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Industrieleichtdächer richtig und sicher dämmen

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Industrieleichtdächer richtig und sicher dämmen

Industrieleichtdächer müssen für die heutigen Anforderungen und Nutzungen entsprechend konstruktiv ausgelegt und ausgeführt werden. Bei der Wahl des Dämmstoffs in der Dachkonstruktion spielen – neben dem Wärmeschutz – vor allem die Druckfestigkeit des Materials sowie das Brandverhalten eine entscheidende Rolle. In diesem Zusammenhang sind die Anwendungsnormen DIN 18531–1 und die DIN 4108–10 zu berücksichtigen.

Die Nutzung heutiger Industriedächer ist vielseitig. Industrie, Handel und Logistik haben erkannt, welches Potenzial die großen Dachflächen der Hallen bieten. So sind neben Lichtelementen mittlerweile verschiedenste technische Anlagen – wie zum Beispiel Lüftungs- und Klimageräte oder ganze Technikzentralen – auf dem Dach verortet. Auch wird das Dach zunehmend zur Erzeugung von Solarstrom durch große Photovoltaikanlagen genutzt. Die Vorhaltung sicher begehbarer Revisions- und Wartungswege sind daher obligatorisch.

Wartungswege

Wichtigste Voraussetzung bei Wartungswegen ist die Gewährleistung der Rutsch- und Trittsicherheit – auch bei ungünstigen Witterungsbedingungen wie Nässe und Frost. In diesem Kontext bieten spezielle, farbig gestaltete Gehwegplatten Orientierung und Sicherheit. Sie dienen der Kennzeichnung von Laufwegen und schützen darunterliegende Abdichtungen vor Beschädigungen. In diesem Kontext ist jedoch zu beachten, dass die Platten zum Beispiel bei Schneefall möglicherweise nicht sichtbar sind. Unter Umständen bietet sich daher eine Kombination der Wegplatten mit einem Dachgeländer an. Letzteres erhöht zudem die Sicherheit in den absturzgefährdeten Randbereichen oder beispielsweise bei Lichtkuppeln. Nach Möglichkeit werden die Geländer durchdringungsfrei angebracht, damit die Dachabdichtung nicht beschädigt wird. Die Zunahme an technischen Anlagen setzt allerdings nicht nur das Anlegen von Wartungswegen voraus. Sie erfordert auch entsprechende Dachkonstruktionen, die den erhöhten Anforderungen der Aufbauten gerecht werden.

Druckfeste Dämmstoffe

Im Sinne der Energieeinsparung und des Umweltschutzes wird eine langlebige Wärmedämmung bei jedem Flachdachaufbau angestrebt. Um Schadensfälle und kostspielige sowie aufwändige Sanierungsarbeiten auszuschließen, sollte von Anfang an richtig – und der Nutzung auf dem Dach angemessen – gedämmt werden. Im Neubau ist es außerdem ratsam, bei der Wahl des Dämmstoffes auch zukünftige Anforderungen – zum Beispiel durch eine nachträgliche Montage von Photovoltaikanlagen – mitzuberücksichtigen. Bei der Planung von genutzten Dächern gilt es, die aus den konstruktiven Aufbauten durch technische Anlagen entstehenden höheren Lasten oder veränderten Lastverteilungen einzukalkulieren. Für exponierte Bereiche sind demnach auch druckbelastbarere Baustoffe zu wählen.

DIN 4108–10 und DIN 18531–1

Die DIN 4108–10 beschreibt die anwendungsbezogenen Anforderungen an Wärmedämmstoffe. Die Anforderungen an die Abdichtung von nicht genutzten und genutzten Dächern, wie zum Beispiel Dächer mit Photovoltaikanlagen, Dachterrassen und intensiv begrünte Dächer, sind in der DIN 18531 geregelt. In der neuen DIN 18531–1:2017–07 heißt es: „Bei genutzten Dächern muss die Druckspannung nach DIN 4108–10 unabhängig vom Einsatzgebiet des Dämmstoffes mindestens dem Anwendungsbereich DAA mit einer Druckbelastbarkeit dh entsprechen.“ So steht die Abkürzung „DAA“ für „Außendämmung von Dach oder Decke, witterungsgeschützt, unter Abdichtung“ und „dh“ für eine hohe Druckbelastbarkeit. Zum Vergleich: Bei nicht genutzten Dächern wird der Anwendungsbereich DAA und eine mittleren Druckbelastbarkeit dm vorausgesetzt. Für Mineralwolle gilt hier eine Druckspannung von mindestens 60 Kilopascal (kPa) bei 10 Prozent Stauchung.

