Technik & Werkstoffe

Black is beautiful

Ist Schwarz die Trendfarbe schlechthin oder eher ein Dauerbrenner auf ästhetisch hohem, aber wirtschaftlich niedrigem Niveau? Sowohl als auch. Auf jeden Fall gilt: Schwarz ist ein Statement – an der Fassade, aber mehr noch im Innenraum.

Autor: Armin Scharf

Schwarz ist nicht einfach. Selbst Schlammbraun, Rosa oder Staubgrau polarisieren weniger als das, was theoretisch alles Licht schluckt. Theoretisch, denn praktisch reflektiert auch das schwärzeste Schwarz noch einen Bruchteil des auftreffenden Lichtes. Das derzeit schwärzeste Schwarz nennt sich „Vantablack“, wird vom britischen Unternehmen Surry NanoSystems hergestellt und schluckt 99,965 Prozent des sichtbaren Lichtes. Dieser Effekt beruht auf senkrecht stehenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen, zwischen denen das einfallende Licht beständig hin- und herreflektiert, also quasi gefangen wird.

Schwarz zum Verschwinden

Inzwischen bietet Surrey NanoSystems ein weiteres Material an, das weniger komplex in der Applikation ist. „VBx2“ wurde speziell für die großflächige Sprühapplikation konzipiert – etwa von Gebäuden. Wie befremdlich das Ergebnis ausfällt, zeigte der britische Architekt Asif Khan während der Winterolympiade 2018 in Südkorea an einem temporären Pavillon für Hyundai. Mit dem 99 Prozent absorbierenden „VBx2“ beschichtet, wurden die parabolischen Formen der Fassadenverkleidung optisch verschluckt. Der kubische Pavillon erschien so eher als Leerstelle in der Landschaft denn als Körper. Allein die integrierten kleinen Lichtpunkte ließen ähnlich wie die Sterne im All eine Räumlichkeit erahnen.

„VBx2“ verwendet laut Hersteller keine nanoskaligen Materialien, ist aber nicht dauerhaft abrasionsbeständig, eignet sich für Untergründe aus Beton, Metall, Holz, Kunststoff. Frei verkäuflich ist das Dispersions-Material derweil nicht, es unterliegt als Dual-Use-Werkstoff strengen britischen Exportbeschränkungen.

Mehr Farbe ins Schwarz

„Vantablack“ und seine auf ausschließliche Schwärze abzielenden Derivate sind aus gestalterischer Sicht allerdings eher uninteressant. Ein variantenreicheres Schwarz liegt hier klar im Vorteil, will heißen, der farbig unterlegte Schwarzton. Das freilich ist auch keine ganz neue Sache, schon vor Jahren wurde das farbige Schwarz als neuester Trend propagiert – hat sich jedoch nicht wirklich etablieren können. Gerade in Deutschland scheint Schwarz einen schweren Stand zu haben – Schwarzsehen ist zwar eine dem Deutschen gerne zugesprochene Charaktereigenschaft, allerdings überträgt sich dies nicht auf die Farbigkeit drinnen oder draußen. Schwarz ist noch immer eine Nische, wirtschaftlich betrachtet. Die schweizerische Farbenmanufaktur kt.color schätzt, dass rund vier Prozent der hergestellten Wandfarben dem Schwarzbereich entstammen, während bei Lacken die Quote bei rund 25 Prozent liegt. Qualitativ bestätigt dies Rainer Becker von Farrow&Ball: „In Großbritannien ist Schwarz im Interior eine etablierte Farbe und wird viel häufiger als hierzulande genutzt“. Aber, in den letzten Jahren werde Schwarz auch in Deutschland beliebter. Es sei eine ganz eigene Zielgruppe, die Schwarz als Statement nutzt, mal für einzelne Wandscheiben, mal für Decken. Auch Katrin Trautwein von kt.color bestätigt dies: „Erfahrungsgemäß werden unsere Schwarztöne für Wände in Bars, in Schlafzimmern und gelegentlich in Salons eingesetzt.“ Dabei habe Schwarz noch Anfang des 20. Jahrhunderts einen festen Platz in der Raumgestaltung gehabt – Schwarz sei damals aber sehr viel polychromer gewesen als heute.

Warum Schwarz nicht Schwarz ist

Der Grund: Damals basierten die Beschichtungen auf mineralischen Pigmenten, die je nach Abbaugebiet weitere Mineralien enthielten, die subtile Buntanteile einbrachten. Erst die heute industriell produzierten und verwendeten Rußpigmente brachten monochrome, nahezu vereinheitliche Schwarztöne auf den Markt.

Vielleicht aber kommt nun neuer Schwung in das Thema: Caparol präsentierte jüngst einen 16-teiligen Farbfächer, ausschließlich aus Schwarz bestehend. Doch die wenigen Nuancen haben es in sich, mal tendieren sie in Richtung Rot, Blau, Grün oder gar Gelb. Im ersten Moment nicht wirklich wahrnehmbar, zeigt sich erst im Vergleich mit neutralem Schwarz ein Buntanteil, der geheimnisvoll aus der dunklen Tiefe heraus leuchtet. Erst vom Fächer auf die große Fläche gebracht, wird die Überraschung perfekt. „Die Farbtöne weichen minimal voneinander ab“, erklärt Carmen Rubinacci vom Caparol Farbstudio, „und geben Räumen Tiefe, bringen Möbel und Accessoires besonders zur Geltung.“ So subtil die Unterschiede, so aufwendig war die Nuancierung der 16 Töne, die eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen Farbstudio und Coloristik erforderten. Letztlich war die Umsetzung nur dank neuer Rußpigmente machbar, die nun in den Abtönpasten stecken.

Ruß hier, Beinschwarz dort

Bei kt.color setzt man im Gegensatz zu den Ober-Ramstädtern auf deckkräftiges Elfenbeinschwarz, das man vornehmlich durch Verkohlung von Knochen unter Sauerstoffausschluss gewinnt. Und damit, so Trautwein, entfalte ein auf diesem Pigment basierendes Schwarz eher einen Materialcharakter mit dreidimensionaler Anmutung. So enthält jeder Vertreter der schweizerischen Schwarzreihe mindestens 50 Prozent Elfenbeinschwarz, der Rest besteht aus anderen mineralischen Pigmenten, die unter anderem den gewünschten Farbeffekt erzeugen. Ultramarintürkis ist ein solches Buntpigment, auch Rubinrot, Ultramarinblau oder Kobaltgrün gehören dazu.

Weitere Fotos:
www.malerblatt.de


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