Ökologisches Schimmel-Saniersystem

Ökologisch gegen Schimmel

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Neben Schimmelsanierplatten in 25 und 40 Millimetern Stärke umfasst das Schimmel-Saniersystem auch eine keilförmige Platte für einbindende Bauteile, eine extra dünne Laibungsplatte sowie Klebemörtel, Flächenspachtel, Armierungsgewebe und eine kapillaraktive, farbige Beschichtung als Oberflächen-Finish. Foto: Remmers
Schimmelpilzbefall auf Wandflächen ist nicht nur ein optisches Ärgernis, sondern stellt auch eine Gefahr für die Gesundheit dar. Um dem Schimmel zu Leibe zu rücken, werden jedoch häufig Methoden eingesetzt, die die Gesundheit der Bewohner und die Umwelt ebenfalls beeinträchtigen können. Ein ökologisches Schimmel-Saniersystem soll den Befall nun ganz bedenkenlos verhindern.

Autorin: Susanne Sachsenmaier-Wahl | Fotos: Remmers

Wer die Bekanntschaft mit dem ungebetenen Gast noch nicht gemacht hat, kann sich glücklich schätzen. Denn Schimmel, so ist auf der Homepage des Umweltbundesamtes zu lesen, stellt nach wie vor eines der häufigsten Probleme in Innenräumen dar.

Die Ursachen des Schimmelwachstums sind zumeist erhöhte Feuchtegehalte im jeweiligen Baustoff bzw. auf dessen Oberfläche. „Feuchte Wände“ können beispielsweise durch unzureichenden Schlagregenschutz oder aufsteigende Feuchtigkeit entstehen. Sehr häufig liegt die Ursache jedoch im ungenügenden Warmedämmstandard von Altbauten bei gleichzeitiger Verringerung der Luftwechselraten durch bauliche Veränderungen, etwa den Einbau neuer, dichter Fenster, ohne eine begleitende Verbesserung der Außenwanddämmung.

Die Luftfeuchtigkeit an der Wandoberfläche steigt, wodurch der Schimmelbefall begünstigt wird. Um dies zu verhindern, sollte ein Raum selbstverständlich regelmäßig gelüftet werden. Doch häufig ist das nicht ausreichend. Vielmehr ist darauf zu achten, dass an jeder Stelle eines Raumes der sogenannte „hygienische Mindestwärmeschutz“ erreicht wird. Das bedeutet, dass die relative Luftfeuchte nicht mehr als 70 Prozent und die Oberflächentemperatur mindestens 12,6 Grad Celsius betragen darf. Dies kann etwa mithilfe spezieller Schimmelsanierplatten erreicht werden. Umweltfreundliche Schimmel-Saniersysteme nehmen dabei einen immer größeren Stellenwert ein.

Perlite trifft Cellulose

Seit einiger Zeit ist beispielsweise ein Schimmel-Saniersystem auf dem Markt, dessen Platten aus einem innovativen Gemisch aus Perlite und Cellulose bestehen. Alle Bestandteile erfüllen laut Hersteller hohe ökologische Standards hinsichtlich gesundheitlich bedenklicher Emissionen und Inhaltsstoffe. Cellulose wird ohne großen Energieaufwand aus Altpapier recycelt und belastet Wasser und Boden kaum, da es für die Platten nicht gebleicht werden muss. Perlite ist rein mineralisch, kann jederzeit wiederverwertet werden und sorgt somit für eine positive Ökobilanz. Jens Engel, Produktmanager Bauten- und Fassadenschutz bei Remmers, dem Hersteller des ökologischen Schimmel-Saniersystems, erläutert die umweltfreundlichen Eigenschaften: „Die Platte besteht im Wesentlichen aus Perlite, einem Mineral, das nach dem Extrudieren wärmedämmende Eigenschaften und eine gute kapillare Leitfähigkeit aufweist, zum anderen aus Cellulosefasern, die direkt im Herstellwerk aus Altpapier gewonnen werden. Die Platten beinhalten keine Stoffe, die austreten könnten und in irgendeiner Weise Mensch und Umwelt gefährden können. Belegt wird dies durch das ECO-Label und den Blauen Engel.“

Hygrothermische Eigenschaften

Das Wirkprinzip des Systems ist nicht neu. „Das Wirkprinzip ist identisch mit dem von Calciumsilicat-Systemen,“ erklärt uns Jens Engel. „Die Oberflächentemperatur wird erhöht und das System ist in der Lage, ggf. anfallendes Kondensat im Querschnitt zwischenzuspeichern und in Verdunstungszeiten wieder abzugeben; Feuchtigkeit steht dem Schimmelpilzwachstum an der Oberfläche also nicht mehr zur Verfügung.“ Doch wo liegen dann die Vorteile des Systems gegenüber einem auf Calciumsilicat-Basis? „Der wesentliche technische Vorteil der Platten liegt darin, dass die Dämmleistung ca. 20 Prozent besser ist als bei Calciumsilicat. Wo heute standardmäßig 30 Millimeter starkes Calciumsilicat verwendet wird, kann alternativ mit 25 Millimetern Power Protect eco gearbeitet werden und anstelle von 50 Millimetern Calciumsilicat werden nur 40 Millimeter Power Protect eco benötigt.“

