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Die Monolithische Stampflehmwand als Unikat

Wandbeläge
Natürliche Kunstwerke

Wenig bekannt ist bislang die monolithische Stampflehmwand, obwohl der Naturwerkstoff Lehm eine Renaissance erlebt. Dabei lassen sich gerade mit Stampflehmwänden besonders wohngesunde und zugleich optisch faszinierende Ergebnisse erzielen.

Autorin: Susanne Sachsenmaier-Wahl | Fotos: Conluto

Stampflehm ist Lehm in äußerst eindrucksvoller Form. Mit der Technik, die Anfang des 19. Jahrhunderts ihren Höhepunkt in Deutschland erreicht hatte, können massive Wände geschaffen werden, die wie natürliche Kunstwerke anmuten. „Das Besondere an Stampflehm sind seine herausragenden baubiologischen Eigenschaften in Kombination mit seiner eindrucksvollen Ästhetik“, bringt es Jörg Meyer, Inhaber des Lehmspezialisten Conluto, auf den Punkt. Über die Geschichte der Stampflehm-Technik weiß Meyer Folgendes zu berichten: „In der damaligen Zeit führte der Mangel an Bauholz zur Etablierung der aus Frankreich stammenden Pisé-Technik (piser = stampfen) in Deutschland.“ Heute wird der Stampflehm dagegen vorrangig aus optischen Gründen gewählt: „Jede Stampflehmwand ist ein Unikat: sie hat eine rein natürliche erdige Struktur und trägt auch immer die „Handschrift“ des Verarbeiters in sich, der sie erstellt hat“, sagt Jörg Meyer. Doch die ansprechende Ästhetik ist längst nicht alles. „Aufgrund seiner klimaregulierenden Eigenschaften bezeichnen wir Stampflehm gerne als natürliche Klimaanlage. Aber er kann noch viel mehr – neben der positiven Wirkung des Baustoff Lehms für das Raumklima, bringt er Masse in den Bau. Dies ist beispielsweise bei Gebäuden in Form von Holzständerwerken ein entscheidender Faktor. Dem leichten Holz fehlt die Masse und die bringt der Lehm mit. Wir sprechen da gerne von der perfekten Symbiose von Holz und Lehm, wie sie seit Jahrhunderten auch schon aus dem Fachwerkbau bekannt ist. Stampflehm stellt dabei sozusagen die zeitgemäße Umsetzung dar, weil er dank seiner monolithischen Ausdrucksstärke gleichermaßen in moderne und auch historische Gebäude passt. Weitere Vorteile sind ein wirksamer Schall- und Brandschutz“, erklärt der Conluto-Firmenchef.

Produktion der Stampflehmwand

„Stampflehm ist ein Gemisch aus Lehm, mineralischen und gegebenenfalls organischen Zuschlagstoffen“, erklärt Jörg Meyer und betont, dass dem Material bei der Verarbeitung eine entscheidende Bedeutung zukomme: „Dieses wird bei uns in erdfeuchter Qualität und mit einem auf die baulichen Anforderungen abgestimmten Korngemisch hergestellt. Der so produzierte Lehm wird in Big Bags abgefüllt, die palettiert und eingeschweißt werden. Dies ist erforderlich, um die Feuchtigkeit des Materials zu erhalten. Der gelieferte Baustoff sollte anschließend zeitnah auf der Baustelle verarbeitet werden.“

