Gebäudehülle & Innenraum

Ökologischer Trockenbau

Sowohl bei Neubauten als auch bei Umbauten steigt die Nachfrage nach ökologischen Baustoffen. Gleichzeitig werden rationelle Bauverfahren, wie etwa der Trockenbau, beim Bauen immer beliebter. Mit Lehmbauplatten lassen sich die Vorteile des Trockenbaus und ökologische Vorstellungen geschickt vereinen.

Susanne Sachsenmaier-Wahl

Bauen mit nachwachsenden Materialien boomt. Längst interessieren sich nicht mehr nur Restauratoren denkmalgeschützter Gebäude oder eingefleischte Ökofreaks für natürliche Baustoffe. Der Wunsch nach umweltschonendem Bauen und gesundem Wohnen hat auch dem Baustoff Lehm zu einer neuen Popularität verholfen. Inzwischen wird auch bei uns wieder mit Lehm gebaut, denn Lehm vereint viele Vorteile in sich.
Lehm gilt als ein gesundheitsverträglicher Baustoff. So kann Lehm relativ schnell Luftfeuchtigkeit aufnehmen und diese bei Bedarf wieder abgeben. Dadurch reguliert er die Feuchtigkeit der Raumluft und trägt somit zu einem gesunden Raumklima bei. Da Lehm keine Schadstoffe enthält, kann er das Raumklima nicht belasten. Auch in puncto Nachhaltigkeit setzt Lehm als Baustoff Zeichen. Lehm ist fast überall zu finden, lange Transportwege entfallen somit. Der Abbau ist einfach und die Verarbeitung erfolgt ohne den Zusatz von chemischen Stoffen. Außerdem benötigt er für seine Aufbereitung und Verarbeitung im Gegensatz zu anderen Baustoffen sehr wenig Energie und trägt somit kaum zur Umweltverschmutzung bei. Darüber hinaus ist ungebrannter Lehm wiederverwendbar. Lehm kann im Gegensatz zu manchen anderen Baustoffen deshalb niemals als Bauschutt die Umwelt belasten.
Nachteilig wirkte sich bislang allerdings die sehr aufwendige Verarbeitung von Lehm auf der Baustelle aus. Lange Trocknungszeiten, wie sie der Lehmbau üblicherweise mit sich bringt, sind in unserer schnelllebigen Zeit unerwünscht. Mit der Entwicklung von Lehmbauplatten hat sich hier einiges zum Positiven verändert. Mithilfe der Platten lässt sich Lehm relativ schnell und einfach – und insbesondere ohne hohen Feuchteein-trag – im Trockenbau-Verfahren in Verbindung mit Holz- oder Metallständerkonstruktionen nutzen, was ihm neue Anwendungsgebiete erschließt. Bei Umbauten, wenn ein Raum geteilt oder ein Dachgeschoss ausgebaut werden oder eine alte Wand eine neue Oberfläche erhalten soll, ist dies dank der Platten mit Lehm problemlos möglich. Doch auch bei der im modernen Neubau häufig üblichen Metallständerbauweise besteht mit Lehmbauplatten eine ökologische Alternative zu Gipskarton- oder Gipsfaserplatten.
Lehmbauplatten
Bei Lehmbauplatten handelt es sich um Trockenbauplatten für den Innenausbau mit einem, je nach Hersteller, unterschiedlich hohen Lehmanteil. Lehmbauplatten werden von verschiedenen Herstellern in unterschiedlichen Ausführungen angeboten. Hauptbestandteil ist Lehm bzw. Ton. Dieser wird entweder durch eine Schilfrohrmatte armiert oder durch Stroh-, Kokos- oder Holzfasern (Sägespäne) stabilisiert. Ferner können weitere pflanzliche oder mineralische Zuschläge (wie z.B. Vermiculit, Marmorgrieß, …) enthalten sein. Die Platten werden nicht wärmebehandelt, sodass die positiven Eigenschaften des Lehms in vollem Umfang erhalten bleiben.
Lehmbauplatten weisen sehr gute Schallschutzeigenschaften auf, was beim Einsatz als Ständerwand von enormem Vorteil ist. Des Weiteren wirken sie, wie andere Lehmbaustoffe auch, regulierend auf die Raumluftfeuchtigkeit und sind in der Lage, Wärme gleichmäßig aufzunehmen und sie langsam wieder abzugeben, sie also vorübergehend zu speichern. Ferner besitzen Lehmbauplatten die Fähigkeit, Geruch zu absorbieren und Strahlung abzuschirmen. Die Einstufung in die Baustoffklassen schwankt je nach Ausführung zwischen B1 (brennbar) und A1 (nicht brennbar), was von der Zusammensetzung der jeweiligen Platte abhängig ist.
Verarbeitung