Doch nicht nur die technischen Eigenschaften der Platte seien überzeugend, fährt Jens Engel fort: „Darüber hinaus sind die Platten leichter zu verarbeiten als Calciumsilicatplatten – sowohl hinsichtlich des Zuschnitts, der einfach mit einem Cuttermesser erfolgen kann, als auch hinsichtlich der Klebe- und Spachtelarbeiten, da keine Gefahr besteht, dass die hier verwendeten pastösen Materialien „aufbrennen“. Insbesondere bei der Verklebung lassen sich Hohlräume dadurch wesentlich sicherer vermeiden als bei der Verklebung von Calciumsilicat.“

Ökologisches Schimmel-Saniersystem: die Verarbeitung

Das Einsatzgebiet für das ökologische Schimmel-Saniersystem ist vielfältig. „Im Prinzip kann das System auf alle mineralischen Untergründe aufgebracht werden. Von Schimmel befallene Untergründe sowie mürbe Kalk- und Gipsputze sollten immer entfernt und erneuert werden; dabei ist Gips zu vermeiden,“ führt Jens Engel aus. „Der Untergrund muss eben sein, sodass eine vollflächige Anbindung des Systems gewährleistet werden kann. Batzen- oder Punkt/Wulst-Verklebungen sind nicht zulässig.“ Stattdessen wird der Klebemörtel mit dem Zahnspachtel auf die Plattenrückseite aufgebracht. Bei unebenen Untergründen kann der Klebemörtel vorab auch zum Flächenausgleich bzw. zur Egalisierung der Wandfläche bis ca. 8 Millimeter verwendet werden. Die mit Klebemörtel versehenen Platten legt man an der Wand an und drückt sie fest.

Kreuzfugen sind bei der Plattenverlegung zu vermeiden.

Nach der Verlegung trägt man mithilfe der Zahnkelle den Spachtel- und Armierungsmörtel auf die Plattenoberseite auf. In den frischen Mörtel bettet man das Armierungsgewebe ein und zieht den Mörtel anschließend glatt. Jens Engel beschriebt seine Erfahrungen, was die Oberflächengüte anbelangt, wie folgt: „Mit dem rein mineralischen Armierungsspachtel lässt sich eine fein strukturierte Oberfläche entsprechend Q3-Qualität erzielen. Sollte eine Q4-Oberfläche gefordert sein, kann dies durch Aufbringen einer weiteren, schleifbaren Schicht erreicht werden.“

Der krönende Abschluss

Nun fehlt nur noch die Endbeschichtung. Wie diese idealerweise aussehen sollte, beschreibt Jens Engel so: „Im besten Falle wird das System nicht tapeziert, sondern mit einer kapillaroffenen Systemfarbe (Schimmelsanierfarbe), einer hydrophilen Silicatfarbe, gestrichen.“ Doch Jens Engel weiß selbstverständlich, dass die Realität anders aussieht, und ergänzt deshalb: „Da dies, insbesondere im sozialen Wohnungsbau, jedoch kaum dauerhaft zu gewährleisten ist, wurde das System so konzipiert, dass es auch beim Einsatz von Tapeten oder Dispersionsfarben nicht kollabiert. Da diese Gestaltungsmaßnahmen ihre dampfbremsende Wirkung in beide Richtungen, also aus dem System hinaus ebenso wie in das System hinein, gleichermaßen ausbilden, geht mit der verringerten Verdunstungsleistung auch immer eine Verringerung des Kondensatbildungspotenzials einher. Beide Mechanismen heben sich also sozusagen auf. Im schlimmsten Falle wirkt das System „nur noch“ so wie eine klassische Innendämmung mit Faserdämmstoff und Dampfbremse.“

Öko zum fairen Preis

Das klingt ja alles sehr vielversprechend. Wo bleibt der Haken an der Sache? Wir tippen auf einen höheren Preis, da ökologische Systeme ja gerne mal etwas hochpreisiger angeboten werden. Die Antwort von Jens Engel erstaunt: „Das Power Protect eco-System ist in aller Regel günstiger als ein gleichwertiges Calciumsilicat-System.“ Weil das auf den ersten Blick täuschen kann, ergänzt er: „Es müssen dabei Systeme mit gleicher Leistungsfähigkeit, also gleichem Dämmvermögen, verglichen werden: Calciumsilicat mit 30 Millimetern ist zu vergleichen mit Power Protect eco mit nur 25 Millimetern und 50 Millimeter Calciumsilicat sind zu vergleichen mit 40 Millimeter Power Protect eco.“

Weitere Informationen:
www.remmers.de/power-protect


Foto: Remmers
Foto: Remmers

Auf die Plattenrückseite wird der Klebemörtel mit dem Zahnspachtel aufgebracht. Dieser kann vorab auch zum Flächenausgleich bzw. zur Egalisierung der Wandfläche bis ca. 8 mm verwendet werden.


Foto: Remmers
Foto: Remmers

Die mit Klebemörtel versehenen Platten werden an der Wand angelegt und angedrückt. Bei der weiteren Verlegung sind Kreuzfugen zu vermeiden.


Nach der Plattenverlegung wird der Spachtel- und Armierungsmörtel mit der Zahnkelle auf die Plattenvorderseiten aufgezogen.


Das Armierungsgewebe wird mit dem Glätter
in senkrechten Bahnen faltenfrei in den Mörtel eingearbeitet. Dabei sollte man die einzelnen Bahnen mindestens 10 cm überlappen lassen.


Foto: Remmers

Zum Erstellen feiner, geschlossener und anstrichfähiger Oberflächen wird der Mörtel mit der Glättkelle abgezogen und ggf. nach dem Ansteifen nochmals abgerieben.


Foto: Remmers

Abschließend wird die Fläche mit einer kapillaroffenen Systemfarbe, etwa einer hydrophilen Silicatfarbe, im Wunschfarbton gestrichen.



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