Farbkonzept

Farbton Sandstein

Diese ehemalige Arbeitersiedlung in Nürnberg wurde in enger Abstimmung mit der Denkmalbehörde saniert. Um der ursprünglichen Gestaltung auf die Spur zu kommen, wurden Proben von Altanstrichen und Putz abgetragen und untersucht.

Fotos: Brillux

Durch umfangreiche Umbauten und Aufstockungen hatte sich die historische Bausubstanz der von 1904 bis 1908 errichteten Gebäude stark reduziert. Beim Neuverputzen der Fassaden war die bauzeitliche Architekturgliederung und die Farbfassung mit Sandstein-Farbtönen weitgehend aufgegeben worden. Um der ursprünglichen Gestaltung auf die Spur zu kommen, trug Restaurator Adalbert Wiech deshalb an geschützten Stellen Proben von Altanstrichen und Putz ab und untersuchte diese. An fast allen Gebäuden fand er dabei Reste bauzeitlicher Schichten. So wurde deutlich, dass die Häuser ein gemeinsames Gestaltungsprinzip hatten. An einem Gebäude gelang es ihm sogar, die bauzeitliche Fassung vollständig zu rekonstruieren.

Die verwendete Farbton-Palette orientierte sich an Sandsteinen der Region sowie an der Farbe von Mauerziegeln. Im Bereich der Sockel wurden teilweise echte Sandsteine verbaut. Zusätzlich wurden verschiedene Sandsteine durch rot, ocker und grau eingefärbten Mörtel nachgebildet. Während die Fassaden straßenseitig unterschiedlich und detailiert gestaltet waren, wurde die Hofseite zu Bauzeiten schlicht und schnörkellos verklinkert. Erst im Zuge späterer Modernisierungen waren auch die rückwärtigen Fassaden verputzt worden.

Das Farbgestaltungskonzept

Auf Grundlage der Befunde legte der Restaurator per Hand Musterplatten an, die eine Übersicht über die ermittelten Farbtöne gaben. Die Wirkung der Töne wurde anhand von kleinen Musterflächen erprobt. Hans Gradl, Technischer Berater bei Brillux, hatte danach die Aufgabe, die ermittelten Farbtöne nachzustellen und sie zu klassifizieren, um sie reproduzierbar zu machen.

„Bis nicht mehr nachgemischt werden musste und alle passenden Farbnuancen gefunden waren, war Detailarbeit gefragt“, so Gradl. Restaurator Adalbert Wiech und die Willi Bayer Architektur, entwickelten in enger Abstimmung mit der Denkmalbehörde und dem Bauherrn ein Gestaltungskonzept ganz im Sinne der historischen Farbgebung. Mit einem kräftigen Ziegelrot gibt das markante Eckgebäude an der Galvanistraße 14 nun den Ton an. Die benachbarte Galvanistraße 16 erhielt ein Beige mit hellem Grau. So wechseln sich helle Sandsteintöne mit kräftigeren, von Mauerziegeln abgeleiteten Farbtönen ab. Zur Hofseite wurden die Fassaden in unterschiedlichen, gedeckten Erdtönen gestrichen. Nach denkmalschutzrechtlichen Vorgaben erhielten die Häuser zudem Aluvorbau-Balkone. Zusammen mit der Neugestaltung der Grünanlagen sind die Innenhöfe ein Beispiel für den Übergang in eine moderne Bauweise.

Fassadensanierung

Da die vorhandenen Putze weitestgehend unbeschädigt waren, konnte direkt mit dem Beschichtungsaufbau begonnen werden. „Nur hier und da waren kleinere Bereiche nachzuputzen“, sagt Gradl. „An diesen Stellen war es jedoch durchaus herausfordernd, die Nachbesserungen an die alte Putzstruktur anzupassen, damit ein homogenes Gesamtbild entsteht.“

Zum Grundieren und Festigen verwendeten die Maler auf sämtlichen Fassadenflächen eine Silicatgrundierung. Wo es erforderlich war, führten die Maler mit einem Silicat-Streichfüller eine rissverschlämmende und strukturgebende Zwischenbeschichtung aus. Der Anstrich erfolgte im Systemaufbau mit der einkomponentigen, hochdeckenden Silicat-Fassadenfarbe. Diese soll aufgrund ihrer hohen Wasserdampfdiffusionsfähigkeit auch hervorragend für den Einsatz im Denkmalschutz geeignet sein, sagt der Hersteller. Durch die mineralischen Rohstoffe und die silikattypischen, hydrophilen Eigenschaften erzeugt sie an der Fassadenoberfläche einen ausgeglichenen Wasserhaushalt und vermindert – ohne Zusatz von Bioziden – das Risiko von Algen- und Pilzbefall.

Dauerhafte Lackierungen

Im Zuge der Fassadensanierungen erhielten auch die metallenen Bauteile wie Fenster und Gesimsbleche neue Lackierungen. Der Großteil der eingebauten verzinkten Bauteile hatte zuvor eine Alkydharz-Beschichtung, die mit der Zeit abgeplatzt war. Nachdem diese Altlackreste entfernt waren, sorgten die Maler mit dem 2K-Epoxi-Haftgrund zunächst für eine haftvermittelnde, rostpassivierende Grundierung. Mit 2K-PUR-Acryl Seidenglanzlack 5741 entstanden auf den Metallbauteilen besonders widerstandsfähige Lackierungen.

Es ist ein stimmiges Gesamtkonzept entstanden, das den historischen Gebäuden ihr ursprüngliches Aussehen und eigentlichen Charakter zurückgibt. Durch die neue Innenhofgestaltung konnten auch zeitgenössische Elemente eingebracht und mit den Balkoninstallationen die seither gestiegenen Wohnansprüche erfüllt werden.

Weitere Fotos:
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PraxisPlus

Verwendete Produkte

  • Silicat-Grund ELF 1803
  • Silicat-Streichfüller ELF 3639
  • Silicat-Fassadenfarbe HP 1801
  • 2K-Epoxi-Haftgrund
  • 2K-PUR-Acryl Seidenglanzlack 5741

www.brillux.de


Bis nicht mehr nachgemischt werden musste und alle passenden Farbnuancen gefunden waren, war Detailarbeit gefragt



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