Trockenen Fußes

Sockelzonen sind extremen Belastungen ausgesetzt. Dies gilt insbesondere auch für wärmegedämmte Fassaden. Das Wärmedämm-Verbundsystem muss in diesen Bereichen durch geeignete Materialien und sorgfältige Ausführung vor Feuchte und mechanischer Belastung geschützt werden.

Autorin I Fotos: Susanne Sachsenmaier-Wahl

Der höchsten Witterungsbelastung bei Wärmedämm-Verbundsystemen ist in der Regel der Spritzwasserbereich ausgesetzt. Der Sockel muss daher sehr sorgfältig ausgebildet werden. Denn Verarbeitungsfehler im Sockelbereich können schnell zu Schäden führen. Die Schadensbilder können dabei vielfältig sein. Meist beginnen die Schäden mit Ablösungen des Sockelanstrichs. Dann löst sich der Oberputz ab, es kann zu Gefügezerstörungen im Unterputz kommen oder die äußeren Mauerwerksschichten werden gar geschädigt. Schlimmstenfalls beschränken sich die Schäden nicht nur auf den Außenbereich; statt dessen kann es auch zu Durchfeuchtungen durch das Mauerwerk hindurch bis auf die Innenseite kommen. Schimmelbildungen sowie Ablösungen von Anstrichen, Tapeten und Putz im Gebäudeinnern können eine Folge von Anschlussfehlern im Sockelbereich sein. Daher gilt es diese unbedingt zu vermeiden.

Abdichtung notwendig

Oliver Berg, Leiter Fassaden- und Dämmtechnik bei Caparol:
„Jede Abdichtung ist nur so gut wie ihre schwächste Stelle.“

Gegenüber der restlichen Fassade ist der Sockel wesentlich höheren Feuchtebelastungen ausgesetzt. Neben Spritzwasser, Schnee und Streusalzen können auf den Sockel auch Erdfeuchte oder im Mauerwerk aufsteigende Feuchtigkeit einwirken. Sockelputze müssen deshalb gegenüber Feuchtigkeit beständiger sein als Fassadenputze. Sie sollten eine erhöhte Wasserabweisung sowie eine angepasste Festigkeit besitzen. Gegenüber dauerhaft einwirkender Feuchtigkeit sind aber auch Sockelputze – trotz ihrer erhöhten Wasserabweisung – nicht beständig. Diese kann lediglich die Wasseraufnahme über den Zeitraum der Bewitterung, also des Spritzwasseranfalls, reduzieren. Danach muss auch bei einem Sockelputz eine Trocknungsphase folgen. Die Wasserabweisung darf auf keinen Fall mit einer Abdichtung gleichgesetzt werden. Gegen ständig vorhandene Erdfeuchte etwa kann auch ein wasserabweisender Sockelputz nichts ausrichten. Aus diesem Grund müssen alle bis unter die Geländeoberkante geführte Sockelputze zusätzlich gegen Erdfeuchte abgedichtet werden. Deshalb ist es zwingend notwendig, dass das genaue Niveau des späteren Geländes vor Ausführung der Dämmarbeiten allen beteiligten Parteien bekannt ist. Denn der Sockel eines Gebäudes stellt die Schnittstelle vieler Gewerke dar (Rohbau, Bauwerksabdichtung, Wärmedämmung, Landschaftsbau). Die Gewerkezuordnung muss bereits früh im Planungsstadium bedacht und koordiniert werden. Nur so kann gewährleistet werden, dass der Sockel seinen späteren Aufgaben gewachsen ist.

Leider gibt es immer wieder Fälle in der Praxis, wo im Nachhinein der Geländeverlauf geändert bzw. von den bestehenden Vorgaben abgewichen wird. Die daraus entstehenden Probleme oder gar Mängel gehen häufig zulasten des Fachhandwerkers. Oliver Berg, Leiter Fassaden- und Dämmtechnik bei Caparol, rät in solchen Fällen: „Immer alles schriftlich geben und bestätigen lassen, im Bedarfsfall Arbeiten einstellen und mindestens Bedenken anmelden oder auch Behinderungsanzeige aufgeben.“

