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Technik & Werkstoffe

Fassade reformiert

Am Beispiel eines denkmalgeschützten Mehrfamilienhauses in Leipzig erläutern die Autoren, welche Aspekte es bei der Sanierung zu beachten gilt.

Foto: Baumit/Müller

Um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20 Jahrhundert wurden in Leipzig infolge des Bevölkerungswachstums eine Vielzahl neuer Wohnquartiere und Wohnhäuser erbaut. In dieser Zeit entstand 1909 auch das Gebäude in der Hahnemannstraße 7. Stilistisch zeigt das Objekt mit dekorativ geschwungenen Linien sowie flächenhaften floralen Ornamenten und der Aufnahme von Symmetrien Elemente des späteren Jugendstils, wenn auch nicht in Reinform ausgebildet.

Vielmehr lassen sich an dem Haus auch Anklänge an den später einsetzenden aber sich parallel zum Jugendstil entwickelnden Reformstil erkennen. Hier sind reduzierte Formen und rustizierte Oberflächen unter Verwendung traditioneller Materialien und Merkmale erkennbar. Beide Stilrichtungen vereint die Abkehr von den historischen Bauformen und die intensive Suche nach neuen dekorativen Gestaltungsmöglichkeiten, die sich an dem Gebäude durchaus erkennbar wiederfinden lassen.


v. l. Nina Donath, Objektberaterin Baumit GmbH, Thomas Forßbohm, Matthias Forßbohm, Constance Brade, Anwendungstechnikerin Baumit GmbH.

Forßbohm & Söhne Bauunternehmen GmbH in Markkleeberg erhielt für die Arbeiten am Mehrfamilienhaus Hahnemannstraße 7 in Leipzig den 3. Preis – Denkmalpflegepreis 2018.  Der Denkmalpflegepreis 2018 wurde im Rahmen der „denkmal – Europäische Messe für Denkmalpflege, Restaurierung und Altbausanierung“ am  9. November 2018 verliehen. Gewürdigt werden herausragende denkmalpflegerische Leistungen von Handwerksunternehmen aus dem Kammerbezirk Leipzig.


Zu berücksichtigende Faktoren

Bei der Restaurierung, Renovierung und Rekonstruktion von Baudenkmälern sowie der Sanierung besonders erhaltenswerter historischer Objekte muss dem aktuellen Zustand des Bauwerkes und den zukünftigen Nutzungsanforderungen Rechnung getragen werden. Die vorhandene Salz- und Feuchtebelastung sowie Schädigung durch Alterungs-, Umwelt- und Nutzungseinflüsse sind zu beachten und erfordern bei der Neukonzipierung ausreichend Berücksichtigung und Aufmerksamkeit. Daher sind vor Beginn der Arbeiten am Objekt die wesentlichen Aspekte und die Zielstellung der Sanierungsarbeiten mit allen Beteiligten gemeinsam zu klären, u. a. die Fragen:

  • welche Maßnahmen zur Beherrschung der bauwerksbedingten Schäden und für eine thermische Ertüchtigung notwendig und zulässig sind
  • welches äußere Erscheinungsbild das Gebäude erhalten soll, welche Putzstruktur (etwa bei unterschiedlichen Befunden) die Fassade erhalten soll
  • ob die im Bestand verwendeten Baustoffe nachempfunden und mit heutigen Möglichkeiten nachgestellt werden sollen
  • ob die im Rahmen von begleitenden Untersuchungen festgestellten Bindemittel im neuen Produkt einsetzbar sind
  • welche Änderungen bzw. Abweichungen erforderlich und zulässig sind

Standardprogramm oder nachgestellt

Allen Beteiligten sollte bewusst sein, dass sich die ursprüngliche Zusammensetzung des Altputzbestandes im Laufe von Jahrzehnten als Folge von Witterungs- und Umwelteinflüssen verändert. Grundsätzlich lassen aber die Mörtelanalyse, das Zeitfenster der Ausführung und der Zustand des zur Untersuchung entnommenen Altmörtels unter Berücksichtigung seiner Lage am Objekt – einschließlich der Einflüsse bei der Probenentnahme – Rückschlüsse auf seine ursprüngliche Zusammensetzung zu.

Mit der richtigen Zielstellung vor Augen, Sach- und Fachverstand und einer großen Portion gesundem Menschenverstand ist es möglich, sowohl Produkte aus dem Standardprogramm, als auch gesondert nachgestellte Produkte – unabhängig davon, ob es sich um Mauer-, Fugen- oder Putzmörtel handelt – am Objekt zu kombinieren und einzusetzen. So kann man das gleiche optische Erscheinungsbild, wie der bauzeitliche Befund zeigt, erzielen. Neben einem entsprechenden Materialkonzept spielt dabei natürlich die Handwerkstechnik und das handwerkliche Geschick der Ausführenden eine entscheidende Rolle.

