Gebäudehülle & Innenraum

Frisch, fröhlich, heiter

Ein sensibler Umgang mit Farbe spielt bei der Innenraumgestaltung in Kinderkrippen eine erhebliche Rolle. Wenn Kinder ihr gewohntes familiäres Umfeld verlassen und neue Erfahrungen in einer fremden Umgebung machen, soll diese Sicherheit und Geborgenheit vermitteln.

Martina Lehmann und Simone Hörr, Caparol FarbDesignStudio

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen die psychologischen und physiologischen Auswirkungen von Farben auf den Menschen. In seiner Entwicklung durchläuft der Mensch vielfältige Erlebnis- und Lernprozesse. Im Krippen- und Kindergartenalter ist die Erlebnisfähigkeit, die Beeindruckbarkeit über die Sinne durch äußere Reize noch viel ausgeprägter vorhanden als bei Jugendlichen und Erwachsenen. Je älter die Kinder werden, um so mehr können sie sich von der unmittelbaren Wahrnehmung abgrenzen, sie lernen das Ausfiltern von verschiedensten Eindrücken.
Die Umwelt wird von dem kleinen Kind noch unmittelbar wahrgenommen (unzensierte Eindrücke) und bestimmt im starken Maße die Ausbildung des sinnlichen Wahrnehmungsvermögens. Das erfordert einen sensiblen Umgang mit Farbe hinsichtlich Atmosphäre und Anmutung. Eine durchdachte Farbgestaltung vermeidet daher willkürliche und plakative Buntheit und orientiert sich an den Entwicklungsphasen des Kindes.
Erfahrungsfeld für die Sinne
Kinder brauchen Räume für Wahrnehmung, Bewegung und Begegnung. Durch ständiges Ausprobieren und Üben erobern sie sich die Welt Schritt für Schritt. Eindrücke beeinflussen die Identifikation des Kindes mit seiner räumlichen Umgebung und wirken auf sein Wohlbefinden und seine Verhaltensweise ein.
Der Raum sollte zu einem Erfahrungsfeld der Sinne werden. Niedliche und putzige Elemente sind zu vermeiden, um den Kinder Gestaltungsräume für ihre eigene Fantasie zu lassen. Großflächige, stark gesättigte Farbreize oder kontrastreiche Muster führen bei langer Einwirkung zu einer hohen, visuellen Anstrengung. Das Auge zieht es zu Dingen, die sich bewegen und der Blick wandert dorthin, wo hohe Kontraste sind. Kontrastreiche Muster werden entlang der Kanten „abgetastet“ und die Augen folgen immer wieder der Konturlinie. Das Gehirn muss gegensteuern und ausgleichen. Oftmals führt dies zu Ermüdung und Konzentrationsschwäche. Werden die Kontraste weicher, kommt Farbe hinzu, entsteht eine farbige Stimmung, die als atmosphärische Raumhülle dienen kann.
Für den Gleichgewichtssinn eignen sich Elemente, die zum Klettern und Krabbeln einladen: modellierte Böden (Podeste) mit unterschiedlichen Höhen, mit Auf- und Abstiegsmöglichkeiten, Hindernisse oder Stufen in allen Variationen. Sicht- und tastbare Oberflächen vermitteln nachhaltige Eindrücke. Daher ist die sorgfältige Auswahl qualitativ hochwertigen Materials sehr wichtig. Es empfiehlt sich, vor allem natürliche, ökologisch unbedenkliche Materialien einzusetzen, da neben dem gesundheitlichen Aspekt auch der Tast- und Geruchssinn angesprochen wird.
Kindgerechte Planung
Diese Erkenntnisse hat die Innenarchitektin Simone Hörr in Zusammenarbeit mit Andrea Girgzdies vom Caparol FarbDesignStudio bei der ersten firmeneigenen DAW-Kinderkrippe berücksichtigt und umgesetzt. Die im September 2009 auf dem Firmengelände eröffnete Krippe ist ein Beispiel für kindgerecht durchdachte Planung. Das 145 Quadratmeter große Gebäude wurde entkernt, saniert und energetisch auf den neuesten Stand gebracht. Die Innenarchitektin wählte für die Räume helle, zarte Farbtöne aus dem warmtonigen und kühltonigen Pastellbereich mit einzelnen, gezielten Farbakzenten. „Die Farben sollen Heiterkeit, Leichtigkeit und Geborgenheit vermitteln“, erläutert Innenarchitektin Simone Hörr.
In Räumen mit kürzerer Verweildauer setzte sie kühlere Farbnuancen, in Räumen mit längerer Verweildauer wärmere Farbtöne ein, um so einen Ausgleich zu schaffen. Denn eine sinnvolle Farbkonzeption sucht die Balance zwischen Wärme und Kühle, zwischen Anregung und Ruhe, mit dem Ziel, eine visuelle Klarheit zu schaffen in Zeiten wachsender Reizüberflutung. Küche und Sanitärräume erscheinen in frischen Farbtönen: Die Bäder sind in einem Farbklang aus zartem Grün und Blau ausgeführt, die Küche in einem frischen Grün. Der Bewegungsraum im 1. Obergeschoss ist zartgrün gestrichen mit einer lasierten Akzentwand in Blau-Türkis. Der Gruppenraum sowie der Schlafraum sind in einem warmen Orangegelb gestrichen und anschließend mit einer rötlichen Deco-Lasur lasiert. Durch diese zarte Lasur können unterschiedliche Lichtbedingungen und Blickrichtungen immer wieder neue Farbklänge entstehen lassen. Eine monochrome Wand lässt das Auge schneller ermüden, kann aber sinnvoll sein bei Wänden mit kurzen Renovierungsintervallen. Bei bestimmten baulichen Details wie z. B. Stützen und Trägern ist ein deckender Anstrich sogar vorzuziehen, da er Stabilität und Tragfähigkeit vermittelt. Alle Wände sind mit einer organisch gebundenen und gut zu reinigenden Strukturfarbe in feiner Körnung mit zartem Kreuzschlag beschichtet. Dieses Produkt sowie die eingesetzten Lasuren sind emissionsminimiert und lösemittelfrei.
Als Belag für den Boden wählte Simone Hörr geöltes Stäbchenparkett in Eiche. Der Boden ist im Farbton dunkler als die Wände, was dem natürlichen Farb-Erleben entspricht. Neben einer natürlichen Haptik vermittelt das Parkett dadurch den Kindern Standsicherheit. Die Möbel aus Birke-Multiplex haben weiche Formen mit abgerundeten Ecken und Griffen. Alle Möbel wurden von der Innenarchitektin entworfen und in das Farb- und Materialkonzept eingebunden. Gezielte, farbige Akzente werden durch lasierte Holzkistchen in der Garderobe und kleine Hocker im Gruppenraum gesetzt. Für den Schlafraum wurden kleine Betten und Wiegen mit Stoffhimmel entworfen. Die Stoffhimmel vermitteln Geborgenheit und nehmen dem Raum optisch die Höhe. Dieses gelungene Konzept verdeutlicht, wie viel eine durchdachte Material- und Farbgestaltung bewirken kann. Inspirierende, unterstützende Lern- und Lebenswelten beeinflussen positiv soziales Verhalten, Kreativität, Identifikation und Wohlbefinden.

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