Fugenloser Bodenbelag

Terrazzoähnliche Dekorböden

Terrazzo ist ein fugenloser Bodenbelag auf der Basis von Gesteinsbruch und einem Bindemittel. Die Herstellung eines traditionellen Terrazzobodens ist sehr aufwendig und damit teuer. Mithilfe moderner Werkstoffe lassen sich individuell geschliffene Dekorböden mit Terrazzocharakter schneller und damit günstiger herstellen.

Autorin: Susanne Sachsenmaier-Wahl | Fotos: Ardex

Bereits in der griechischen und römischen Antike galten Terrazzo-Böden als besonders elegant und haltbar. Diese Böden fanden nicht nur in noblen Villen, Landgütern und Stadthäusern Anwendung, sondern aufgrund ihrer hohen Strapazierfähigkeit auch in Militärgebäuden. In unseren Breiten wurde diese Handwerkskunst erst zu Beginn des vorigen Jahrhunderts populär. Terrazzi wurden in Villen und gehobene Bürgerhäuser eingebaut, doch auch in Treppenhäusern, Küchen oder Bädern war der fugenlose, strapazierfähige und leicht zu reinigende Belag beliebt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verdrängten zunehmend billigere, industriell hergestellte Produkte wie Keramikfliesen, Teppichböden und PVC-Beläge die Terrazzoböden aus dem Massenmarkt.

Seit einiger Zeit erleben Terrazzoböden zusammen mit anderen direkt nutzbaren Estrichen jedoch eine Renaissance. Fugenlose Böden erobern insbesondere die moderne, großzügige Architektur, die auf Reduktion und Materialismus setzt.

Aufwendige klassische Verarbeitung

Die Verarbeitung eines klassischen Terrazzos ist sehr aufwendig. Traditionell handelt es sich bei einem Terrazzo um ein Nassestrichsystem, dem aus optischen Gründen Natursteinstücke beigemischt werden. Dabei kann es sich um Marmor, Kalkstein oder Dolomit in unterschiedlichen Korngrößen handeln. Durch Abschleifen der Estrichoberfläche bleiben diese Gesteinszuschläge sichtbar und sorgen für die typische Optik des Terrazzos. Außer mit ihrer attraktiven Optik punkten Terrazzoböden aber mit praktischen Vorteilen. So sind die Böden sehr strapazier- und tragfähig, nehmen kaum Wasser auf und sind enorm langlebig.

Ein großer Nachteil eines klassischen Terrazzos ist dagegen seine aufwendige Verarbeitung. Dieser wird vor Ort flüssig eingebracht und anschließend mittels Walzen mehrfach verdichtet. Nach einer längeren Trocknungsdauer sind meist mehrere Abschleif-Durchgänge erforderlich, bevor der Boden schließlich poliert werden kann. Diese aufwendige Verarbeitung bringt auf immer schneller fertigzustellenden Baustellen nicht nur Zeitprobleme mit sich, sondern verursacht bei den heutigen Lohnkosten auch einen Quadratmeterpreis, den nicht jeder Bauherr aufzuwenden bereit ist.

Wirtschaftliches Bodensystem: Dekorbeläge, die Terrazzo ähneln

Mit modernen Systemen, die seit einiger Zeit angeboten werden, lassen sich terrazzoähnliche Dekorböden deutlich schneller und damit wirtschaftlicher einbringen. Im Vergleich zu herkömmlichen Terrazzoböden/-estrichen ermöglichen die modernen Systeme eine vergleichsweise schnelle und einfache Verarbeitung, da sie u.a. maschinell förderbar und pumpfähig sind und schneller abbinden. Nach dem Einbringen werden sie – ähnlich wie ein klassischer Terrazzo – mehrfach geschliffen, poliert und abschließend imprägniert. Vom Estrich bis zur fertigen Oberfläche in Terrazzooptik werden somit lediglich fünf Tage benötigt. Im Ergebnis bedeutet dies eine Zeitersparnis von bis zu sechs Wochen im Vergleich zu herkömmlichen Aufbauten. Diese Zeitersparnis macht die modernen Terrazzosysteme zu besonders wirtschaftlichen Lösungen. Flächenleistungen von ca. 120 Quadratmetern täglich sind möglich. Nach einer für Terrazzo revolutionär kurzen Trocknungszeit kann der Boden bereits 24 Stunden nach Einbau feingeschliffen werden. Ein speziell entwickelter Unterestrich ermöglicht, dass bereits einen Tag nach dem Einbau mit den eigentlichen Terrazzoarbeiten begonnen werden kann.

