Wanddruck made in Germany

Techniken, mit denen man Abbildungen auf Wände bringen kann, gibt es einige. Man kann malen, schablonieren oder kleben. Das junge Unternehmen Wallpen setzt auf Digitaldruck. Über die Möglichkeiten sprachen wir mit Lennart Graics.

Autor: Martin Mansel | Fotos: Wallpen

Wie entstand die Idee zur Entwicklung eines Wanddruckers?

Lennart Graics: Diese Idee ist nicht ganz neu. Der Geschäftsführer der Wallpen GmbH, Andreas Schmidt, hat 2015 zwei unterschiedliche Modelle aus Fernost für jeweils 18.000 Dollar erworben, um in Deutschland das Thema Wanddruck anzuschieben, damit zu drucken und zu vertreiben. Allerdings war an diesen Geräten auch nur die Idee gut. Nach wenigen Minuten ist der erste Drucker in Flammen aufgegangen, der zweite lief nie länger als 15 Minuten am Stück fehlerfrei. Da die Idee aber als gut erachtet wurde, begann die Entwicklung eines eigenen Geräts „made in Germany“.

Wer sind die Menschen hinter dem Drucker?

Lennart Graics: Andreas Schmidt hatte die Idee hatte, diesen Drucker zu entwickeln und zu bauen. Seit Frühjahr 2016 wird von Ramazan Koprülü unterstützt, der die Entwicklung der Steuerung und Antriebstechnik übernommen hat. Seit August 2016 hat sich Niklas Kunz der Softwareprogrammierung angenommen, da die verwendete Software ausschließlich aus eigener Hand kommt und somit auch „made in Germany“ ist. Er arbeitet seither, neben seinem Abitur, fast jede freie Minute für Wallpen. Im Januar 2017 ist Sebastian Fischer zum Team gestoßen, der die Schulung und den technischen Support für Kunden, sowie die Organisation der Fertigung übernimmt. Schließlich bin ich, Lennart Graics, seit Februar 2017 überwiegend im technischen Vertrieb tätig.

Natürlich sind die Aufgabengebiete in einem jungen Start-Up-Unternehmen fließend. Umso mehr freuen wir uns, dass seit 1. November Katrin Flammang als Grafikdesignerin an Bord ist und den Bereich der Dienstleistung des „Wändebedruckens“ übernimmt. Katrin wird unsere Kunden „grafisch“ betreuen und kreativ Wände bedrucken.

Wo sehen Sie Einsatzgebiete?

Lennart Graics:Die Anwendungsmöglichkeiten sind breit gefächert. Einerseits sind generell Designer und (Innen-)Architekten sehr interessiert, andererseits auch Restaurants, Krankenhäuser, Bars, Cafés, Museen, private Endkunden, Versicherungen, Banken, öffentliche Gebäude u.v.a.m.

Wie funktioniert die Technik?

Lennart Graics: Mit dem Wallpen drucken wir jedes Motiv hochauflösend, in nahezu jeder Größe, in brillanten Farben, langlebig und direkt auf jede vertikale Fläche. Egal ob weiße Wand, Holz, Kunststoff, Metall, Glas, Beton, Latex oder auch Fliesen. Die maximale Druckhöhe ist flexibel von 1,6 bis zu 4 Meter einstellbar. Die Druckbreite ist durch eine selbstfahrende,
gelenkte Plattform theoretisch unbegrenzt. Die Druckauflösung beträgt 370 x 600 DPI bei einer Druckleistung von bis zu vier Quadratmetern pro Stunde. Mithilfe der Software werden am PC aus beliebigen Motiven (Vorlagen, Dias, Fotos, Scans, JPEG, TIFF, PNG …) die Druckdaten berechnet, gerastert, aufbereitet und an den Drucker übergeben. Der Drucker wird schließlich mit einem Android Tablet ferngesteuert und arbeitet die Daten offline ab.

Wie geschieht das genau?

 Lennart Graics: Der Wallpen „tastet“ in Echtzeit die zu bedruckenden Wandflächen mithilfe eines Lasersensors ab und steuert das Gerät automatisch entlang der Wand, während in vertikalen
Bahnen nach und nach die Oberfläche gedruckt wird.

Und das ganze System ist mobil?

Lennart Graics: Ja, für Auf– und Abbau werden nicht mehr als fünf Minuten benötigt und der Transport ist in fast jedem Pkw möglich. Das Gerät benötigt zum Betrieb einfach nur einen haushaltsüblichen 230-Volt-Stromschluss.

Woraus bestehen die verwendeten Farben?

Lennart Graics: Die verwendete Tinte (made in EU) ist ein flüssiger Kunststoff, der unmittelbar beim Druckvorgang durch einen eigens entwickelten UV-Strahler ausgehärtet wird. Dieser UV-Druck ist steril, wischfest und reinigungsmittelbeständig. Besondere Anforderungen an den Untergrund hat der Drucker im Grunde genommen nicht. Lediglich sehr glatte Oberflächen wie Glas oder Fliesen werden vorher mit einem Spray (Wallpen Glass Magic) vorbehandelt.

Kann man das Material wieder entfernen, wenn das Motiv nicht mehr gefällt?

Lennart Graics: Von den meisten Oberflächen kann der Druck entweder durch Überstreichen (Wände), Sandstrahlen (Beton, Holz) oder Rasierklingen
(Fliesen, Glas) wieder entfernt werden.

 Welche Voraussetzungen muss ein Maler mitbringen, der die Technik einsetzen möchte?

Lennart Graics: Beim Kauf des Druckers ist eine mehrtägige Schulung inklusive, in der alle Bereiche des Wanddruckes geschult werden. Angefangen von Grundlagen in Photoshop, die
Anwendung der „Wallpen – Software“, Wartung und, den Drucker zu bedienen und zu warten. Eine besondere Qualifikation ist im Vorfeld nicht nötig.

Wie sehen Ihre weiteren Ziele aus?

 Lennart Graics: Das stetige, gesunde Wachstum im In- und Ausland. Zudem liegt uns die Weiterentwicklung von Hard- und Software am Herzen.

Was kostet der Spaß?

Lennart Graics: Der Drucker kostet 39.900 Euro zzgl MwSt. Der Kaufpreis beinhaltet drei Tage Schulung im Werk, sechs stabile Transporttaschen (ebenfalls „made in Germany“), Tinte für
etwa 100 Quadratmeter Druckfläche, ein 10“ Samsung Android Tablet und zwölfMonate Garantie, Softwarewartung, und Hotline.

Zum Video:
www.malerblatt.de


PraxisPlus

Der Wallpen ist ein mobiles Drucksystem und bedruckt Wände und vertikale Flächen direkt mit bis zu vier Quadratmeter pro Stunde bis vier Meter hoch und unbegrenzt breit. Das Gerät ist bequem zu transportieren, in Minuten auf- und abgebaut und wird drahtlos und kinderleicht per Tablet bedient. Die UV-Tinte wird unmittelbar beim Druck ausgehärtet, ist permanent haftend, gesundheitlich unbedenklich und kann bei Bedarf jederzeit wieder überstrichen werden.

www.wallpen.com


Lennart Graics

„Die möglichen Anwendungsgebiete sind breit gefächert. Der Wanddruck eignet sich für Restaurants, Bars, Cafés, aber auch Krankenhäuser, Museen, private Endkunden, Versicherungen, Banken oder öffentliche Gebäude“