Lackieren mit der Spraydose

Warum nicht mal zur Dose greifen?

Viele Maler halten die Spraydosen-Applikation immer noch für unprofessionell. Dabei entsprechen sowohl die Technologie als auch die Produktrezeptur – und folglich auch die Spritzbilder – heute professionellen Anforderungen. Obendrein lassen sich beim Einsatz einer Spraydose in vielen Fällen Zeit und damit Geld sparen.

Autorin I Fotos: Susanne Sachsenmaier-Wahl

Die Abneigung, die manche Maler gegen Spraydosen zu haben scheinen, ist vermutlich daruauf zurückzuführen, dass das Lackieren ohne „echte Malerausrüstung“ gerne dem Heimwerker zugeschrieben wird. Zugegeben, als Malermeisterin hatte ich selbst meine Vorbehalte gegen das Lackieren mit der Dose. Können mit dieser Applikationsweise tatsächlich qualitativ hochwertige Oberflächen erzielt werden? Und wie „gewöhnungsbedürftig“ ist das Lackieren mit der Spraydose? Und nicht zuletzt: Genügen Lackspraydosen den Anforderungen an die heutigen Gesundheitsstandards oder steht der Anwender beim Sprühen „voll im Nebel“? Um auf all diese Fragen Antworten zu erhalten, habe ich mich auf der FAF in Köln einmal näher mit dem Thema auseinandergesetzt. Am Stand der Firma Kwasny war ich mit Produktmanager Michael Fasel verabredet, um in die „Welt der Spraydosen“ einzutauchen. Die Peter Kwasny GmbH mit Sitz im baden-württembergischen Gundelsheim ist einer der führenden Hersteller von Lackspraydosen in Europa und gilt als Qualitäts- und Technologieführer für professionelle Sprühlacksysteme. Unter der Marke „SprayMax“ werden Lackspraydosen für den Malerprofi,den Autoreparaturlackierer und für weitere industrielle Anwendungsbereiche angeboten.

Zahlreiche Einsatzgebiete

„Im Malerbereich sind unsere SprayMax-Produkte bei bestimmten Anwendungen eine echte Alternative zur Streichverarbeitung mit Pinsel und Rolle. Vorteile hat die Lackspraydose insbesondere bei schwer zugänglichen Ecken, Kanten, gerundeten und geometrisch komplexen Formen“, erläutert Michael Fasel gleich zu Beginn die prädestinierten Einsatzgebiete der Lackspraydose. Konkret nennt mir der Produktmanager hierfür die Heizkörperlackierung. Natürlich kommen mir sofort Erinnerungen in den Kopf, wie aufwendig und wenig angenehm die Lackierung derselben mit Pinsel und Rolle ist. Die Lackierung mit der Spritzpistole ist aufgrund der Rüstzeiten bei einzelnen Heizkörpern aber nicht rentabel. Hier sieht Fasel die entscheidenden Vorteile der Spraydose: „Bei der Lackspraydose ist das Arbeitswerkzeug sofort verfügbar bzw. einsetzbar. Aufwendige Rüst- und Reinigungszeiten, wie das Anmischen des Lacks, die Reinigung der Werkzeuge etc., entfallen. Die Arbeitszeit verringert sich, Kosten werden eingespart.“ Ein typisches Einsatzgebiet für Spraydosen ist auch die Isolierung von Nikotin- und Wasserflecken. Hierfür greifen auch weniger Spraydosen-affine Maler gerne mal zur Dose. Doch Michael Fasel verweist auf noch wesentlich mehr Anwendungsgebiete: „Malertypische Objekte für die Lackspraydose sind im Innenbereich Schaltkästen, Kabelkanäle, Fußleisten, aber auch Türzargen und im Außenbereich Dachrinnen, Fallrohre, Geländer etc.“

