Marktübersicht

Langhalsschleifer: Über kurz oder lang

Im Wachstumssegment Trockenbau gehören Langhalsschleifer zu den wichtigsten Werkzeugen. Auch Maler setzen die Geräte vermehrt ein – der Trend zu glatten Oberflächen macht sich bemerkbar.

Josef Schneider

Vor genau 20 Jahren führte Flex als erster Elektrowerkzeughersteller in Europa den Langhalsschleifer ein. Unter dem Namen „Giraffe“ trat das Gerät seinen Siegeszug an. Die Vorteile des Werkzeugs sprachen sich schnell herum:

  • Wirtschaftlichkeit: Schneller Arbeitsfortschritt
  • Qualität: Hervorragende Oberflächenergebnisse
  • Gesundheits- und Umweltschutz: Absaugung der Stäube. Leichtes, rückenschonendes Arbeiten
  • Arbeitsschutz: Geringere Unfallgefahr, da Verzicht auf Leitern

Mittlerweile bieten andere renommierte Hersteller ebenfalls Langhalsschleifer an. Wenn auch das Grundprinzip der Geräte gleich ist, so gibt es doch konzeptionelle Unterschiede

Motor

Diese werden deutlich, wenn man sich die Antriebseinheit – den Motor – betrachtet. Der ist entweder

  • im Schleifkopf,
  • im Stiel oder
  • extern an einem Tragegurt untergebracht.

Mögliche Vor- und Nachteile

  • Motor im Schleifkopf.

Vorteil: Keine Welle die kaputtgehen kann. Kein Antriebsverlust. Einfachere Wartung. Nachteil: Gerät ist kopflastig = Gewichtsbalance.

  • Motor im Stiel.

Vorteil: Ausgewogenes Gewicht. Nachteil: Motor ist beim Schleifen nahe dem Ohr = subjektiv größerer Lärmpegel. Biegsame Welle als Verschleißteil.

  • Motor am Gurt/Gürtel.

Vorteil: Geringes Gewicht des Handstücks. Größerer Motor möglich (= Mehr Leistung). Nachteil: Zusätzliches Gerät am Körper. Eingeschränkte Bewegungsfreiheit. Biegsame Welle als Verschleißteil.

Gerätelänge

Langhalsschleifer sind rund 1,00 Meter lang. Je nach Körpergröße lassen sich damit Räume bis 2,80 Metern Höhe bequem bearbeiten. Auch in engen Fluren kommt man damit klar. Wer höher hinaus möchte, kann – falls vorhanden – den Teleskopstiel ausziehen oder sich eine Verlängerung anschaffen. Die sind in der Regel rund 50 Zentimeter lang.

Schleifkopf

Auch die Schleifköpfe unterscheiden sich. Dies wird unter anderem deutlich in der Abdichtung zum Untergrund, die entweder über

  • eine Bürste,
  • einen Kunststoffschlauch oder
  • eine Gleitfläche aus Kunststoff erfolgt.

Dabei handelt es sich um Verschleißteile, die nach einer gewissen Zeit auszutauschen sind. Um randnah schleifen zu können, kann der Anwender am Schleifkopf entweder

  • eine Kappe entfernen/hochklappen
  • oder aber der Schleifteller ist von vornherein an einer Seite abgeflacht und offen.

Mögliche Vor- und Nachteile:

  • Kappe. Vorteil: Geschlossenes System beim Flächenschliff. Nachteil: Kappe kann verloren gehen.
  • Offener Schleifteller. Vorteil: Einfachere Handhabung. Kein Umrüsten. Nachteil: Möglicher Staubaustritt.

Die Befestigung des Schleifkopfes am Gerätestiel entscheidet über dessen Beweglichkeit und Flexibilität.

Folgende Konstruktionen haben sich durchgesetzt:

  • Kardanische Aufhängung über Kreuzgelenk
  • Klappmechanik
  • Federmechanik

Schließlich können auch noch die Schleifteller unterschieden werden. Es gibt weiche Schleifteller zum Schleifen von weichen Spachtelmassen, beispielsweise Airlessspachtel. Die etwas härteren Schleifteller sind hingegen für harte, konventionelle Spachtelmassen geeignet.

Absaugung

„Ich empfehle grundsätzlich die Verwendung eines Staubsaugers der Staubklasse M – idealerweise mit einer automatischen Abreinigung und mit entsprechenden Filtersäcken“, erklärt uns Ralf Keppler, Fachberater bei Rokamat. Angeboten werden oft komplette Systeme, bestehend aus Langhalsschleifer und Absauganlage. Die sind aufeinander abgestimmt. Luft- und Staubführung sind optimiert. „Rund 50 Prozent unserer Geräte werden als Gesamtsystem – mit Absauganlage – verkauft“, verrät uns ein Hersteller.

Vor dem Kauf einer Absauganlage kann der Unternehmer bei der BG Bau Zuschüsse beantragen. Auch einige der Langhalsschleifer werden bezuschusst. Nachfragen bei der BG Bau lohnt sich.

Ansaugeffekt

Prinzipiell saugen sich alle Langhalsschleifer am Untergrund fest. Einige Geräte bieten die Möglichkeit, den Luftstrom – und damit die Ansaugkraft – zu regulieren. Diese hängt auch von der Beschaffenheit des Untergrundes ab. Der Schleifteller sollte sich trotz Ansaugung frei und leicht bewegen lassen. Der optimale Ansaugeffekt ist daher praktisch und individuell ermittelbar.

Schleifmittel

„Spachteln ist eine Auftragstechnik, keine Abtragtechnik“, sagt Ralf Paertmann, Schulungsleiter bei Flex. Wurde schlecht gespachtelt, lässt sich das beim Schleifen – wenn überhaupt – nur mit großem Aufwand ausgleichen. Das ist aber nicht der Sinn des Schleifens. Beim Schleifen geht es vielmehr darum, die Spachtelfläche zu glätten. Welches Schleifmittel dafür am besten geeignet ist, hängt von vielen Faktoren ab:

  • Untergrund
  • Verwendete Spachtelmasse
  • Geforderte Oberflächenqualität

Im Trockenbau haben sich Schleifpapiere der Körnung K80 bis K120 durchgesetzt. Bei Q4-Spachtelung kommen feine Körnungen bis K220 zum Einsatz. Einige Hersteller schwören auf Schleifpads oder Schleifgitter. Folgende Schleifmittel finden Verwendung:

  • Schleifpapier (K40 bis K150)
  • Perforierte Schleifpads mit Klett (K40 bis K220)
  • Schleifgitter mit Klett (K80 bis K220)

Kaufempfehlung

Langhalsschleifer sollte man nicht nur auf Basis technischer Daten oder des Preises auswählen. Besser ist es, die eigenen Mitarbeiter in die Kaufentscheidung mit einzubeziehen. Wer hat welche Erfahrungen gemacht?

Es empfiehlt sich, die Geräte vor Ort zu testen. Die Abstimmung auf Untergrund und Spachtelmasse ist extrem wichtig. Wertvolle Tipps geben auch die Fachberater der Hersteller. Von uns gibt es nur eine Kaufempfehlung: Keine Billigmarken aus dem Internet!

Auf Malerblatt-Wissen finden Sie in der Rubrik „Werkzeuge & Geräte“ eine aktuelle Marktübersicht von Langhalsschleifern für den professionellen Anwender. Folgende Hersteller sind darin berücksichtigt: Eibenstock, Festool, Flex, Metabo, Mirka, Rokamat.

www.malerblatt-wissen.de