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Pulverlackierungen beschichten

Pulverbeschichtung
Pulverlackierungen beschichten

Ein heikler Untergrund für eine Beschichtung sind Pulverlackierungen. Da ist die Materialauswahl sehr wichtig.

Pulverlackierungen gelten zu Recht als Problemuntergründe. Ihre genaue Beurteilung und die richtige Materialauswahl für ihre Überarbeitung sind deshalb umso wichtiger, denn eventuelle Fehleinschätzungen, unterlassene Untergrundprüfungen und Probebeschichtungen verursachen hier jährlich Schäden in Millionenhöhe.
Immer mehr Bauteile, wie z.B. Türen, Garagentore oder Fassadenbekleidungen, werden industriell mit pulverbasierten Zwischen- oder Endbeschichtungen versehen. Die Vorteile dieser Beschichtungen sind ihre hohe Wetter- und Chemikalienbeständigkeit, ihre geringe Verschmutzungsneigung und sie kommen ganz ohne Lösemittel aus. Beschichtet werden muss, wenn die Oberflächen so weit abgewittert sind, dass aus ästhetischen Gründen oder zum Schutz des Untergrundes ein Renovierungsanstrich erforderlich wird. Oder aber die Bauteile sind ab Werk nur mit einer Pulverlackgrundbeschichtung vorbereitet und sollen erst vor Ort – oft zur entsprechenden Farbgestaltung – endbe-schichtet werden.


Verminderte Haftung

Pulverbeschichtete Untergründe gelten als potenziell schwierig und das nicht ohne Grund. Vielen Pulverlackrezepturen werden Wachse zugesetzt, die sich haftungsvermindernd auf die Zwischen- oder Decklackierung auswirken können. Außerdem können die unterschiedlichen Bindemittelarten verschiedene Auswirkungen auf die Folgebeschichtung haben. So ist z.B. die Oberflächenstruktur von Pulverlacken aufgrund der hohen Vernetzungsdichte extrem glatt. Der erste Schritt bei der Renovierung oder Endbeschichtung einer solchen Fläche ist deshalb die genaue Beurteilung des Untergrundes.


Untergrundbeurteilung

In der Praxis trifft man meist auf reaktiv härtende Duroplaste. Um Pulverbeschichtungen im Allgemeinen und Duroplaste im Besonderen, auf der Baustelle erkennen und beurteilen zu können, empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:

  • Pulverlacke verraten sich meist schon auf den ersten Blick durch ihre typische „Orangenhaut“.
  • Benetzungsprobe am Untergrund: Intakte Duroplaste sind äußerst schwer benetzbar.
  • Die Schichtdicke mit einem Schichtdickenmessgerät oder mit einem Schneidwerkzeug prüfen: Duro- plaste liegen meist zwischen 60 und 150 µm.
  • Bei werkseitiger Kennzeichnung lässt sich die Bindemittelbasis beim Hersteller erfragen.

Die Bindemittelbasis von Pulverlacken bietet den besten Ansatz zur Bestimmung des Untergrundes. Da sie in der Baustellenpraxis meist nicht zu ermitteln ist, sollte man grundsätzlich eine Probebeschichtung durchführen. Auf diese Referenzflächen können sich der Verarbeiter und der Hersteller des einzusetzenden Beschichtungsstoffes beziehen und den weiteren Beschichtungsaufbau festlegen. Oft werden solche Probebeschichtungen auch als Gewährleistungsflächen deklariert.


Schritt für Schritt

Grundsätzlich sollte man bei der Renovierung einer Pulverlackbeschichtung folgendermaßen vorgehen:
Zunächst ein kritischer Blick auf den Untergrund, dann die Altbeschichtung mit Nitroverdünnung bearbeiten, um zu überprüfen, ob sie sich anlöst. Anschließend wird die Fläche im Hochdruckverfahren gereinigt. Bei abgewitterten Untergründen ist darauf zu achten, dass mehlende Rückstände durch das Hochdruckreinigen komplett entfernt werden. Vor der Beschichtung sollte der Untergrund in jedem Fall mit einem Schleifvlies bearbeitet werden; dabei werden jedoch in den seltensten Fällen alle vorhandenen Wachsanteile entfernt. Dies muss bei der Auswahl des Beschichtungsmaterials berücksichtigt werden.


Zusätzliche Leistung

Wichtig: Soll die Fläche mattgeschliffen und anschließend mit ammoni- akalischer Netzmittelwäsche gereinigt werden, so sind dies besondere Leistungen, auf die der Auftraggeber – soweit nicht im Angebot separat aufgeführt – gemäß VOB DIN 18363, Teil C, Abs. 4.2.13 hingewiesen werden muss. Die Leistungen können zusätzlich abgerechnet werden. Die Haftfestigkeit der zum Einsatz kommenden Beschichtung hängt maßgeblich von der Art des Bindemittels im Pulverlack und von seinen Additiven ab. Es gibt deshalb keine allgemeingültige Empfehlung für ein Beschichtungssystem.


Beschichtungsaufbau

Die Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass Grundierungen auf 2K-EP- und 2K- PUR-Basis eine höhere Haftfestigkeit aufweisen als Einkomponentensysteme. Vor Beginn der Arbeiten auf der Baustelle sollte aber auf jeden Fall ein Fachexperte des Baufarbenherstellers hinzugezogen werden. Bei der Grundbeschichtung mit einer lösemittelhaltigen 2K-Epoxi-Grundierung ist darauf zu achten, dass ein homogener Farbfilm aufgebracht wird.
Nach sieben Tagen Trocknung wird ein Gitterschnitt durchgeführt, um die Haftung zu prüfen. Bei einem positiven Ergebnis gem. DIN EN ISO 2409 kann die Zwischenbeschichtung – in diesem Fall eine lösemittelhaltige Dickbeschichtung auf Spezial-Acrylatbasis – eingesetzt werden. Wichtig dabei: Da Epo-xidharzlacke während der Vernetzungsphase sehr schnell harte Oberflächen ausbilden, ist zuvor ein Zwischenschliff erforderlich. Deshalb müssen Flächen, die mit Epoxidharzlacken beschichtet wurden und keine Folgebeschichtung innerhalb der ersten 36 Stunden erhielten, grundsätzlich angeschliffen werden. Nach der Durchtrocknung der Grundbeschichtung erfolgt die Zwischen- und Deckbeschichtung mit einer lösemittelhaltigen Dickbeschichtung auf Spezial-Acrylatbasis.
Nach Abschluss der Arbeiten ist der Untergrund auf viele Jahre sicher geschützt.

Benedikt Müller-Wortmann Anwendungstechniker bei CD-Color
Quelle: Malerblatt 08/2010


Beschichten von Pulverlackierungen
Untergrundprüfung

Beschichten von Pulverlackierungen
Untergrundvorbereitung

Beschichten von Pulverlackierungen
Aufbringen der 2K Epoxidharz-Grundierung

Beschichten von Pulverlackierungen
Gitterschnittprüfung nach DIN EN ISO 2409

Beschichten von Pulverlackierungen
Ergebnis: GT 2 = 0, sehr gutes Haftvermögen

Beschichten von Pulverlackierungen
Zwischenschliff

Beschichten von Pulverlackierungen
Zwischenbeschichtung. Fotos: CD-Color
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