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Nachhaltiger Klebstoffe aus natürlichen Rohstoffen

Wand- und Bodenbelagskleber
Kleben – aber natürlich!

Naturfarben sind seit vielen Jahren etabliert. Doch es gibt auch andere Baustoffe, die auf Basis nachwachsender Rohstoffe hergestellt werden oder bei denen die Natur als Vorbild dient – wie beispielsweise Wandkleber und Bodenbelagskleber.

Autorin: Susanne Sachsenmaier-Wahl

Das Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Natürliche Baustoffe sind beliebt. Neben Lehm- oder Kalkfarben und -putzen und Farben auf Basis nachwachsender Rohstoffe werden auch natürliche Bodenbeläge verstärkt nachgefragt. Kork und Linoleum erleben gleichermaßen eine Renaissance wie Tapeten aus Textilien. Damit die natürlichen Beläge auch umwelt- und gesundheitsfreundlich an Wand oder Boden verlegt werden können, sind am Markt lösemittelfreie Bodenbelags- und den Wandbelags-
kleber erhältlich.

Klebstoffe aus natürlichen Rohstoffen

Der Braunschweiger Naturfarbenhersteller Auro etwa bietet Bodenbelagskleber auf Basis von Naturkautschuk-Milch sowie einen Tapetenkleister aus reiner Methylzellulose an. Laut Hersteller lassen sich die Produkte problemlos in den Stoffkreislauf der Natur zurückführen, das Unternehmen setzt dabei auf volle Transparenz. Alle eingesetzten Inhaltsstoffe werden auf dem Produktetikett voll deklariert und sind auch auf der Homepage (www.auro.de) einzusehen.

Der lösemittelfreie und universell einsetzbare Bodenbelagskleber aus Naturharzen und Kautschukmilch des Unternehmens klebt Linoleum, Kork, textile Bodenbeläge und Naturfaserteppichböden im Innenbereich. Der Universalkleber biete ein noch größeres Einsatzspektrum. Er sei neben den genannten Bodenbelägen auch für die Verlegung von Keramikfliesen in trockenen Bereichen, Natursteinfliesen oder Solnhofer Platten geeignet. Dem Hersteller zufolge zeichnen sich die Kleber durch eine hervorragende Klebkraft aus und eignen sich auch für Bodenbeläge, die starker Belastung durch Stuhlrollen ausgesetzt sind. Geprüft sind die Kleber nach dem „AgBB-Bewertungsschema“, das von Bauaufsichts- und Gesundheitsbehörden anhand einheitlicher Kriterien genutzt wird. Die AgBB-Kriterien garantieren letztlich die Erfüllungssicherheit von Richtlinien.

Für die Verklebung von Papiertapeten eignet sich der pulverförmige Tapetenkleister des Naturfarbenherstellers. Er besteht aus reiner Methylzellulose (aus Holzzellulose durch chemischen Aufschluss hergestellte Quellmittel und organischer Zell-Faser-Füllstoff). Für schwere Tapeten aus Textil, Papier, grobem Gewebe, aber auch Vlies, geschäumtem Vinyl, Metall, Glasgewebe, Flachvinyl oder für PVC-Wandbeläge hat Auro einen Wandbelagskleber auf Basis von Naturkautschuk entwickelt. Dieser, so der Hersteller, sei leicht zu verarbeiten, trockne transparent aus und überzeuge durch seine hohe Klebkraft.

Nachhaltigkeit: Vorbilder aus der Natur

Doch nicht nur bei Auro hat man das Potenzial biobasierter Klebstoffe erkannt. Das zeigen die neuesten Forschungsergebnisse, über die der Industrieverband Klebstoffe e.V. (IVK) berichtet. Einem Forscherteam ist es erstmals gelungen, die essenziellen Proteine und Kohlenhydrate des besonderen Napfschneckenklebstoffs vollständig zu katalogisieren.

Wie gelingt es der gemeinen Napfschnecke (Patella vulgata) sich felsenfest an Meeresküsten anzuhaften und sich bei Bedarf – immer noch haftend – zur Nahrungsaufnahme fortzubewegen? Einem Forscherteam um Victor Kang (University of Cambridge) und Birgit Lengerer (Universität Innsbruck) ist jetzt der Nachweis gelungen, dass ein besonderer Pedalschleim der Napfschnecke erlaubt – je nach Gezeiten oder Gefahrensituation – zwischen permanenter und temporärer Adhäsion zu wechseln. Hierzu wurde der Bio-Klebstoff detailliert charakterisiert.

Wie andere Hydrogele besteht der Pedalschleim der Napfschnecke zu 90 bis 95 Prozent aus Wasser. Den Rest machen Proteine, Kohlenhydrate und anorganisches Material aus. Die entscheidenden molekularen Unterschiede, die zum Wechsel zwischen temporärer und permanenter Adhäsion führen, konnten die Wissenschaftler zwar noch nicht identifizieren, doch vermuten sie, dass die Flexibilität des Klebstoffs an besondere Enzyme geknüpft ist, die Proteine abbauen können. Zudem sollen es spezielle Kohlenhydrate der Napfschnecke ermöglichen, sich bei Bedarf abzukoppeln und sich auf dem sonst festen Schleim fortzubewegen (Quelle: IVK).

Forschung und Entwicklung

Die Erkenntnisse der Wissenschaftler sind ein weiterer, wichtiger Schritt für die Forschung und Entwicklung innovativer biobasierter Klebstoffe mit ganz besonderen Eigenschaften. Für welche Branche die Napfschnecke letztendlich dienlich sein wird, bleibt abzuwarten. Allerdings haben pflanzliche oder tierische Vorbilder auch die Malerbranche in der Vergangenheit bereits nachhaltig beeinflusst. Man denke nur an den „Lotus-Effekt“ oder die Dryonic-Technologie, die Sto bei seinen Fassadenfarben einsetzt. Für Letztre diente die Körperoberfläche des nur zwei Zentimeter großen Nebeltrinkerkäfers als Vorbild.

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