Kostengünstige Applikationsmethode

Bei den Türzargen hake ich nach. Bis zu welcher Stückzahl ist die Spraydose hier herkömmlichen Applikationsverfahren überlegen, möchte ich wissen. „SprayMax ist bei der Lackierung von Türzargen bis zu einer Anzahl von 20 Stück im Objekt unschlagbar, d.h. kostengünstiger“, ist man sich beim Hersteller sicher. Dies wurde anhand von umfangreichen, neutral ermittelten Zeitverbrauchs- und Kostenermittlungen dokumentiert. Neben dem geringeren Zeitaufwand sprechen weitere Aspekte für die Spraydose. „Mit professionellen Lackspraydosen wird eine Oberfläche ähnlich einer Lackier-/Spritzpistole erzielt – allerdings mit deutlich weniger Overspray“, erklärt mir Michael Fasel. Dadurch sei der Abdeckaufwand geringer. „SprayMax Lackspraydosen zeichnen sich durch eine sehr gute Zerstäubung, ein hohes Standvermögen und einen hohen Zerstäuberdruck, bis zur Entleerung der Dose, aus“, ergänzt der Produktmanager. Der gleichmäßige Lackauftrag mit weniger Overspray sorge für ein perfektes Lackierergebnis und weniger Verbrauch. Dank des geringen Oversprays könne man mit der Spraydose problemlos auch in bewohnten Objekten arbeiten, was beim Spritzlackieren eher kritisch sei. Auch ein Farbwechsel sei mit der Spraydose völlig unproblematisch möglich. So kann dem Kunden mehr Individualität geboten werden.

Ist Spraydose gleich Spraydose?

Bisher klingt alles ganz plausibel. Nun will ich aber doch wissen, wie sich die Spraydose handhaben lässt und wie gut die Oberfläche aussieht – auch bei einem Anwender, der keine Routine im Umgang mit Spraydosen besitzt, so wie ich. Mit Felix Dambier, Anwendungstechniker bei Kwasny und gelernter Fahrzeuglackierer sowie staatlich geprüfter Lacktechniker, wage ich den Selbstversuch. Vorher aber erklärt mir Michael Fasel noch den Unterschied zwischen Heimwerker-Lackspraydosen und der SprayMax-Technologie: „Diese Technologie basiert auf der Applikations-Technologie (Sprühkopf-, Ventil- und Treibmittel-Technologie) und der 2K-Technologie (Lack und Härter in einer Lackspraydose). Außerdem werden bei SprayMax Originallacke der jeweiligen Lackhersteller eingesetzt.“ Hierfür werden mit Treibgas und Lösungsmittel (bei 2K-Lacken außerdem mit dem entsprechenden Härter) vorbefüllte Spraydosen zur nachträglichen Befüllung zur Verfügung gestellt. Die gewünschten Lacke (Marke, Farbton) werden vom Fachhandel in die Spraydose eingefüllt. Durch die Befüllung mit Originallacken kommt es zu keinen Unterschieden zwischen Lackspray und Flüssiglack, der mithilfe anderer Applikationsmethoden aufgebracht wird.

Ungewohnt, aber nicht unmöglich

Felix Dambier zeigt mir zunächst, was beim Umgang mit der Spraydose beachtet werden muss. Um die Farbpigmente zu vermischen, wird die Lackspraydose etwa zwei Minuten lang gründlich geschüttelt. Die Spraydose wird senkrecht gehalten mit einem Abstand zum Objekt von etwa 20 bis 25 Zentimetern. Der Lackiervorgang (also das Drücken des Sprühkopfes) sollte, wie bei anderen Sprühlackierungen auch, immer außerhalb des Objektes beginnen. Dann wird der Lack in gleichmäßigen überlappenden Bahnen aufgebracht. Idealerweise erfolgt die Lackierung auch mit der Spraydose im Kreuzgang. Bei Dambier sieht die Applikation wie ein Kinderspiel aus, die fertige Fläche weist einen perfekten Verlauf auf. Als ich die Dose dann selbst in der Hand halte, bin ich doch etwas nervös, schließlich ist das für mich eine Premiere. Doch die Unsicherheit weicht schnell der Routine. Der Lackiervorgang an sich ist vergleichbar mit einer Spritzlackierung. Lediglich das Handling ist ein anderes. Auch das Ergebnis meines Versuchs kann sich sehen lassen. Der Lack verläuft zu einer glatten Fläche, Läufer bilden sich keine, trotz der Tatsache, dass ich eine stehende Fläche beschichtet habe. Und meine Atemwege sind, obwohl ich keinen Atemschutz trage und einen lösemittelhaltigen Lack verarbeite, dank des geringen Oversprays nicht überstrapaziert.

