Wert darauf legt, in seinen Merkblättern das passende Werkzeug für die Applikation seiner Produkte anzugeben. „Nur mit dem entsprechenden Werkzeug lässt sich auch die richtige Schichtdicke erzielen. Und diese ist enorm wichtig. Wird zu wenig aufgetragen, ist kein Schutz vorhanden. Trägt man zu viel auf, macht man sich seine Kalkulation zunichte. Davon würde höchstens ich profitieren,“ fügt er lachend hinzu.

Alles über die Graffiti-Entfernung lesen Sie in der nächsten Malerblatt-Ausgabe


PraxisPlus

Die Löslichkeit einer Silikatfarbe oder Betonlasur kann durch einen einfachen Test festgestellt werden. Dazu trägt man einen Graffitientferner mit einem Tuch aufund lässt diesen etwa 20 Minuten einwirken. Löst sich die Farbe nach der Einwirkzeit nicht, können Anti-Graffiti-Imprägnierungen verwendet werden. Löst sie sich, sollte ein Schutzlack zum Einsatz kommen.

Weitere Hilfestellungen bei der Auswahl des richtigen Anti-Graffiti-Schutzes erhalten Sie auf der Scheidel-Homepage oder über die praktische App zum kostenlosen Download.

www.scheidel.com