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In ursprünglicher Farbgebung

Bautenschutz & Denkmalpflege Gebäudehülle & Innenraum
In ursprünglicher Farbgebung

In Nürnberg wird eine unter Ensembleschutz stehende, ehemaligen Arbeitersiedlung saniert. Um historische Details zu erhalten, legt die Wohnungsgenossenschaft Wert darauf, die Fassaden der Straßenzüge hochwertig und in ihrer ursprünglichen Farbgebung zu restaurieren.

Fotos: Brillux

Mit ihren abwechslungsreich gestalteten Straßenzügen und Wohnblöcken im Stil des Neo-Barock und der Neo-Renaissance erstreckt sich die ehemalige Arbeitersiedlung über ein Areal rund um Gugel-, Siemens- und Schuckertstraße. Ein Wohnungsbau in diesem Umfang hatte Anfang des 20. Jahrhunderts Vorbildcharakter.

Seit 2016 wird die unter Ensembleschutz stehende Siedlung saniert – fünf große Häuserblöcke in sieben Bauabschnitten.

Auf den Spuren der Vergangenheit

Durch umfangreiche Umbauten und Aufstockungen, die mehr Wohnraum schaffen sollten, hatte sich die historische Bausubstanz der von 1904 bis 1908 errichteten Gebäude stark reduziert. Beim Neuverputzen der Fassaden war sowohl die bauzeitliche Architekturgliederung als auch die Farbfassung mit Sandstein-Farbtönen weitgehend aufgegeben worden. Um der ursprünglichen Gestaltung auf die Spur zu kommen, trug Restaurator Adalbert Wiech deshalb an geschützten Stellen Proben von Altanstrichen und Putz ab und untersuchte diese. An fast allen Gebäuden fand er dabei Reste bauzeitlicher Schichten. So wurde deutlich, dass die Häuser ein gemeinsames Gestaltungsprinzip hatten. An einem Gebäude gelang es ihm sogar, die bauzeitliche Fassung vollständig zu rekonstruieren.

So stellte sich heraus: Ursprünglich waren die Fassaden durchweg auf Sandsteinsockeln aufgebaut und durch Gurtgesimse, Lisenen, Werksteingewände (Sandstein-Imitationen) und Schmuckelemente gegliedert. Die verwendete Farbton-Palette orientierte sich an Sandsteinen der Region sowie an der Farbe von Mauerziegeln. Lediglich im Bereich der Sockel wurden teilweise echte Sandsteine verbaut. Darüber hinaus wurden, wie zu dieser Zeit üblich, verschiedene Sandsteine durch rot, ocker und grau eingefärbten Mörtel nachgebildet. Während die Fassaden straßenseitig sehr unterschiedlich und detailreich gestaltet waren, wurde die Hofseite zu Bauzeiten sehr schlicht und schnörkellos verklinkert. Erst im Zuge späterer Modernisierungen waren auch die rückwärtigen Fassaden verputzt worden.

Farbgestaltungskonzept

Auf der Grundlage der Befunde legte der Restaurator per Hand Musterplatten an, die eine Übersicht über die ermittelten Farbtöne gaben. Die Wirkung der Töne wurde zunächst anhand von kleinen Musterflächen erprobt. Hans Gradl, Technischer Berater bei Brillux, der dem Architekten, dem Bauherrn sowie dem Malerbetrieb von Projektbeginn an beratend zur Seite stand, hatte im nächsten Schritt die Aufgabe, die ermittelten Farbtöne nachzustellen und sie zu klassifizieren, um sie reproduzierbar zu machen.

„Bis nicht mehr nachgemischt werden musste und alle passenden Farbnuancen gefunden waren, war Detailarbeit gefragt“, erinnert sich Hans Gradl. So entwickelten Restaurator Adalbert Wiech und die Willi Bayer Architektur, Fürth, in enger Abstimmung mit der Denkmalbehörde und dem Bauherrn ein Gestaltungskonzept ganz im Sinne der historischen Farbgebung. Mit einem kräftigen Ziegelrot gibt das markante Eckgebäude an der Galvanistraße 14 nun den Ton an. Die benachbarte Galvanistraße 16 erhielt ein Beige mit hellem Grau. So wechseln sich helle Sandsteintöne mit kräftigeren, von Mauerziegeln abgeleiteten Farbtönen ab. Zur Hofseite wurden die Fassaden in unterschiedlichen, gedeckten Erdtönen gestrichen. Nach denkmalschutzrechtlichen Vorgaben erhielten die Häuser zudem Aluvorbau-Balkone. Zusammen mit der Neugestaltung der Grünanlagen sind die Innenhöfe ein schönes Beispiel für den Übergang in eine moderne Bauweise.

Fassadensanierung

Im Rahmen des Brillux Objektservice unterstützte der Technische Berater Hans Gradl den Architekten auch bei der Vorbereitung der Ausschreibung: Gemeinsam wurden die Beschichtungsaufbauten besprochen und Gradl legte die Systemaufbauten sowie die Mengen für die Leistungsverzeichnisse fest. Den Zuschlag für die Ausführung der Fassadensanierungen erhielt die Hertel Malerfachbetrieb GmbH aus Stein. Auch mit Malermeister Klaus Hertel traf sich Hans Gradl vor Ort an der Baustelle und erläuterte die geplanten Systemaufbauten. Da die vorhandenen Putze weitestgehend unbeschädigt waren, konnte direkt mit dem Beschichtungsaufbau begonnen werden. „Nur hier und da waren kleinere Bereiche nachzuputzen“, erinnert sich Gradl. „An diesen Stellen war es jedoch durchaus herausfordernd, die Nachbesserungen an die alte Putzstruktur anzupassen, damit ein homogenes Gesamtbild entsteht.“

Zum Grundieren und Festigen verwendeten die Maler auf sämtlichen Fassadenflächen Fondosil 1903. Wo es erforderlich war, führten die Maler mit dem Silikat-Streichfüller ELF 3639 eine rissverschlämmende und Struktur gebende Zwischenbeschichtung aus. Der Anstrich erfolgte im Systemaufbau mit der einkomponentigen und hochdeckenden Ultrasil HP 1901. Diese Silikat-Fassadenfarbe ist darüber hinaus aufgrund ihrer hohen Wasserdampfdiffusionsfähigkeit hervorragend für den Einsatz im Denkmalschutz geeignet. Durch die mineralischen Rohstoffe und die silikat-typischen, hydrophilen Eigenschaften erzeugt sie an der Fassadenoberfläche einen ausgeglichenen Wasserhaushalt und vermindert – ohne Zusatz von Bioziden – das Risiko von Algen- und Pilzbefall. Die über das Farbsystem gemischten unterschiedlichen Farbtöne standen dank des Brillux Lieferservice just in time auf den Baustellen zur Verfügung.

Metallene Bauteile

Im Zuge der Fassadensanierungen erhielten auch die metallenen Bauteile wie Fenster und Gesimsbleche neue Lackierungen. Der Großteil der eingebauten verzinkten Bauteile hatte zuvor eine Alkydharz-Beschichtung, die mit der Zeit jedoch abgeplatzt war. Nachdem sie diese Altlack-Reste sorgfältig entfernt hatten, sorgten die Maler mit dem 2K-Epoxi-Haftgrund zunächst für eine haftvermittelnde, rostpassivierende Grundierung. Mit 2K-PUR-Acryl Seidenglanzlack 5741 entstanden auf den Metallbauteilen besonders widerstandsfähige Lackierungen.

Weitere Fotos:
www.malerblatt.de

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