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Glätte- und Spachteltechnik Lehmstucco

Wandbeläge
Lehm – in vollem Glanze

Lehmstucco:  Glätte- und Spachteltechniken gibt es viele, sei es auf Kalkbasis oder dispersionsgebunden. Dass sich auch Lehm verdichten und auf Hochglanz polieren lässt, ist dagegen weniger bekannt. Was Sie über Lehmstucco wissen sollten, lesen Sie hier.

Autorin: Susanne Sachsenmaier-Wahl

Und noch eine Glättetechnik! Genau! Doch bevor Sie jetzt weiterblättern, sollten Sie wissen, dass diese Glättetechnik anders ist als die vielen, die man in den letzten Jahren allerorts zu sehen bekommen hat. Und das liegt nicht etwa an ihrem Aussehen – das unterscheidet sich nämlich nur unwesentlich von dem einer Kalkglättetechnik – sondern vielmehr an ihren „inneren Werten“. Denn hier stellen wir Ihnen einen Lehmstucco vor.

Mit allen Vorzügen des Lehms

Lehm ist in erster Linie wegen seiner positiven bauphysikalischen und ökologischen Eigenschaften beliebt. Diese bleiben selbstverständlich auch beim Lehmstucco erhalten, wie uns Johannes Putz, Anwendungstechniker beim Naturfarben-Hersteller Ecotec, der den Lehmstucco „Dacapo“ anbietet, wissen lässt: „Dacapo besitzt trotz seines hohen Glanzgrades ein sehr großes Wasseraufnahmevermögen und reguliert hervorragend das Raumklima. Durch die Fähigkeit zum sehr schnellen Feuchteausgleich werden Kondensationsspitzen gekappt. Dacapo verringert somit die Bildung von Kondensfeuchte auf der Wand deutlich.“ Und diese Tatsache schützt bekanntlich nicht nur vor Schimmelbildung, sondern lässt auch beschlagene Spiegel und Scheiben der Vergangenheit angehören. Außerdem fühlt man sich in einem ausgewogenen Raumklima wohler. Doch das sind noch nicht alle Vorteile, die der Lehmstucco zu bieten hat. „Dacapo wirkt antistatisch und zieht somit auch keine Verschmutzungen an, wie das zum Beispiel bei Kunststoffglätten der Fall ist“, erklärt Johannes Putz, der bei Ecotec auch in der Produkt- und Rezepturentwicklung sowie der technischen Beratung tätig ist. Er ist auch von der Unempfindlichkeit des Lehmstuccos gegenüber mechanischen Belastungen überzeugt: „Für eine so wasseraufnahmefähige Oberfläche ist Dacapo vergleichsweise sehr unempfindlich gegenüber mechanischer Belastung. Die äußerst glatte Oberfläche ist auch nicht besonders anfällig für den sogenannten Schreibeffekt“, sagt Johannes Putz und fügt hinzu, dass zum Beispiel matte Farben dagegen häufig zur Streifenbildung bereits bei leichtem Streifkontakt neigten.

Lehmstucco: Für viele Einsatzbereiche

Natürlich ist auch der Lehmstucco kein Universalprodukt. Im direkten Spritzwasserbereich etwa stößt er an seine Grenzen: „Dacapo kann im Wandbereich im Innenraum eingesetzt werden, in allen Wohn- und Objektbereichen, die nicht mit Spritzwasser in Kontakt kommen – nicht also z.B. in Duschkabinen“, erklärt Johannes Putz. Fürs restliche Badezimmer und selbstverständlich auch für die Küche ist der Lehmstucco dennoch bestens geeignet, nicht zuletzt deshalb, weil Lehm auch in der Lage ist, Gerüche zu neutralisieren. „Fliesenspiegel z.B. im Arbeitsplattenbereich der Küche können mit Volvox proAqua Lack, Volvox proAqua Fußbodenlack oder durch eine Glasplatte geschützt werden“, rät Johannes Putz. Derart geschützt, lässt sich die Oberfläche nicht nur trockenreiben, falls Wasserspritzer darauf landen sollten, sondern auch reinigen. Allerdings verändern sich durch die Schutzbeschichtungen auch die Eigenschaften des Lehmstuccos etwas: „Die Oberfläche wird matter und der Feuchtigkeitsaustausch wird eingeschränkt“, räumt Putz ein.