Ein Beispiel für ein modernes Terrazzosystem ist der geschliffene Design-Estrich „Pandomo TerrazzoPlus“, der vom Bauchemiehersteller Ardex angeboten wird. Das Produktsystem vereint die Vorteile des klassischen Terrazzobodens – wie Eleganz, extreme Beständigkeit und Langlebigkeit – mit einer hohen Wirtschaftlichkeit auf großen Flächen. Daneben bietet Ardex mit „Pandomo TerrazzoBasic“ ein Bodensystem an, das noch schneller – nämlich bereits nach vier Tagen – nutzbar ist. Das Material ist zudem äußerst spannungs-arm und geeignet für Warmwasser-Fußbodenheizungen. Im Verhältnis zum klassischen Terrazzoboden besticht dieses Bodensystem durch eine lebhaftere Struktur. Wo feinere Strukturen gewünscht sind, könnte „Pandomo TerrazzoMicro“ die richtige Wahl sein. Die Korngröße der Schmuckkörnung ist hier deutlich feiner; die Wirkung entsprechend homogener, ruhiger und vielleicht sogar einen Hauch edler. Die Akzentuierungen fallen dezenter aus, trotzdem bleibt der terrazzotypische Charakter erhalten.

Wir stellen zwei Objekte vor, in denen moderne Terrazzoböden verbaut sind.

Work Life Center in Hamburg

Leben und Arbeiten miteinander in Einklang bringen: Das ist das Konzept des Work Life Center (WLC) in Hamburg. Im ehemaligen Postgebäude in exponierter Lage zwischen Gorch-Fock-Wall und Dammtorwall ist ein attraktives Geschäftsgebäude entstanden. Die Fassade des Wilhelminischen Prachtbaus von 1883 blieb beim Umbau stehen. Im Mittelbau und der historischen Mittelhalle sind auf sieben Stockwerken verschiedene Gewerbeflächen entstanden. Wer das WLC besucht, betritt das Gebäude über die weiträumige Lobby. Für einen freundlichen Empfang mit großzügiger Optik sorgt die Bodengestaltung mit „Pandomo TerrazzoPlus“ von Ardex. Die zeitlos-eleganten Flächen – der Bauherr wählte einen grauen Terrazzoboden mit regionaler Natursteinkörnung – schaffen die perfekte Verbindung von Altem und Neuem. Sowohl die große Eingangshalle mit Galerie, die Treppenhäuser und die WC-Anlagen ist mit dem Terrazzoboden gestaltet. Insgesamt galt es, das Bodensystem auf einer Fläche von 1.600 Quadratmetern und 300 Winkelstufen aufzubringen.

Auf den Aufbau aus Noppenplatten, mineralischem Magermörtel oder mineralischer Haftschlämme, Gleitlager und Trittschalldämmung wurde die erste Estrichschicht aufgetragen. Auf diesem brachten die Handwerker die Haftgrundierung auf Epoxybasis auf. In dieser Haftgrundierung wurde Frisch in Frisch die Vorsatzschicht des Estrichterrazzos aufgetragen. Dabei konnten die ersten Schichten maschinell gepumpt werden. Die folgende Schicht wurde mit einem Zwangsmischer hergestellt. Nach dem Abbinden der Vorsatzschicht wurde der Boden in mehreren Arbeitsgängen bis zum Feinschliff geschliffen und imprägniert.

Restaurantgestaltung mit Terrazzo in Berlin

Im neuen Stadtquartier „Europacity“ entstand das sechsgeschossige Geschäftshaus „Am Hamburger Bahnhof“. Das Bürogebäude liegt im Osten Moabits, direkt am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal, der hier von 1945 bis 1990 die Sektorengrenze zwischen dem West- und Ostteil Berlins bildete. Das Geschäftshaus umfasst eine helle Gebäudehülle mit einer selbsttragenden, fugenlosen Sichtbetonfassade. Im Erdgeschoss war Gastronomie vorgesehen. In dem hellen und hohen Raum mit seinen bodentiefen Fenstern sorgte der Restaurantinhaber passend zur Umgebung für einen kontrastreichen Stil: warmes Holz und kalter Beton, an der Decke zylinderförmige Filzkörper, die eine angenehme Akustik gewährleisten, und glatter, weißer Terrazzo am Boden.

Die Bodenoberfläche in dem Restaurant ist mit dem „Pandomo TerrazzoBasic“ gestaltet. Die Wahl des Bodens fiel dem Restaurantbesitzer leicht, da dasselbe Material auch im Atrium des Geschäftshauses verlegt ist. Da das Atrium ebenfalls vom Restaurant genutzt wird, etwa für Großveranstaltungen am Wochenende, war es sinnvoll, in Restaurant und Atrium den gleichen Boden zu verlegen. Für das Bürogebäude am Hamburger Bahnhof wählten Bauherr und Restaurantbetreiber einen weißen Terrazzoboden mit Natursteinkörnung.

In den für die Bodenarbeiten zur Verfügung stehenden drei Wochen legten die Verarbeiter auf der gut 150 Quadratmeter großen Fläche die Trittschalldämmung aus, verlegten Trennschienen und Abschlussprofile und führten die Terrazzoarbeiten aus. Dass das gewählte Dekorbodensystem „Pandomo TerrazzoBasic“ für besonders schnelles, wirtschaftliches und kreatives Arbeiten geeignet ist, kam den Verarbeitern dabei zugute.



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