Technik & Werkstoffe

Effektiv bekämpfen

Um verbleibende Reste von Pilzsporen oder Algen zu entfernen, werden häufig wässrige Mikrobiozid-Lösungen eingesetzt. Mit einem Kombinations- produkt, das gleichzeitig als verfestigende Grundierung dient, entsteht eine neue Möglichkeit zur rationellen Untergrundvorbereitung.

Alfred Lohmann, Caparol

Seit einigen Jahren sind Maler und Stuckateure zunehmend gefordert, wenn es um algen- oder pilzbefallene Flächen im Innen- und Außenbereich geht. Die Ursachen für den vermehrten Befall sind vielfältig und auch rechtlich für den Verarbeiter relevant. Deshalb muss das Handwerk bei der Vorbehandlung solcher Untergründe sehr gewissenhaft vorgehen und hochwertige Produkte einsetzen.
Algen und Pilze an der Fassade
Der Befall einer Fassade zeigt sich durch eine Vergrünung oder Vergrauung der Oberfläche, die wie eine Verschmutzung wirkt. Ursache hierfür ist biologischer Befall durch Algen und Pilze. Beide Organismen benötigen übers Jahr eine erhöhte Feuchtigkeit. Außerdem sind für Pilzbefall organische Partikel notwendig, die z.B. als Staubablagerung von pflanzlichen Pollen oder Düngemitteln herrühren.
Der Eigentümer einer in Mitleidenschaft gezogenen Fassade erwartet vom Handwerker fachlichen Rat zur Beseitigung des Problems. Außerdem muss der Verarbeiter auch die rechtliche Seite kennen. Denn er hat nach der Änderung des Schuldrechts nicht nur das bestellte Werk nach den Regeln der Technik auszuführen, sondern schuldet dem Kunden auch ein Erfolgssoll. Insoweit muss der Verarbeiter beim Thema Algen- und Pilzbildung stets über den Stand der Technik unterrichtet sein und Kunden verständlich darüber informieren können. Das schließt einen Hinweis über Grenzen der Ausführung (temporärer Schutz bei Beschichtungsmaßnahmen) ein, sofern keine bauliche Abhilfe möglich ist.
Bei Beschichtungsmaßnahmen können zum jetzigen Zeitpunkt nur hochwertige, mit Wirkstoffen zur temporären Vermeidung eines erneuten Befalls ausgerüstete Fassadenfarben empfohlen werden. Bewährte Werkstoffe bieten die notwendige Sicherheit, während Alternativen, für die es keine Langzeiterfahrung gibt, für das Handwerk ein erhöhtes Gewährleistungsrisiko bedeuten.
Schimmelpilze im Innenraum
Schimmelbefall in Innenräumen stellt für Bewohner ein gesundheitliches Risiko dar. Gerade immunschwächere ältere Menschen und Kinder können sich eine Infektion der Atemwege zuziehen und an Asthma erkranken. Deshalb muss bei Schimmel sofort reagiert werden. Auch Schimmelbefall in Innenräumen setzt erhöhte Feuchtigkeit und organische Verschmutzungen voraus. Staubablagerungen an Flächen sind immer vorhanden, so dass der Feuchtevermeidung entscheidende Bedeutung zukommt. Gerade bautechnische Gegebenheiten wie etwa schlechte Wärmedämmung der Außenwände, undichte Rohrleitungen, aufsteigende Feuchtigkeit, aber auch unzureichende Lüftung oder Beheizung der Räume führen zu erhöhter Feuchtebelastung an den Oberflächen. Diese Mängel sollten vor einer Sanierung erkannt und abgestellt werden. Ist das nicht möglich, haben sich wirkstoffhaltige Produkte bewährt.
Vorbehandlung
Bei der Untergrundvorbehandlung befallener Flächen ist sehr sorgfältig vorzugehen. Der Befall wird zuerst gründlich mit geeigneten Mitteln entfernt. Im Außenbereich hat sich eine Druckwasserreinigung bewährt. Im Innenraum empfiehlt sich gewissenhaftes Abwaschen mit einer Bürste oder einem Schwamm. Gerade hier ist darauf zu achten, dass möglichst wenig Sporen in die Raumluft gelangen. Außerdem sollte der Verarbeiter eine Staubmaske tragen, um selber keine Sporen einzuatmen.
Wässrige Biozid-Lösung
Zur Unterstützung der Nassreinigung ist es wichtig, verbleibende Reste von Pilzsporen oder Algen zu entfernen. Dazu können beispielsweise wässrige Mikrobiozid-Lösungen eingesetzt werden. Diese Produkte sind mit einem Wirkstoff ausgerüstet, der auch für Deodorants und zur Konservierung anderer kosmetischer Produkte zugelassen ist. Auf Grund seiner Tensideigenschaften verbleibt der Wirkstoff in der obersten Erdschicht. Dort ist er unwirksam und wird biologisch abgebaut. Eine nachhaltige Beeinträchtigung des Erdreiches oder des Grundwassers ist daher nicht zu befürchten.
Die Biozidlösung wird mit der Bürste auf die getrocknete Fläche unverdünnt aufgetragen und nicht nachgewaschen. Am nächsten Tag können Außen- oder Innenprodukte aufgetragen werden.
Kombinationslösung
Häufig benötigen vorbereitete Untergründe vor der Beschichtung eine verfestigende bzw. egalisierende transparente Grundierung. Dies erforderte bisher einen weiteren Arbeitsgang, der aus Kostengründen oft nicht honoriert wird. Eine Kombination aus dem Wirkstoff, der in wässrigen Biozid-Lösungen zum Einsatz kommt, und einer transparenten, gut eindringenden und verfestigenden wässrigen Grundierung bedeutet eine rationellere Vorgehensweise. Denn beide Untergrundvorbehandlungen können in einem Arbeitsgang ausgeführt werden.
Gerade zur Desinfektion der Oberfläche empfiehlt es sich, die Kombinationslösung nach der Reinigung unverdünnt mit der Bürste zu verarbeiten. Dabei dringt das Produkt sicher in den Untergrund ein, wodurch sich die verfestigende Wirkung erhöht. Das Produkt darf nach der Trocknung keinen glänzenden Film ergeben.
Eine Verarbeitung mit dem Airless-Gerät ist aus zweierlei Gründen nicht möglich. Zum einen könnten die dabei entstehenden Aerosole eingeatmet werden. Zum anderen ergibt das Spritzverfahren keine zufriedenstellende grundierende Wirkung.
Wässrige Mikrobiozidlösungen und Kombinationslösungen aus verfestigender Grundierung und einem Biozid-Wirkstoff sind für die Vorbehandlung von algen- und pilzbefallenen Flächen gleichermaßen geeignet. Dabei stellt das breite Spektrum des Wirkstoffes in beiden Produkten eine hohe Sicherheit dar, denn er bekämpft eine Vielzahl unterschiedlichster Pilz- und Algenarten. Eine zusätzliche Untersuchung der vorhandenen Art ist deshalb nicht notwendig. Das erspart dem Auftraggeber weitere Kosten.
Die richtige Wahl
Für den Verarbeiter ergeben sich jetzt zwei Möglichkeiten. Wird neben der Reinigung von organischem Befall eine transparente, wässrige Grundierung nötig, ist die Kombinationslösung die rationelle Variante. Bei Untergründen, die wenig oder nicht saugend sind, wie etwa intakte, schwach saugende Altbeschichtungen wird richtigerweise mit der Biozidlösung vorbehandelt.

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