Gebäudehülle & Innenraum

Nachhaltige Neuausrichtung

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Hannes Herbsthofer und das Herbsthofer-Team
Hannes Herbsthofer führt seit 37 Jahren selbstständig einen Malerbetrieb in Kaindorf, Österreich. Sein klimaneutraler Betrieb hat zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen erhalten. Wir sprachen mit ihm über die Positionierung als nachhaltiges Unternehmen.

Autor: Martin Mansel | Fotos: Herbsthofer

Herr Herbsthofer, seit 2007 haben Sie Ihren Betrieb nach rein ökologischen Gesichtspunkten ausgerichtet. Warum setzen Sie als Malerbetrieb auf Öko?

Hannes Herbsthofer: Mir war nicht erst seit 2006 klar, dass für einen mittelständischen Betrieb (20 bis 30 Mitarbeiter) die Luft immer dünner wird. Für Großbaustellen waren meine Arbeiter zu genau und gewissenhaft, andererseits hatten wir doch wesentlich höhere Gemeinkosten als die benachbarten Kleinbetriebe. Die Preisspirale ging bereits trotz ständig steigender Kosten kontinuierlich nach unten. Eine Veränderung war unausweichlich. Dass diese Veränderung eine ökologische, nachhaltige Neuausrichtung gebracht hat, war damals eher eine spontane, emotionale Reaktion von mir, als eine von langer Hand vorbereitete. Ohne professionelle Begleitung würde ich heute so eine radikale Neupositionierung niemand empfehlen, das könnte auch in die Hose gehen. Es wäre fatal hier in die Nachhaltigkeitsfalle zu tappen.

Mittlerweile kann ich bereits auf über 12 Jahre Erfahrung als ökologischer Nischenanbieter zurückblicken und ich bereue keinen Tag, diese für meinen Betrieb so wichtigen Schritte 2007 gesetzt zu haben. Wir betreuen heute mit über 30 Mitarbeitern ausschließlich Privatkunden in Direktvergabe und wickeln so jährlich ca. 650 Baustellen ab. Die Auslastung und der Umsatz steigen von Jahr zu Jahr, obwohl wir unser Angebot immer weiter einschränken.

Sie arbeiten nicht nur mit ökologischen Materialien, sondern haben Ihren Betrieb auch klimaneutral aufgestellt. Welche Maßnahmen haben Sie dafür umgesetzt?

Am Energiesektor haben wir zuerst der Ölheizung den Hahn abgedreht und auf Biomasse-Nahwärme umgestellt. Unser Werkstattdach haben wir mit Photovoltaik-Anlagen zugepflastert um unseren Strombedarf zu einem Großteil selbst zu decken. Im Mobilitätsbereich hatten wir auf Pflanzenölantrieb und E-Mobilität gesetzt. Diese aber mit wenig Erfolg. Einschneidend war die Reduktion unseres betrieblichen Einsatzbereiches und die damit verbundene Reduktion der Fahrtstrecken.

Nachdem wir es geschafft hatten, innerhalb von zwei Jahren alle klimarelevanten Emissionen unseres Betriebes um über 50 Prozent zu reduzieren, haben wir die restlichen Emissionen aus Wärme- und Energiebedarf des Betriebes, sowie alle Emissionen des Fuhrparks sowie der Wegstrecken meiner Mitarbeiter, auch diese vom Arbeitsplatz nach Hause und wieder retour, erhoben und mit hochwertigen Klimazertifikaten aus der ökologischen Landwirtschaft kompensiert. Diese Erhebung und Kompensation machen wir natürlich jedes Jahr, deshalb dürfen wir uns auch „klimaneutraler Betrieb“ nennen.

Authentizität spielt in diesem Bereich eine große Rolle. Wie vermitteln Sie (und Ihre Mitarbeiter) das?

