Technik & Werkstoffe

Modern gestaltet

Im Kölner Stadtteil Lindweiler entstand Ende der Sechzigerjahre ein viergeschossiges Wohnhaus mit 104 Einheiten. Nach über 40 Jahren sollte die mit Balkonen ausgestattete Fassade saniert werden. Denn die Zeit war nicht spurlos an den Flächen vorübergegangen. Die Herausforderung bestand darin, das Objekt einerseits zu sanieren, andererseits aber auch optisch dem Zeitgeist anzupassen.

Daniela Emmerich

Zur Erfindung des Waschbetons kam es in den 1960er-Jahren im Zuge der Entwicklung neuer Technologien. In der Folge entstanden nach den Ideen der Designschule Bauhaus sogenannte „Wohnmaschinen“, die schnell zu seelenlosen Trabantenstädten wurden. Jedoch sind diese Siedlungen auch volkswirtschaftliches Gemeingut mit hohem sozialen Nutzen. Dies gilt auch für den mehrgeschossigen Wohnbau der GAG Immobilien AG Köln am Stangenroder Weg in Köln-Lindweiler, dessen Fassade nach 44 Jahren aufwendig renoviert wurde.
Die Aufgaben dabei waren vielfältig und deshalb auch höchst anspruchsvoll, denn es gab Schäden am Beton mit korrodiertem und freiliegendem Bewehrungsstahl, Eiseneinschlüsse an der Waschbetonfassade, die zu Rostabläufen führten, Ablagerungen und Ruß, undichte und spröde gewordene Dichtungsstoffe und auch undichte Balkonböden. Nach der Sanierung sollte das Haus zudem wieder ansehnlicher wirken, deshalb wurde außerdem eine neue Farbgestaltung geplant.
Auf Wunsch von Martin Schiwek als Projektleiter des Auftraggebers, der GAG Köln, wirkte dabei das Atelier der Farbe von Herbol mit, das vorschlug, den Waschbeton lasierend mit farbigen Kontrastflächen zu beschichten. Dabei sollten auch die Fugendichtbänder einbezogen und hervorgehoben werden. Computergenau wurden Lasurfarbtöne ausrezeptiert, die mit dem Waschbeton harmonieren sollten. Die Kombination aus der Reprofilierung des Waschbetons, zuverlässigem Betonschutz und farbig lasierter Oberfläche sollte die harmonische Einbindung der Wohnanlage in das Umfeld sicherstellen. Die farbliche Gestaltung, für die Musterflächen angelegt wurden, war Teil der umfangreichen Leistungsbeschreibung.
Untergrundvorbereitung
Zunächst wurde die Sanierung der Balkonflächen und -brüstungen projektiert. Schnell war klar, dass die Flächen der Waschbetonplatten dagegen unansehnlich waren. Deshalb wurde über die gesamte Instandsetzung nachgedacht und diese entsprechend geplant. Nach einem feststehenden Terminplan begann nach der Einrüstung der Fassade die schonende Untergrundreinigung mit einem Hochdruck-Wasserstrahl mit bis zu 350 bar Druck. Stark verschmutzte Stellen erhielten eine Behandlung mit einem Steinreiniger. Die Herausforderung bestand darin, so zu reinigen, dass die Lasur mögliche Bestandteile der Verschmutzung überdecken kann.
Parallel zur Reparatur der Schadstellen brachten die Mitarbeiter der Remscheider Firma Nebeling am anderen Ende des Gerüstes die Fugendichtbänder an, wobei die Wahl auf ein Fugenband zur Abdichtung von Anschlussfugen fiel, weil dies einfach über die defekten Fugen geklebt werden konnte. Es wurde vor seiner Hautbildung so auf den Fugenbandklebstoff aufgedrückt, dass es mit der gesamten Klebezone im Klebebett liegt. Laut Entwurf des Ateliers der Farbe sollten die Fugendichtbänder nicht überstrichen werden, sodass sie einen Kontrast zum Rest der Fassade bilden.