Wie sieht es mit den Kosten aus?

Auch hier muss allen Beteiligten bewusst sein, dass bei einer Nachstellung des Materials sowohl der nachgestellte Putzmörtel als auch die Ausführung von Putzmörteln in traditioneller Handwerkstechnik einen höheren Aufwand nach sich ziehen. Nur gemeinsam mit dem Auftraggeber, dem Fachplaner und dem ausführenden Fachunternehmen ist der Kostenrahmen festzulegen und zu wahren.

Zu guter Letzt darf auch der technische Aspekt der auszuführenden Maßnahmen nicht außer Acht gelassen werden. Auftraggeber und Bauherr können erwarten, dass auch eine „historische Sanierung“ weitgehend dauerhaft ist. Beim Einsatz von Ersatzmörteln dürfen diese nur so weit vom Befund abweichen, wie es zur Beherrschung der Bauwerksschäden unbedingt erforderlich ist.

Neben den statischen und bauphysikalischen Betrachtungen des zu sanierenden Gebäudes erfordert die Sanierung des Mauerwerks mit dem Aspekt der ästhetischen Gestaltung eine nähere Betrachtung und Analyse des Gebäudezustandes.

Der vorgefundene Putzgrund erzählt nach der Entfernung des Altputzes von seiner oft wechselvollen Geschichte. Schaut man genau hin, wird man – angefangen von der Erbauungszeit über vielfältige Veränderungen und Umbauten – die in diesen Zeiten und den in der Gegend verfügbaren Baustoffe und Verfahren erkennen.

Schäden am Mauerwerk, beispielsweise durch Feuchtigkeit und bauschädliche Salze, biologischen Befall und Risse im Putz und manchmal im Mauerwerk, zeugen von der Beanspruchung des Objektes. Ob hier ein grundsätzlicher Baufehler schadensauslösend war, nur der Zahn der Zeit genagt hat oder ob gut gemeinte Überarbeitungsversuche mit den falschen Materialien zum derzeitigen Zustand beigetragen haben, dass Sanierungsbedarf besteht.

Im Rahmen der Sanierung des Objektes Hahnemannstraße wurden an der Straßenfassade die oben beschriebenen Merkmalen des Jugend- und Reformstils wiederhergestellt. Insgesamt konnten große Bereiche des bestehenden und tragfähigen Putzes an der Fassade erhalten und nur dünnschichtig mit einem geeigneten Fassadenrenovierungsmörtel überarbeitet werden. Florale Elemente und Strukturen wurden – je nach Erhaltungsgrad – erneuert oder ausgebessert. Die Strukturflächen an der Fassade erstellte man als Leierputz mit überlieferten Handwerkstechniken und mit nachgestellten Putzmörteln entsprechend vorheriger Befunduntersuchung und Bemusterung. Im Sockelbereich wurden die für Leipzig so typischen Steinputzflächen nachgestellt. Steinputze erreichen – ähnlich wie Beton – sehr hohe Festigkeiten. Üblicherweise werden die Flächen durch steinmetzartige Bearbeitung nach der Erhärtung scharriert. Dabei werden die verwendeten – meist weiße, graue und teilweise schwarze – Zuschläge in einer gleichmäßigen Matrix sichtbar. Wenn Steinputzflächen eine glatte Oberfläche zeigen, dann werden diese nicht steinmetzartig nachbearbeitet, sondern – wie auch am Sockel der Hahnemannstraße 7 praktiziert – im frischen Zustand gewaschen und später abgeätzt. Auch ein Schleifen der Oberfläche ist möglich.

Im Innenbereich wurden die Wände straßenseitig mit einem Dämmputz versehen. Gerade die Anwendung einer innenseitigen Dämmung bedarf besonderer bauphysikalischer Aufmerksamkeit in Bezug auf die bestehende Bausubstanz, verwendete Materialien, Anschlüsse an Decken und einbindende Bauteile sowie der späteren Nutzung. Die Hoffassaden der um 1900 errichteten Gebäude waren alle relativ schlicht und zeigten nur selten dekorative Elemente. Daher erhielt diese Fassadenseite ein klassisches WDVS in Anlehnung an die geometrisch einfache und reduzierte Gestaltungsform.

Ausgehend von einer restauratorischen Zielstellung, intensiven Untersuchungen bis hin zum Nachstellen von historischen Putzstrukturen und der Anwendung althergebrachter Verarbeitungstechniken lassen sich schützenswerte Gebäude im Interesse des Bauherren erhalten und nutzen.

Weitere Informationen:
www.baumit.de


Verwendete Produkte

Putzmörtel aus der Reihe der
Historischen Rezepturen HR

Stuckmörtel Stuccoco Grobzug FG 88, Feinzug FF 89, Mono SM 87

Fassadenüberarbeitung mit
multiContact MC 55 W

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