Um dies dem Kunden zu vermitteln, bedarf es eines enormen Aufwands. Am Anfang steht eine ehrliche und ausgeklügelte Positionierung, die man mit Konsequenz und Konzentration verfolgen muss. Eine Strategieänderung im Betrieb muss von allen Mitarbeitern mitgetragen, verstanden und umgesetzt werden. Diese Umsetzung ist jedoch ohne professionelle Hilfe und ständige Coachings nicht zu bewerkstelligen. Da sind wir Unternehmer einfach überfordert und finden auch nicht die Zeit dafür. Aber auch hier führt eine klare Strategie und ständige gemeinsame Team-
arbeit zum Ziel.

Ihr Konzept bieten Sie mittlerweile
in Lizenz anderen Malerbetrieben, auch außerhalb Österreichs, an.
Wie funktioniert das?

Ich habe die Probleme, die sich einem Betrieb außerhalb der täglichen Arbeit stellen, zuvor schon beschrieben. Um all dies in den Griff zu bekommen und wirtschaftlich auf die Überholspur zu gelangen, haben wir unser Lizenzsystem für „atmende Wände“ – wir nennen dies Markenpartnerschaft – ins Leben gerufen, um unser erfolgreiches Betriebssystem auch anderen ökologisch orientierten Kollegen zur Verfügung zu stellen.

Dabei begleiten wir – also der Leitbetrieb Herbsthofer und unser externer Positionierungsexperte Ulbing Consulting – unsere Markenpartner ab der ersten Stunde in einem festgelegten System bei allen strategischen, marketingtechnischen und betriebsinternen, wirtschaftlichen Belangen. Von der Webseite über Social Media zum Briefpapier, von den Werbetafeln, Autobeschriftungen und PR-Berichten mit strategischen Texten spannt sich ein gemeinsames Corporate Design. Dafür haben wir auch zusätzliche Spezialisten mit an Bord, die für strategische Kommunikation zuständig sind und unsere Unternehmen bei der Identity-Entwicklung und Markenführung begleiten und beraten. Auch der Erfahrungsaustausch in der Gruppe ist hocheffizient. Dafür wird im Laufe des nächsten Jahres noch zusätzlich eine eigene App entwickelt, die jedem Mitarbeiter in den Betrieben Zugang zum vorhandenen Wissen und Möglichkeiten zu Problembehebungen gibt. Wer Informationen über unser erfolgreiches Markenpartner-Konzept haben möchte, kann diese gerne unter markenpartner@herbsthofer.com anfordern.

Wie schätzen sie die zukünftige
Entwicklung ein?

Es ist schwer erklärbar, warum Gipsputze, Glasgewebe in Dispersionskleber oder Gipskartonplatten mit Dispersionsfarben noch immer in rauen Mengen unsere Wohnungen verdichten. Ich glaube, wir stehen da kurz vor einer großen Wende. Wer sich vom Ausschreibungs-Unwesen und vom Sub-
unternehmertum verabschiedet und sich auf Privatkunden konzentriert, um diese wieder mit gesundem Raumklima und giftfreien Fassaden zu begeistern, der wird ein riesiges Betätigungsfeld vorfinden. Durch Hintergrundwissen und besonderes Können, eben Handwerk, heben wir uns von der Masse ab. Alle großen gesellschaftlichen Bestrebungen zeigen den Weg hin zu gesundem Wohnen, Cocooning, Klimaschutz, Ökologie und Nachhaltigkeit. Es braucht viel mehr Betriebe, die sich aktiv in diesem Bereich betätigen. Der Kunde sucht nicht das Billigste. Er sucht das Beste für sein investiertes Geld. Das haben viele Unternehmen leider noch nicht begriffen.

Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass wir mit diesen Schritten dazu beitragen, eine Zukunft für unsere Kinder, Enkelkinder und unseren Planeten zu schaffen. Gerade in unserem Gewerbe können wir ökologisch und nachhaltig Zeichen setzen. Wir leisten damit einen Beitrag für eine lebenswertere Welt!

Weitere Informationen:
www.herbsthofer.com


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