Wasserlack-Technologie

Auch wenn der Overspray und damit die Belastung für den Anwender eher gering ist, setzt man selbstverständlich verstärkt auf wasserbasierende Lacksysteme, mit dem Ziel, lösemittelhaltige Lacksprays langfristig zu ersetzen. „Kwasny wird mit der „pure-color“-Wasserlack-Technologie den Technologiewandel von lösemittelhaltigen hin zu wasserbasierenden Sprühlacksystemen maßgeblich gestalten, so wie dies vor 25 bis 30 Jahren bei den flüssigen Streichlacken der Fall war“, ist man sich in Gundelsheim, wo die Lack-sprays immer noch ausschließlich produziert werden, sicher. Auf der FAF wurde bereits ein Heizkörperlack für den Maler präsentiert, der auf der Wasserlack-Technologie Herstellers basiert. Für den DIY-Bereich stellte Kwasny mit „belton free“ ein wetterbeständiges Lackspray vor, das zu über 95 Prozent auf Wasserbasis und damit nahezu lösemittelfrei ist. Darüber hinaus sorgt das neue Produkt für circa 50 Prozent Kohlenstoffdioxid-Einsparung sowie deutliche VOC-Reduzierungen.

Praxistauglich – auch für den Profi

Nach meinem Exkurs in die Welt der Lackspraydosen kann ich mit ruhigem Gewissen deren Praxistauglichkeit auch für den Profi bestätigen. Die Sprühdosenlackierungen weisen dieselben Eigenschaften auf wie herkömmliche lackierte Flächen, da ja auch dieselben Beschichtungsstoffe zum Einsatz kommen. Das Oberflächenbild ist ebenmäßig und zeigt einen guten Verlauf. Die Verarbeitung ist zwar etwas anders, aber keinesfalls Neuland für jemanden, der mit dem Lackieren vertraut ist, da viele Dinge, die zu beachten sind, von anderen Lackiertechniken bekannt sind.

Echte Pluspunkte sammelt die Lackierung aus der Dose hinsichtlich des geringen Abdeckaufwandes, der auf den geringen Overspray zurückzuführen ist. Und in puncto Zeitaufwand bietet die Spraydosenlackierung einen echten Mehrwert, da die Rüstzeit gegen null geht.

Der geringe Overspray kommt auch dem Verarbeiter zugute und die ersten Schritte in Richtung Umweltverträglichkeit sind mit den wasserbasierten Produkten getan. Und um die Abfalldiskussion gleich vorwegzunehmen: die Hardware, also Kappe, Donut und Sprühkopf aus Kunststoff sowie die Dose aus Weißblech, sind recycelbar.

Es macht aus wirtschaftlichen Gründen also durchaus Sinn zur Spraydose zu greifen. Das gilt nicht nur für Reparatur- und Renovierungsarbeiten, sondern auch für Lackdesign und Gestaltungsaufgaben des Malers – etwa bei der farbigen Gestaltung eines schmiedeeisernen Treppengeländer oder der farblichen Anpassung von Kleinteilen, wie z.B. Schalter, Rahmen, Abdeckungen etc. Darüber hinaus kann der Maler mit beim Kunden punkten, indem er mit der Spraydose auch einfach und schnell Metallic-, Hammerschlag-, Rost- oder Graniteffekte herstellen kann. Selbst ein einzigartiger Eisblumen-Effekt entsteht in nur zwei Sprühgängen mithilfe der Spraydose.

Weitere Fotos:
www.malerblatt.de

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