Unkomplizierte Verarbeitung

Die Verarbeitung des Lehmstuccos dürfte nach Meinung von Johannes Putz für den Maler bzw. Stuckateur keine große Herausforderung darstellen: „Dacapo kann von Handwerkern mit Erfahrungen mit anderen Glättetechniken problemlos eingesetzt werden.“ Wer in puncto Glättetechnik noch keine Erfahrungen hat, kann normalerweise eine Schulung besuchen. Derzeit können diese aufgrund der Corona-Pandemie allerdings nicht stattfinden. Alleine gelassen wird der Verarbeiter aber dennoch nicht. „Derzeit bieten wir telefonische Beratung an“, erklärt Putz.

Aufgebracht werden kann der Lehm-stucco auf allen mineralischen Untergründen. Darüber hinaus kann Dacapo beispielsweise auch auf angeschliffenen KF-Platten appliziert werden. Eine Voraussetzung müssen alle Untergründe erfüllen: „Da die Auftragsstärke bei zwei Aufträgen im Bereich von ca. 120 µm (0,12 mm) liegt, muss der Untergrund glatt gespachtelt sein“, weiß Anwendungstechniker Putz. Auf körnigen Lehmputzen eigne sich ein Lehmspachtel hervorragend als idealer Untergrund für Dacapo. „Als Grundierung auf allen Untergründen erfolgt ein Anstrich mit Lehmfarbe; vorzugsweise im selben Farbton wie Dacapo“, erläutert Johannes Putz den Aufbau. Anschließend folgen zwei Spachtelgänge mit Lehm-
stucco. Je nach Dekor sind auch mehr Aufträge möglich. Denn wie jede Glättetechnik bietet auch der Lehmstucco Variationsmöglichkeiten. „Die Oberfläche kann wahlweise mit weichen, seichten Strukturierungen oder aber stufenlos mit härteren Übergängen/Kellenschlägen markanter gestaltet werden. Entscheidend dafür ist, wie schnell bei der Verarbeitung Überstände vom Kellenschlag egalisiert werden“, beschreibt Putz die Gestaltungsmöglichkeiten. Außerdem könne mit dem Glanzgrad „gespielt“ werden: „Die Variationsmöglichkeiten im Glanzgrad reichen von matt bis hochglänzend.“ Verdichtet und poliert werden kann der Lehmstucco sowohl manuell, als auch maschinell.

Ebenbürtige Alternative

Ob sich der Bauherr für eine Kalkglätte, eine Dispersionsspachtelmasse oder aber den Lehmstucco entscheidet, bleibt letzten Endes Geschmackssache. Hinsichtlich der Eigenschaften steht der Lehmstucco den anderen Materialien in nichts nach. Was die Verarbeitung anbelangt, sieht Johannes Putz sogar leichte Vorteile für den Lehmstucco: „Dacapo trocknet relativ schnell, somit fallen keine langen Trocken- und Wartezeiten an. Daher können, abhängig vom Untergrund, in der Regel zwei Spachtelgänge am selben Tag erfolgen. Bei Kalkglätten beispielsweise kann es durch eine zu schnelle/forcierte Trocknung zum Aufbrennen kommen“, gibt der Anwendungstechniker zu bedenken. Und er sieht noch einen weiteren Vorsprung für den Lehmstucco: „Kalkspachtelmassen müssen mit höherem Druck und meistens in mehr Arbeitsgängen als Dacapo verarbeitet werden.“

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