Fassadeninstandsetzung
Für die Fassadeninstandsetzung war die Karl Neunzig Malerwerkstätten GmbH verantwortlich. Im Bereich des korrodierten Baustahls entfernte das Team den losen Beton zwei Zentimeter über den Schadensbereich hinaus, entrostete den freigelegten Bewehrungsstahl und beschichtete ihn zweimal dickschichtig und porenfrei mit Beton-Primer. Die Betonausbrüche nässten die Handwerker vor und trugen auf den mattfeucht abgelüfteten Untergrund ebenfalls Beton-Primer massierend als Haftbrücke auf. Danach füllten sie die feucht angetrocknete Haftbrücke mit Beton-Füllmörtel hohlraumfrei auf und betteten artgleiche Kieselsteine in den Mörtel ein.
Im Trocknungsprozess musste überschüssiger Mörtel abgewaschen und nach der Trocknung der Zementschleier entfernt werden. Für die Grundbeschichtung der 5.900 Quadratmeter Waschbetonplatten war ein wässriger Tiefgrund das Mittel der Wahl. Die lösemittelfreie Silikonharzgrundierung mit wirtschaftlichem Doppelnutzen und TÜV-Gutachten dient zur optimalen Untergrundvorbereitung.
Gleichmäßig zwischen- und schlussbeschichtet wurde mit einem Betonschutz, der zu rund 30 Prozent mit Wasser verdünnt und vom Herbol-ColorService im Farbton Erdbraun sieben getönt wurde. Um helle Flecken zu vermeiden, die aufgrund von Materialansammlungen in Vertiefungen entstehen können, entfernten die Maler das überschüssige Material mit einem trockenen Farbroller.
Balkonsanierung
Auf den Balkonen entfernten Mitarbeiter der Karl Neunzig Malerwerkstätten den alten Bodenbelag sowie die alte und nicht mehr tragfähige Beschichtung. Dann folgte die Grundbeschichtung mit einem Methacryl-Siegel, das 1:1 mit Wasser verdünnt wurde. Im Verlauf der Hohlkehle und auf der Bodenfläche legten sie ein Polyester-Elastik-Gewebe blasenfrei und vollabdeckend ebenfalls in den Methacryl-Siegel ein. Im Bereich der Hohlkehle zogen sie das Gewebe bis zu zehn Zentimeter in die Brüstung hoch.
Um die horizontalen Seiten der Balkonflächen abzudichten, entfernten die Maler die alte Beschichtung restlos mit der Fräse, trugen eine Grundbeschichtung für zementgebundene Bodenflächen sowie keramisch saugfähige Beläge auf und sandeten anschließend vollflächig mit einem Quarzsand ab. Die Innenseiten der Brüstung grundierten die Mitarbeiter mit einer Haftdispersion und spachtelten dann rund drei Millimeter stark flächig mit Fassaden-Mörtel – gemischt mit Zement im Verhältnis 3:1. Nach der Ablüftung wurden die Flächen geschliffen und beschichtet.
Für die äußeren Brüstungsflächen aus Waschbeton war glatter Putz vorgesehen. Nach dem Vornässen wurde mit Beton-Primer eine Haftbrücke auf den mattfeucht abgetrockneten Untergrund aufgetragen. Verspachtelt wurde mit Beton-Feinmörtel bzw. Beton-Dünnputz. Nach der Trocknung wurde eine Verspachtelung mit grauem Armierungsmörtel aufgetragen. Als diese ebenfalls durchgetrocknet war, folgte eine Grundbeschichtung mit wässrigem Tiefgrund, der je nach Untergrund mit Wasser verdünnt war, sowie die Zwischen- und Schlussbeschichtung mit Beton-Finish.

praxisplus
Für die Sanierung des mehrgeschossigen Gebäudes in Köln-Lindweiler wurden Produkte von Herbol eingesetzt. Informationen zu den Produkten finden Interessierte unter:

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