Technik & Werkstoffe

Raus mit der Feuchtigkeit

Was tun, wenn das Mauerwerk durchfeuchtet ist? Nachdem die Ursache herausgefunden und das Ausmaß der Durchfeuchtung erfasst wurde, gilt es, das geeignete Verfahren zur Sanierung auszuwählen.

Marc Nagel

Der Besitzer eines alten Mehrfamilienhauses hat nun endlich den Entschluss gefasst und will die Fassade des Gebäudes erneuern lassen. Weil es gerade so gute Fördermöglichkeiten gibt und man das heute so macht, will er auch das Geld in eine ordentliche Wärmedämmung investieren. Als der beauftragte Maler und Stuckateur dann aber den Kostenvoranschlag präsentiert, ist der Bauherr schockiert. Es ist doch nur der hier und da abgesprungene Putz zu erneuern und auf das Mauerwerk des 80 Jahre alten Hauses eine Wärmedämmung aufzubringen. Was soll da so aufwendig sein? Was dem Bauherren entgangen ist, dem erfahrenen Handwerker aber bei der Prüfung des Objekts klar wurde, ist der allgemein schlechte Zustand des Gebäudes. Denn die abgesprengten Fassadenschichten an manchen Stellen haben einen Grund: Feuchtigkeit.
Probleme hinter der Fassade
Deshalb und weil der beauftragte Handwerker gewissenhaft arbeitet und fachlich gut ausgebildet ist, genügt es aus seiner Sicht eben nicht, den Putz zu entfernen, ein Wärmedämm-Verbund-System (WDVS) aufzubringen und einen neuen Putz mit Farbe darüber zu geben. Das versteht schließlich auch der anfangs schockierte Bauherr nach einem Aufklärungsgespräch.
Wie bei diesem Beispiel, so sollte bei einer offensichtlichen Feuchtigkeitsproblematik in einem Mauerwerk genau geprüft werden, was im Detail vorliegt. Die Frage nach der Quelle der Feuchtigkeit ist dabei immer zuerst zu stellen. Meist sind es wenige Ursachen, die für ein feuchtes und damit gefährdetes Mauerwerk verantwortlich sind. Zum einen kann es sich um Baufeuchte handeln. Dies ist bei alten, zu sanierenden Objekten jedoch nicht der Fall, sofern kein neuer Putz oder ein neuer Estrich aufgebracht wurde. Viel häufiger, gerade bei älteren Mauern, ist das Problem von zu starker Bewitterung oder aufsteigender Feuchte aus dem Erdreich. Liegen diese beiden Fälle vor, dann gibt es erheblichen Handlungsbedarf.
Messung notwendig
Um sicherzustellen, dass man die richtige Methode wählt, um gegen ein feuchtes Mauerwerk vorzugehen, steht nach der Feststellung der Feuchtigkeitsursache die Prüfung des tatsächlichen Schadens an. Dies bedeutet, dass geprüft werden muss, wie stark das vorliegende Mauerwerk bereits durchfeuchtet ist und bis in welchen Bereich, bei einer aufsteigenden Feuchte beispielsweise wie hoch die Feuchtigkeit bereits vorgedrungen ist. Hierzu ist es unumgänglich Messungen vorzunehmen, weil die reine Blickprüfung nicht ausreicht. Denn durch die Kapillarwirkung innerhalb eines Mauerwerks kann es durchaus vorkommen, dass der Kern der Mauer bereits in höheren Bereichen geschädigt ist als dies den Anschein hat.
Als dritter Schritt der Prüfung steht an, herauszufinden, warum vorhandene Feuchte ins Mauerwerk gelangen konnte. Meist ist die Ursache eine nicht vorhandene oder nicht mehr funktionierende Feuchtigkeitssperre im Fassaden- oder Mauersystem. So liegt bei einem feuchten Mauerwerk aufgrund von Schlagregen oder Bewitterung meist eine fehlende oder defekte Vertikalsperre vor. Bei aufsteigender Feuchte handelt es sich dagegen meist um ein Defizit bei der Horizontalsperre. Doch was tun, wenn man festgestellt hat, woher die Feuchte kommt, wie groß bereits der Schaden ist und warum es zu diesem kommen konnte?
Während ein Problem mit der Vertikalsperre einfacher zu beheben ist, wird es bei der Horizontalsperre schwieriger. Was auch vorliegt, bevor man an eine Erneuerungsmaßnahme denken kann, sollte man dafür sorgen, dass das Mauerwerk ausreichend austrocknen kann. Hierzu gibt es verschiedene Verfahren. Bei Trocknungsgeräten wird meist die Feuchtigkeit aus der Raumluft entzogen, die dann, aufgrund der geringeren Luftfeuchtigkeit wieder Feuchte aus dem angrenzenden Mauerwerk aufnehmen kann. Diese Kondensattrockner sind dann am effektivsten, wenn sie mit einem Umluftgebläse kombiniert werden. Zudem gibt es aufwendigere und teurere Alternativverfahren. Zum einen ist eine Trocknung mittels Infrarotstrahlung, andererseits eine mit Mikrowellen möglich. Bei der Infrarotstrahlung wird das Mauerwerk von außen ausgetrocknet, während beim Einsatz der Mikrowellen auch das tiefer liegende Mauerwerk und die darin befindliche Feuchte „bearbeitet“ werden.
Das passende Verfahren