Wie die Verarbeitung erfolgt, erklärt Meyer ebenfalls: „Vor Ort kann mit konventionellen Schalungen gearbeitet werden, die man aus der Betonbauweise kennt. In diese wird der Stampflehm lagenweise eingebracht und sofort verdichtet. Hierbei gilt als Faustformel, dass das Material auf jeweils Zweidrittel seiner Masse verdichtet wird. Ein Bespiel: 15 Zentimeter eingefüllter Lehm wird auf 10 Zentimeter verdichtet. Dabei empfiehlt es sich, die Schalungen mittels Stützen zu stabilisieren, um die beim Stampfen auftretenden dynamischen Kräfte aufzufangen. Die Verdichtung erfolgt mittels pneumatischen Stampfern, die mit einem Kompressor angetrieben werden. Die Anforderungen an die Geräte sind hierbei von der Wandstärke und dem Arbeitsbereich abhängig. Wir empfehlen unseren Kunden, am besten mit zwei Stampfern zu arbeiten: ein großer für die Fläche und ein kleineres Gerät, um Ecken und Ränder optimal zu verdichten.“

Natürliche Schönheit

Wie kommt das typische, künstlerisch anmutende Erscheinungsbild zustande? „Die typische horizontale Musterung bzw. Maserung einer Stampflehmwand entsteht durch die lagenweise Einbringung des Lehms und wird durch die Auswahl der Lehmfarben und Körnungen bestimmt“, so Meyer. Conluto bietet Stampflehm in zwei Körnungen an (Korngrößen im Durchmesser von 0 bis 8 Millimetern und von 0 bis 22 Millimetern). Die klassische Farbe ist Naturbraun, weiterhin erhältlich sind die Farbtöne Sandsteinbeige, Sandsteingelb, Sandsteinrot und Gneis. Diese können individuell kombiniert werden, um das Gesamtbild der Wand zu gestalten. Meyer hat noch einen Tipp parat: „Wer mag, kann zusätzlich dünne Lagen unseres farbigen Edelputzes einbringen, um die Wirkung des Schichtbildes noch zu verstärken.“ Diese sind in 16 Farbtönen erhältlich und sorgen für eine weitere ausdruckstarke Note. „Die so erstellten Wände werden zu echten Kunstwerken, die ihre beeindruckende Schönheit alleine der Natur und handwerklicher Arbeit verdanken“, freut sich Meyer.

Über Natürlichkeit darf sich der Bauherr aber nicht nur beim optischen Eindruck freuen. „Alle unsere Lehme und Rohstoffe werden aus regionalen Quellen gewonnen und ressourcenschonend aufbereitet. Wie alle unsere Produkte sind sie reine Naturprodukte und auch die Färbung ergibt sich aus den natürlichen Vorkommen und den Erdschichten aus denen sie gewonnen werden. Als ökologischer Baustoff ist Stampflehm zu 100 Prozent wiederverwertbar“.

Viele Anwendungsmöglichkeiten

„Theoretisch kann eine Stampflehmwand überall erstellt werden. Für den Innen- wie Außenbereich gilt, dass er vor Nässe und Feuchtigkeit geschützt werden muss und einen „trockenen Fuß“ hat. Wenn dies gewährleistet ist, sind die Wände nahezu unverwüstlich. Bestes Beispiel dafür ist Europas ältestes Stampflehmgebäude in Weil am Rhein. Das sechsstöckige Pisé-Haus wurde um 1835 erbaut und wird aktuell restauriert. Die über 200 Jahre alte Bausubstanz aus regionalem Stampflehm ist nahezu vollständig erhalten und wird es mit Sicherheit auch noch weitere Hunderte von Jahren sein“, erzählt der Firmeninhaber.

Als Alternative zur tragenden Stampflehmwand gibt es die Vorsatzschale, die insbesondere der Optik dient. Meyer erklärt, worauf es dabei ankommt: „Wer eine Stampflehmwand aus vorrangig optischen Gründen in seinen Räumen integrieren möchte, sollte bei der Arbeit mit der Vorsatzschale die schon genannten Kriterien berücksichtigen. Hinzu kommt der Faktor Befestigung, dem eine gewisse Sorgfalt geschuldet ist. Da es sich meist um dünne Wände mit einer Stärke zwischen 6 bis 12 Zentimetern handelt, müssen diese an einem tragfähigen Untergrund befestigt werden. Hierfür sind spezielle Gleitanker zu verwenden, damit während des Trocknungsvorgangs keine Spannungsrisse durch die Schwindung des Materials entstehen. Die Gleitanker stellen sicher, dass die Wand sozusagen losgelöst vom Untergrund ist und während des Prozesses der Trocknung beweglich bleibt und Risse vermieden werden.“