Lehmbauplatten werden zur Beplankung von Ständerwänden, Decken und Vorsatzschalen verwendet. Die Platten werden, wie Gipskarton- oder Gipsfaserplatten auch, auf ein Metallständerwerk oder eine Holzrahmenkonstruktion mithilfe von Schrauben oder Nägeln montiert. Die Verlegung erfolgt, wie im Trockenbau üblich, im Verband. Die Platten können mit handelsüblichen Werkzeugen (Cuttermesser, Stichsäge, Handkreissäge, oszillierende Schneidegeräte …) zugeschnitten bzw. -gesägt werden. Häufig weisen die Stöße der Lehmbauplatten zur leichteren Verarbeitung Nut und Feder auf. Die Stöße können unmittelbar nach der Plattenbefestigung mit einem Jute-, Flachs- oder Glasfasergewebe armiert und mit einem Lehm-Feinputzmörtel verspachtelt werden. Abschließend kann die Lehmtrockenbauwand mit einem Lehmputz behandelt oder direkt mit Lehmfarbe beschichtet werden. Zu beachten ist, dass auf keinen Fall absperrende Endbeschichtungen eingesetzt werden, da sonst die positiven Eigenschaften der Lehmplatten nicht zum Tragen kommen können.
Blick in den Markt
Lehmbauplatten werden inzwischen von mehreren Herstellern angeboten und sie unterscheiden sich zum Teil stark, weshalb sich ein Vergleich lohnen kann, um die für die jeweilige Anwendung passende Platte zu finden. Die Lehmbauplatte von Biopan besteht aus Lehm und Vermiculit. Das Mineral verleiht der nicht brennbaren Platte (A1) ihre hohe strukturelle Stabilität und sorgt für ein verhältnismäßig geringes Gewicht von 12 kg/m2 bei einer Plattenstärke von 15 Millimetern. Die Biopan-Platte ist 1,25 Meter breit und 1,50 bzw. 2,50 Meter hoch. Die Lehmbauplatte von Claytec besteht aus Lehm, Schilfrohr und Jute sowie pflanzlichen und mineralischen Zuschlägen. Sie besitzt einen geringeren Lehmanteil als andere Lehmbauplatten und ein relativ geringes Gewicht, weshalb sie sich besonders leicht und schnell verarbeiten lässt. Die Platte der Baustoffklasse B1 ist 20 oder 25 Millimeter dick und 1,50 x 0,625 Meter groß. Conluto stellt seine Lehmbauplatte aus Lehm, Sand und Strohhäckseln her. Als Armierung ist auf beiden Seiten ein Glasfasergewebe in die Oberfläche eingebettet, was sie sehr fest und gut verarbeitbar macht. Sie besitzt einen sehr hohen Lehmanteil, wodurch die Platte einerseits schwerer als viele Konkurrenzprodukte wird, andererseits kommen die Vorteile von Lehm jedoch besonders gut zur Geltung. Die 1,00 x 0,625 Meter große Conluto-Platte ist in drei Dicken (16, 22 und 25 Millimeter) erhältlich und gehört der Baustoffklasse A1 an. Die cleboo-Lehmplatte von ecotec Naturfarben besteht aus Lehm bzw. Ton, Sand und speziellem Marmorgrieß. Als Armierung sind zusätzlich verfilzte, verrottungsfeste Kokosfasern eingearbeitet. Bei einer Größe von 0,90 x 0,45 Metern und einer Dicke von 14 Millimetern wiegt die cleboo-Platte nur 9 Kilogramm und ist ein Leichtgewicht auf dem Markt. Sie zeichnet sich dennoch durch eine relativ hohe Stabilität aus. Nach Aussage des Herstellers kann die cleboo-Lehmplatte stark gebogen werden, selbst Rundungen mit einem Radius von 30 Zentimetern seien herstellbar. Nach DIN 4102/2 ist die Platte unbrennbar. Die fermacell-Lehmbauplatte ist keine klassische Lehmbauplatte, sondern vielmehr eine Kombination aus Gipsfaserplatte und Lehmputz. Auf die 1,25 x 0,625 Meter große und 12,5 Millimeter dicke Gipsfaserplatte wurde ein Lehmfinish von 6 Millimetern appliziert. Die Platte ist wie eine Gipsfaserplatte zu verarbeiten, verfügt aber über die Vorteile von Lehmbaustoffen. Die Lemix-Lehmbauplatte besteht aus Lehm und Strohhäckseln und ist mit Glasgewebe armiert. Die 1,25 x 0,625 Meter große Platte ist in drei Dicken (14, 16 und 22 Millimeter) lieferbar und ist als nicht brennbar eingestuft (Baustoffklasse A1).
Neben den hier genannten Lehmbauplatten sind noch weitere Produkte auf dem Markt. Wer in den ökologischen Trockenbau einsteigen möchte, sollte sich daher vorab mit den Produkten, ihren Eigenschaften und ihrer Verarbeitung vertraut machen. Dann dürfte einer hohen Kundenzufriedenheit nichts mehr im Wege stehen.
Mithilfe von Platten lässt sich Lehm relativ schnell und einfach im Trockenbau-Verfahren einsetzen.

Praxisplus

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