Ist das Mauerwerk dann endlich trocken, was im Zweifelsfall ebenfalls mittels einer Messung nachgewiesen werden sollte, gilt es, Schutzmaßnahmen gegen eine erneute Durchfeuchtung zu treffen. Auch hierzu gibt es je nach Feuchtequelle verschiedene Methoden. Bei der Vertikalsperre, die in Verbindung mit einem neuen Putz problemlos erneuert werden kann, stellt eine Sanierung kein großes Problem dar. Ein Austausch einer nicht mehr funktionierenden oder gar fehlenden Horizontalsperre ist dabei wesentlich schwieriger, da man die Konstruktion und somit die statische Funktion einer Mauer beeinträchtigen könnte. Hierzu gibt es jedoch auch Verfahren, die Abhilfe schaffen.
Am meisten Aufwand und Risiko beinhaltet die Variante des schrittweisen Austauschs einer Mauerwerksschicht und die damit verbundene Einbringung einer Horizontalsperre gegen Feuchte. Da hier jedoch Stein für Stein oder zumindest Abschnitt für Abschnitt erneuert werden muss oder man zumindest die Fugenschicht ersetzt, ist ein großer Aufwand notwendig. Einfacher ist das Einbringen einer Sperre von außen. Hierzu werden meist Mauern mit durchgehenden Fugen mit einem Edelstahlblech versehen, das mit Spezialmaschinen in die betreffende Fugenschicht eingetrieben wird. Dieses Verfahren kann jedoch zu statischen Problemen führen. Ebenso in die Statik einer Mauer greift auch das System der Bohrkernsperre ein, bei der Bohrkerne erstellt werden, die dann mit sperrenden Materialien wie WU-Beton verfüllt werden und so verhindern, dass Feuchtigkeit aufsteigen kann. Nicht mechanische Verfahren sind hier schonender, sollten aber, und dies ist sehr wichtig, immer erst dann angewandt werden, wenn es keine Möglichkeit gibt, eine Feuchtigkeitssperre zu installieren. Im Prinzip gibt es zwei grundlegende Möglichkeiten: die Elektroosmose oder die Hydrophobierung.
Gegen die Kapillare
Beide Systeme wirken dem Phänomen der Kapillarkraft entgegen. Darunter versteht man ein aus der Natur bekanntes Prinzip. Denn ähnlich wie bei Bäumen, die Wasser von ihren Wurzeln über dünne Röhrchen, die Kapillare, bis nach oben in die Baumkronen transportieren können, so erfolgt dies auch in porösen Baustoffen wie manchem Naturstein, Ziegeln, Mörteln oder Putzen. Dies ist möglich, weil Wassertropfen in den engen Röhrchen am Rand eine andere Oberflächenspannung annehmen und so nach oben wandern. Um dies zu verhindern, wird beim elektroosmotischen Prinzip eine leichte Spannung ans Mauerwerk angelegt und ein anderer, physikalischer Effekt ausgenutzt. Unter dem Einfluss von Gleichstrom wandert das Wasser von der Anode zur Kathode. Befindet sich die Kathode nun am Sockel des Mauerwerks, so entzieht dieses Verfahren sozusagen der Mauer die Feuchte. Dieser Effekt ist jedoch nur so lange aktiv, wie auch Gleichstrom angelegt wird. Dauerhafter ist hier die Hydrophobie. Hierzu werden verschiedene Methoden angeboten.
Der Gedanke ist es dabei, mittels einer Imprägnierung einen Baustoff so zu verändern, dass dessen Kapillare nicht mehr dazu neigen Feuchtigkeit aufsteigen zu lassen, sondern dies stattdessen verhindern.
Hydrophob statt hydrophil
Man macht den Baustoff also hydrophob (wasserabweisend) statt hydrophil (wasserliebend). Der Effekt ist, dass kaum mehr eine Kapillarwirkung besteht und somit keine aufsteigende Feuchtigkeit das Mauerwerk belastet. Dieses Verfahren ist aber, wie bereits erwähnt, kein wirklicher Ersatz für eine mechanische Sperre. Doch wo es keine Alternative gibt oder als zusätzliche Maßnahme ist das „Impfen“ mit Silanen oder Siloxanen, Silicium-Wasserstoff-Verbindungen, eine sehr gute Lösung. Um diese Imprägnierungen aufzubringen, gibt es zwei Methoden: Die Aufbringung als Flüssigkeit, mit der das Mauerwerk getränkt wird, oder die Aufbringung als Creme bzw. Schaum. Hier kann die Imprägnierung auch über Kopf besser und einfacher verarbeitet werden und hat, da sie auf dem Material eine Weile stehen kann, mehr Zeit, um tiefer einzudringen. Der Nachteil dabei ist jedoch, dass diese Verarbeitungsmethode bei stark saugenden Untergründen nicht die gleichen guten Ergebnisse liefert wie flüssige Imprägnierungen. In jedem Fall aber wird die Offenporigkeit bei allen Materialien mit einer hydrophoben Imprägnierung nicht beeinträchtigt, sodass diese Baustoffe weiter diffusionsoffen bleiben.
Wie diese Methoden zeigen, gibt es eine große Bandbreite an Ansätzen zur Mauerwerkssanierung, wenn Feuchtigkeit im Spiel ist. Wie wichtig es ist, ein Mauerwerk von Feuchtigkeit zu befreien und gegen neue zu sichern, zeigt schließlich die Tatsache, dass Standfestigkeit und Wärmedämmvermögen bei einem feuchten Mauerwerk erheblich verschlechtert sind. Alleine dies sollte jedem Handwerker den Aufwand und jedem Bauherren die Kosten wert sein.

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