Das verjüngte Gericht

Um das neobarocke Gerichtsgebäude in Düsseldorf in das Andreasquartier integrieren und nutzen zu können, bedurfte es einer Restaurierung und Sanierung.

Autorin: Dr. Alexandra Nyseth | Fotos: Falko Behr/Nüthen

Denkmalpflegerisch haben wir uns auf bestimmte Kernbereiche festgelegt, die öffentlich zugänglich sind“, erklärt Denkmalpfleger Matthias Berg. „Dazu gehören die Fassaden des Gebäudes und im Inneren der Eingangsbereich mit der großen Halle, die dahinterliegende große Verteilhalle, die Flure in der ersten, zweiten und dritten Etage – soweit sie öffentlich sichtbar sind – und die vier Nebentreppenhäuser. Dementsprechend sind auch diese Bereiche restauriert worden.

Nüthen Restaurierungen startete 2014 mit der Restaurierung: „Begonnen haben wir mit Teilen der Fassade“ erklärt Bauleiter Christian Gierke. Für Arbeiten an der Fassade nutzten die Restauratoren mineralische Farben und Lasuren. Der Putz an der Klosterfassade blieb erhalten und wurde partiell ergänzt. Sandra Meinholz, leitende Restauratorin: „Es gibt einen Bereich der Fassade an der Liefergasse, an dem das Gesims aus Beton gefertigt wurde. Hier erfolgte eine Betonsanierung mit anschließendem Anstrich mit Keim Concretal, auf den wir dann mit Naturschwämmen zwei weitere Farbtöne gestupft haben, um den Naturstein zu imitieren.“

Mit mineralischen Produkten …

„Der Zustand vor der Restaurierung innerhalb des Gebäudes war katastrophal: Es war dunkel und verschmutzt, zum Teil waren sogar Gipsplatten und Holzverkleidungen an die Wände genagelt“, erinnert sich Christian Gierke. „Unter den letzten Oberflächen entdeckten wir im Foyer den historischen Bestand der Farbfassungen, anhand derer wir in Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt die Musterflächen anlegten.“ Sandra Meinholz fügt hinzu: „Das Blau der geschossübergreifenden Wände des zweiten und dritten Obergeschosses lasierten wir mit einer verdünnten Sol-Silikatfarbe. Die historischen Farbbefunde wurden mit dem NCS-Farbsystem ermittelt und festgelegt.“

In alten Techniken restauriert

Im ersten, zweiten und dritten Obergeschoss rekonstruierten die Restauratoren die historische Steinimitationsmalerei mit einer Stupf-Wickeltechnik. „Mit einem festen Nesseltuch haben wir den ersten Farbton gewickelt, anschließend wurde der zweite Farbton mit einem Naturschwamm gestupft“, erklärt Gierke.

Das Schablonieren fand in der Deckenbemalung der Treppenhäuser großflächig Anwendung. Die Restauratoren rekonstruierten die Malereien in Form und Farbe nach historischem Befund. Anhand dieser Befunde fertigten sie mehrschlägige Schablonen an, mit deren Hilfe sie die unterschiedlichen Farben aufstupften. „Hier arbeiteten die Restauratoren über Kopf ganz oben im Treppenhauskopf“, erklärt Gierke. An den Decken in einem Verbindungstrakt, in dem sich heute die Rezeption eines Hotels befindet, waren noch Restbestände der historischen Gestaltung vorhanden, die mit Reversil ergänzt wurden.

Zu den weiteren Restaurierungsarbeiten im Innenbereich, die sich von Januar 2017 bis Oktober desselben Jahres erstreckten, zählten auch die Freilegung und der Neuanstrich der Stuckdecken sowie die Kunststeinrestaurierung und -reinigung im Bereich der Treppen und der Sockel.

Überzeugungsarbeit

„Durch das Zusammenspiel des dunkelblauen Anstrichs mit den steinimitierend gestalteten Wänden sowie den Architekturelementen Säulen und Sockel aus Naturstein und Kunststein ergibt sich eine feierliche, aber auch eine expressive Farbigkeit“, resümiert Matthias Berg und erklärt weiter: „Es hat gegenüber Architekt und Investor viel Überzeugungsarbeit gekostet, die blaue Farbe wieder zu rekonstruieren, denn beide waren für eine grauweiße Lösung.“ Die Fassade zur Straßenseite blieb unverändert, die zu den übrigen Seiten weitgehend erhalten.

Gelungene Integration

Nach der sorgsamen Restaurierung und der gelungenen Umnutzung des denkmalgeschützten Gebäudes ist die Eingangshalle des Altbaus heute mit Gastronomie für die Öffentlichkeit zugänglich. Büros, Wohnungen, ein Tagungs- und Seminarzentrum sowie Apartments eines Hotels befinden sich in den weiteren Teilen des Gebäudes.

Mehr zu diesem Gerichtsgebäude:
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Verwendete Produkte

Keim Reversil

Keim Optil

Keim Soliprim

Keim Concretal

Keim Soldalit