Technik & Werkstoffe

Alles aus einem Topf

Die Beschichtung von Kunststoffbauteilen ist mithilfe von wasserbasierten Polyurethanlacken einfacher denn je geworden. Meist reicht ein einziges Produkt für die Renovierung, bei der äußerst hochwertige Oberflächen erzielt werden. Und ganz nebenbei werden die Produkte allen gültigen Umwelt- und Gesundheits-richtlinien gerecht, was vor allem bei öffentlichen Objekten von Bedeutung ist.

Susanne Sachsenmaier-Wahl

Es kann so einfach sein: nur ein einziges Material reicht für alle Beschichtungsgänge auf Kunststoffuntergründen und darüber hinaus wird auch noch eine sehr hochwertige Oberfläche erzielt. Kein Wunder, dass Poly-urethanlacke (PUR-Lacke) die neuen Stars bei der Kunststoffbeschichtung sind. „Der enorme Vorteil liegt in der Direktbeschichtung alter Kunststoffflächen ohne vorherige Grundierung“, fasst Benjamin Wolf, Produktmanager bei Meffert, die positiven Eigenschaften der Lacke zusammen und erklärt: „Der Verarbeiter kann also mit einem einzigen Produkt ein altes, verwittertes und unansehnliches Kunststofffenster in neuem Glanz erstrahlen lassen.“ Das spart nicht nur Zeit, sondern vereinfacht auch die Arbeit enorm. Doch das sind längst nicht die einzigen Vorteile die PUR-Lacke haben. PUR-Lacke sind mechanisch und chemisch hoch belastbar, auch Handschweiß, Reinigungsmittel oder Lösemittel können ihnen nichts anhaben. Was bei Kunststofffenstern und -türen außerdem von Vorteil ist, ist ihre Weichmacherbeständigkeit, da eine Weichmacherwanderung aus den Dichtungsgummis (die selbstverständlich nicht überlackiert werden dürfen!) nicht auszuschließen ist. Optisch erfüllen PUR-Lacke ebenfalls höchste Ansprüche. Sie verfügen über einen guten Verlauf und ergeben dadurch sehr glatte Oberflächen. Durch ihre hohe UV- und Wetterbeständigkeit verfügen sie über eine lange Farbtonstabilität, außerdem neigen sie, etwa im Gegensatz zu Alkydharzlacken, nicht zum Vergilben. Ihre hohe Blockfestigkeit und die schnelle Trocknung lassen sie bei der Fenster- und Türenrenovierung zur ersten Wahl werden. Alle diese Eigenschaften, die von lösemittelbasierten PUR-Lacken bekannt sind, treffen auch auf die wasserbasierten Varianten zu. Dagmar Riefer von CD-Color fasst die Bedeutung der wasserbasierten Systeme folgendermaßen zusammen: „Das wasserverdünnbare 2K-System wurde speziell für die Beschichtung von mechanisch und chemisch stark beanspruchten Oberflächen im Innen- und Außenbereich entwickelt und ist damit die umweltschonende Alternative zu geruchsintensiven lösemittelbasierten 2K-Systemen, die aus öffentlichen Ausschreibungen immer öfter verbannt werden.“ Zu den Einsatzgebieten zählen deshalb beispielsweise Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten, aber auch der Privatbereich, da hier geruchsintensive Produkte von den Bauherren meist grundsätzlich abgelehnt werden.
Ein Produkt genügt
Doch wie lässt es sich erklären, dass eine Grundierung überflüssig ist? Von Rebecca Carl vom Lackhersteller Mipa erfahren wir, dass das hauseigene PUR-Produkt „Mipa PU 250“ so eingestellt ist, dass trotz harter und kratzfester Oberfläche dennoch eine hohe Flexibilität der Beschichtung gegeben ist, die eine Direkthaftung möglich macht. Bei CD-Color verweist man auf den hohen Bindemittelanteil von „CWS 2K DurTop Satin“, durch den eine sehr gute Haftung auf Kunststoff erzielt werden kann. Und Meffert macht die Härter-Zugabe und die daraus resultierende chemische Vernetzung bei „ProfiTec 2K Seidenmattlack P 326“ für die gute Haftung auf Kunststoff verantwortlich. Jansen schließlich setzt auf das Zusammenspiel eines speziellen Reinigers („SR-Plus“) und eines Haftpromoters bei „Jansen PUR-Plast“, das eine so gute Anhaftung am Untergrund schafft, dass eine Haftgrundierung nicht notwendig ist. Die Anwendung des Reinigers ist dabei äußerst simpel, wie Norbert Frenken, Anwendungstechniker bei Jansen, bestätigt: „Einfach den Reiniger in ein Tuch sprühen – nicht direkt auf den Kunststoff auftragen – und damit die Fläche abreiben.“
Grundsätzlich unterscheidet sich die Verarbeitung der wasserbasierten PUR-Lacke von der herkömmlicher Lacke nicht. Beim Einsatz auf Kunststoffuntergründen gelten die üblichen Untergrundprüfungen und -vorbereitungen, wie sie im BFS-Merkblatt Nr. 22 aufgeführt sind, sofern der Lackhersteller nicht explizit in seinen Empfehlungen davon abweicht. Jansen etwa „erlaubt“ den Verzicht auf die Netzmittelschaumwäsche, wenn statt dessen der Kunststoff mit mittlerer Körnung (240 bis 280) vorgeschliffen und anschließend mit dem speziellen Reiniger „SR Plus“ abgewaschen wird.
Wasserbasierte PUR-Lacke können im Streich-, Roll- und Spritzverfahren appliziert werden. Bei den zweikomponentigen Systemen, zu denen alle oben genannten Produkte, mit Ausnahme des einkomponentigen „Jansen PUR-Plast“, zählen, muss jedoch die Topfzeit, also die Zeit, in der das Produkt nach der Zugabe des Härters verarbeitet werden kann, beachtet werden. Nach der vom Hersteller angegebenen Topfzeit ist die chemische Reaktion zu weit fortgeschritten, um eine einwandfreie Verarbeitung zu gewährleisten.
Der Verarbeiter kann mit einem einzigen Produkt ein altes Kunststofffenster in neuem Glanz erstrahlen lassen.

praxisplus

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