Alternativ bietet sich auch die Montage einer vorgefertigten Stampflehmwand an. Diese wird mit Lehmputz an der tragenden Wand befestigt. Bei mehrteiligen Aufbauten können die Fugen nachträglich mit Lehm geschlossen und kaschiert werden. Meist empfehlen sich Fertigbauteile auch dann, wenn eine Stampflehmwand nachträglich in ein Gebäude eingebaut werden soll. Denn nicht immer seien die Vorbedingungen für Logistik und Statik zum Erstellen einer massiven Stampflehmwand gegeben. Hinzu komme, dass, je nach gewünschter Wandausführung, genügend Platz und Raumhöhe vorhanden sein müssen. „Wenn diese Kriterien nicht erfüllt sind oder nur mit großem Aufwand zu erfüllen sind, empfehlen sich hier ebenfalls Fertigbauteile, weil sie die praktischere Lösung für nachträgliche Einbauten darstellen“, rät Jörg Meyer und ergänzt: „Diese Fertigbauteile können, wie eine vor Ort erstellte Stampflehmwand, natürlich auch den individuellen Wünschen und Vorstellungen des Bauherrn angepasst werden.“

Auch wenn Wände das häufigste Einsatzgebiet für Stampflehm darstellen, so sind nicht das einzige: „Er kann als Wandkonstruktion (innen und außen) oder Fußbodenaufbau umgesetzt werden, aber auch in Form von Raumskulpturen, Heizungen und Öfen“, beschreibt Meyer die Anwendungsgebiete.

Mit der richtigen Einstellung

Bleibt die Frage, ob Stampflehm auch vom Maler und Stuckateur verarbeitet werden kann. „Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass eigentlich jeder Handwerker Stampflehm verarbeiten kann. Wichtig ist neben dem vorausgesetzten handwerklichen Verständnis, die richtige Haltung zu dem Material. Wer sich nicht scheut und bereit ist, sich auf das Material einzulassen, dem gelingt nach einer Zeit des Herantastens und Ausprobierens relativ schnell eine sichere Handhabung. Entscheidend dafür ist, sich ein stückweit von konventionellen Arbeits- und Denkweisen zu verabschieden, denn schließlich hat man es mit einem der ältesten Baustoffe der Menschheit zu tun“, beschreibt Jörg Meyer seine Sichtweise. Ganz ohne Einweisung bzw. Schulung könnte es anfangs aber doch schwierig werden. Von Jörg Meyer wollen wir deshalb wissen, wo man sich Grundkenntnisse im Umgang mit Stampflehm aneignen kann. „Erste Anlaufstelle für Lehm-Interessierte generell ist der Dachverband Lehm, der sich für diesen nachhaltigen Baustoff und die Aus- und Weiterbildung von Lehm-Fachkräften engagiert. Wir selbst haben zuletzt bei einem unserer Kunden in Köln einen Workshop durchgeführt, der von den Teilnehmern sehr positiv angenommen wurde“, erzählt der Frimenchef.

Neben der Fertigkeit und der Freude am Umgang mit Lehm, bedarf es nicht vieler Anschaffungen. „An technischen Voraussetzungen braucht es, je nach Umfang des Vorhabens, die richtige Schalung und die Geräte zur Verdichtung, also einen oder zwei pneumatische Stampfer und einen leistungsstarken Kompressor“, erklärt Meyer, fügt aber hinzu: „Diese sind bei einschlägigen Anbietern leihweise erhältlich, sodass größere Investitionen für Geräte nicht erforderlich sind.“ Dem kreativen Stampfen dürfte dann also nichts mehr im Wege stehen …

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www.malerblatt.de/tag/stampflehm/

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