Startseite » Themen » Gebäudehülle & Innenraum »

Goldstück

Gebäudehülle & Innenraum
Goldstück

Vor über hundert Jahren war das Kurhaushotel von Bad Salzhausen, einem Stadtteil von Nidda, ein Treffpunkt der High Society. An diese Glanzzeiten erinnern heute nur noch historische Postkarten. Das Haus ist nun wieder eine angesagt Adresse, ein Farbkonzept bringt Wohlfühlatmosphäre in das klassizistische Baudenkmal.

Petra Neumann-Prystaj

Hans-Jürgen Eckhardt, seit 2015 neuer Eigentümer des Kurhaushotels, will das von Georg Moller 1826 geschaffene dreigeschossige Gebäude im klassizistischen Stil wieder zum gesellschaftlichen Mittelpunkt der Region machen.
Stimmiges Farbkonzept
Durch Umbauten und ein stimmiges Farbkonzept hat das Haus inzwischen an Wohlfühl-Atmosphäre gewonnen, so wie es Gäste und Tagungsteilnehmer von heute schätzen. „Wir haben das Restaurant umgestaltet und erneuert, den Eingangsbereich und das Foyer komplett neu gestaltet und eine Bar eingebaut. Denn ein Tagungshotel ohne Bar geht gar nicht“, erklärt Eckhardt. Der in Nidda geborene Geschäftsmann verbindet mit dem Moller-Bau viele schöne, persönliche Erinnerungen. Ihm war klar, dass große Investitionen nötig waren, um dem Hotel mit den 49 Zimmern eine wirtschaftliche Zukunft zu sichern. „Gehoben, aber nicht abgehoben“ sollte das Resultat der Modernisierung ausfallen. „Das Hotel wirkte so steril wie ein Bürgerhaus“, erinnert er sich. „Wenn man reinkam, blickte man auf drei große Heizkörper – unglaublich!“ Auch störte es ihn, dass die natürliche Schönheit des rötlichen Granitfußbodens im großzügigen Foyer wegen der kunterbunten Farben der Umgebung gar nicht richtig zur Geltung kam.
Charakter blieb erhalten
In der Diplom-Ingenieurin und Interior-Designerin Stefanie Lehmann und in Malermeister Hans Wiesner, dem Geschäftsführer der Georg Mayer Baudekoration, fand er zwei Spezialisten, die seine Vorstellungen innerhalb eines Vierteljahres in die Tat umsetzten – und das bei laufendem Betrieb und Beteiligung der Denkmalpflege. Der klassizistische Charakter der Räume blieb erhalten, Stilelemente wurden neuzeitlich interpretiert.
Der neue Eigentümer wünschte ein klares, schlüssiges Farbkonzept. Das Hotel sollte modern, dezent und einladend wirken. Bei der Farbgestaltung ließ sich Lehmann vom Granitboden in der Eingangshalle inspirieren. Um diesen Mittelpunkt herum entwickelte sie die neue Raumatmosphäre. Den warmen Kontrast zum kühlen Naturstein bildet ein weicher, brombeerfarbener Teppich, zugleich ein haptisches Erlebnis beim Betreten. Helles und kräftiges Braun und eine dominante Brombeerfarbe ziehen sich wie ein roter Faden durch das Sanierungskonzept. Auch die von der Interior-Designerin für jeden Raum individuell entworfenen Möbel und die von ihr ausgesuchten Stoffe folgen dieser Vorgabe.
Jetzt stehen im Eingangsbereich schwere braune Ledermöbel den gleichfarbenen Vitrinenschränken gegenüber. Eine mit Flaschen gefüllte Vitrine erlaubt indirekte Einblicke in die Bar und soll auf den abendlichen Chill-Treffpunkt neugierig machen. Wenn das Licht durch die cognacfarbigen Getränke schimmert, entstehen spannende Reflexe. Neben dem lilaroten Teppich sind die goldenen Säulen (Caparol Metallocryl im Farbton 3D Palazzo 160) stilgebend. Aus diesen Details ergibt sich der Gesamteindruck: edel, gediegen, großzügig. In der Bar, einem fensterreichen hohen Raum, dominieren dunkle, mit Messing kombinierte Hölzer. Kostbar wirkt die goldfarbene, von Kristalllüstern angestrahlte Decke. Das Farbthema Gold wird noch einmal von den halbmondförmigen Wandleuchten aufgegriffen. Der aus Foyer und Restaurant bereits vertraute rotlila Brombeerton findet sich in den samtenen Stuhlbezügen wieder.
Verbindendes Element
Eine extravagante Note wird durch den grafisch gemusterten Stoff auf den Loungesesseln der Bar in Elfenbein und Schwarz erzielt. Im Restaurant taucht dieser Stoff auf den Stühlen am runden Tisch als verbindendes Element wieder auf – die Barhocker sind mit dem Brombeersamt der Restaurantbänke bezogen. So ist jeder Raum farblich mit dem anderen verbunden. „Man fühlt sich geborgen und verweilt gerne etwas länger an der Theke.“ Diese Sicherheit sollte eine Bar unbedingt ausstrahlen, erklärt Stefanie Lehmann ihr Konzept.
Das „gewisse Etwas“
Obwohl Eckhardt mit ihren Vorschlägen immer einverstanden war, musste sie ihn lange überreden, die bislang weiße Kassettendecke des Restaurants bordeauxrot (Caparol Malerit 3D Baccara 5) streichen zu lassen. Heute ist er von dem Ergebnis begeistert. Gerade dieser Farbton, ein „Vitaminstoß“ fürs Auge, gibt dem für gediegene Feierlichkeiten geschaffenen Raum das „gewisse Etwas“. Strahlen die Deckenlüster, fühlt sich der Gast wie in einem Schlosssaal.
Im Foyer wird an den hessischen Architekten, der den Kurhausbau vor 190 Jahren geschaffen hat, erinnert. Auf Anregung von Stefanie Lehmann hängt dort ein Profilbild von Georg Moller – in einem goldfarbenen Rahmen. Es ist der Brückenschlag zwischen 2016 und dem Jahr 1826, in dem die Geschichte des Kurhaushotels begann. Jetzt ist es in der Neuzeit angekommen.

Bautafel
Auftraggeber:
Hans-Jürgen Eckhardt, Nidda
Innenarchitektur: Dipl.-Ing. Stefanie Lehmann, Oldenburg
Gastronomische und konzeptionelle Beratung: Hubert Sterzinger, Köln
Bauleitung/Baukoordination: Dipl.-Ing. Thomas Kobberger, Prien am Chiemsee
Innenausbau: Tischlerei Hinsche Gastrobau GmbH, Hatten-Sandkrug
Malerarbeiten: Georg Mayer Baudekoration, Nidda
Fachberatung: Stefan Eibich
Eingesetzte Produkte: Malerit, Capadecor Metallocryl Interior,
Anzeige
Anzeige
Aktuelle Ausgabe
Titelbild Malerblatt 7
Ausgabe
7.2021
ABO
Anzeige

Malerblatt Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Malerblatt-Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Medien GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Malerblatt-Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Malerblatt-Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de