Neue Abdichtungsnorm

Im Sommer 2017 wurde die DIN 18195 durch die Norm 18533 abgelöst. Grund dafür war vermutlich die Häufigkeit der aufgetretenen Schäden im Sockelbereich. Oliver Berg fasst die Änderungen, die sich daraus ergeben haben, so zusammen: „Es ist innerhalb der neuen Normenreihe – hier speziell die DIN 18533 Abdichtung von erdberührten Bauteilen – eine Art Umkehrung der Beweislast erfolgt. Daher ist beim Neubau immer vom schlechtesten Fall und damit der höchsten Belastung auszugehen und mit sogenanntem „drückendem Wasser“ zu planen.“ Für die Ausbildung des Sockels bei Wärmedämm-Verbundsystemen ergeben sich daraus Neuerungen. Oliver Berg erklärt auf unsere Nachfrage: „Die potenzielle Sockelhöhe ist nun wesentlich definierter mit einer Höhe von ca. – 20 cm bis + 30 cm jeweils über geplanter Geländeoberkante (GOK). Im erdberührten Bereich dürfen nur noch sogenannte XPS-Dämmstoffe zum Einsatz kommen. Dies sind speziell für diesen Bereich geeignete und nachgewiesene Dämmplatten aus Polystyrol, die in einem Extruder-Verfahren hergestellt wurden und eine homogene Oberfläche aufweisen. Diese sind unterhalb der Erde vollflächig zu verkleben, damit sie nicht aufschwemmen können. Der untere Abschluss der Platten ist zudem immer im 45-Grad-Winkel anzuschrägen. Abschließend ist ein Feuchteschutz von etwa fünf Zentimetern oberhalb der Geländeoberkante bis auf die bauseits vorhandene Bauwerksabdichtung des Klebeuntergrundes im Erdreich zu führen.“

Abschließend ist vor das Wärmedämm-Verbundsystem stets noch eine Schutzschicht voranzustellen. Diese besteht in der Regel aus mehrlagigen/kombinierten Schutz- und Dränmatten mit Noppenbahnen, Vlieskaschierung und/oder Gleitfolie.

Geeignete Produkte

Produkte, die im Sockelbereich zum Einsatz kommen, müssen daher folgende Kriterien erfüllen:

  • Beständigkeit gegen Feuchtebelastung, Wasserabweisung
  • ausreichende (Druck-)Festigkeit der Putzsysteme
  • Druckfestigkeit und Feuchteresistenz der Dämmplatten
  • Beständigkeit gegen auftretende mechanische Belastungen

Für die Putzauswahl bedeutet das, dass sowohl organische Putze als auch mineralische Putze diese Kriterien erfüllen können, sofern diese mit einem zusätzlichen Feuchteschutz und einem Anstrich versehen sind. Edelkratzputze und kapillaraktive Putze sind ungeeignet. Als Dämmplatten dürfen ausschließlich solche eingesetzt werden, die vom Hersteller als sockelgeeignet ausgelobt sind.

Sockelsysteme

Konstruktiv betrachtet gibt es drei Möglichkeiten der Sockelausbildung: Zurückgesetzt, fassadenbündig oder vorspringend. Die letzte Variante ist heute jedoch nur noch bei Altbauten im Bestand anzutreffen. Durch den horizontalen Vorsprung nach außen bringt sie große Probleme bei der Feuchtigkeitsbelastung mit sich. Sehr beliebt sind derzeit fassadenbündige Sockel. Oliver Berg hält allerdings auch diesen Sockeltyp nicht für ideal: „Wenn man die Möglichkeit hat, Einfluss auf die Sockelausbildung zu nehmen, sollte man aus Wirtschaftlichkeitsgründen immer die zurückgesetzte Ausbildung wählen. Dies ist technisch die beste Lösung, man kann im Bedarfsfall jederzeit den Sockel separat von der restlichen Fassadenfläche instandsetzen, das spart Kosten. Außerdem können in diesem Bereich sauber getrennt voneinander andere und damit feuchtigkeitsresistentere Materialien eingesetzt werden. Aufgrund von optischen Wünschen wird jedoch leider immer mehr auf die bündige Lösung mit moderner Optik gesetzt.“

Geprüfte Sockelsysteme, wie sie von den WDVS-Herstellern angeboten werden, bieten einfache und gleichzeitig sichere Systemlösungen. Der Verarbeiter kann seinen Fokus so auf die richtige Ausführung legen.

Weitere Beiträge zur Sockelabdichtung gibt es >>hier<<


PraxisPlus

Caparol hat ganz aktuell verschiedene Sockelsysteme von einem unabhängigen Forschungsinstitut zertifizieren lassen. Dabei liegt der Fokus auf der richtigen Sockelausführung, auf einfachen Systemlösungen und insbesondere auf Steigerung des Schutzniveaus, die verschiedenen Einflussfaktoren zu minimieren. Folgende Lösungen für diesen hochbeanspruchten Bereich an der Gebäudehülle wurden geprüft:

  • zertifizierte Streusalzverträglichkeit
  • geprüfte Stoßfestigkeit bis 60 Joule
  • geprüfter Hagelwiderstand bis Klasse 5

Animierte 3D-Ausführungen der zertifizierten Capatect Sockelsysteme ermöglichen einen detaillierten Einblick in den Sockel und seine Systemschichten. Dadurch können alle Beteiligten im Vorfeld der Planung bereits sehr einfach und verständlich aufbereitet alle benötigten Schichten und Materialien im Aufbau erkennen und berücksichtigen. Die Sockel-Animationen finden Sie >>hier<<