Vorbeugender Brandschutz

Neben der Eigenschaft der Druckbelastbarkeit spielt bei der Wahl des Dämmstoffes auch der vorbeugende Brandschutz eine entscheidende Rolle. Hier stellen zum Beispiel die Materialien Steinwolle oder Schaumglas eine sichere Wahl dar. Sie sind nach EN 13501 in die Euroklasse A1 klassifiziert und somit nicht brennbar. Sie bedeuten demnach für Industriedächer keine zusätzliche Brandlast, sondern leisten vielmehr einen Beitrag zum vorbeugenden Brandschutz, indem sie die Ausbreitung hemmen. Behandelt wird der bauliche Brandschutz von Industriedächern unter anderem in den Landesbauordnungen und in der Industriebaurichtlinie. Für Dachkonstruktionen mit Stahltrapezdächern gilt ab einer Dachfläche von 2.500 Quadratmetern in der Regel die Einhaltung der DIN 18234. Letztere regelt den baulichen Brandschutz überwiegend großflächiger flacher Dächer bei unterseitiger Brandbeanspruchung. Die Norm beinhaltet unter anderem ein Verzeichnis an Dachkonstruktionen, die ohne weiteren Nachweis die Anforderungen nach DIN 18234–1 erfüllen. Berücksichtigung finden hier insbesondere auch die Aufbauten mit Stahltrapezprofilen sowie die zulässigen Wärmedämmungen.

Schaumglas und Steinwolle

Die Dämmstoffhersteller Deutsche Foamglas GmbH und Paroc GmbH haben für Industrieleichtdächer mit Stahltrapezprofilen einen sicheren Systemaufbau entwickelt, der die Vorzüge von Schaumglas und Mineralwolle sinnvoll kombiniert. Die Flächen mit erhöhter Druckbelastung – zum Beispiel im Bereich von Wartungswegen und technischen Anlagen – werden hierbei mit Foamglas Roof Board G2 T3+ ausgeführt. Das Produkt verfügt über eine sehr hohe Druckfestigkeit von CS ≥ 500 Kilopascal (kPa) und eignet sich somit für den Anwendungsbereich DAA mit einer Druckbelastbarkeit dh. Auf den weniger belasteten Flächen wird Paroc ROS 70 mit einer Druckspannung von 70 Kilopascal (kPa) bei 10 Prozent Kompression und einer Punktlast von 650 Newton verlegt.

Beispielhafter Systemaufbau

Für die Ausbildung eines Wartungswegs von 1,80 Meter Breite ist demnach folgender Dachaufbau denkbar: Die Verlegung der Foamglas-Dämmplatten erfolgt auf der Konstruktion aus Stahltrapezprofilen mit Dampfsperre. Oberhalb des Dämmstoffes wird ein hochwertiges Kunststoff-Abdichtungssystem aufgebracht und mechanisch befestigt. Da die Druckfestigkeit zwischen Schaumglas und Steinwolle variiert, sollte die Fuge zwischen den beiden Materialien mit einem Schleppstreifen von ungefähr 300 Millimetern ausgeführt werden. So wird sichergestellt, dass beim Betreten des Übergangs keine Schäden an der Dachkonstruktion – zum Beispiel durch eine Vertiefung des Mineralfaserdämmstoffs – auftreten. Als Alternative zum Schleppstreifen kann auch ein Blechwinkel zum Einsatz kommen. Dieser sollte unbedingt auf der Hochsicke der Trapezblechprofile aufliegen. Oberhalb des Dachaufbaus bieten spezielle Dach- und Gehwegplatten – als Alternative zu schweren Betonplatten – zusätzlichen Schutz. Sie bilden eine sichere Basis für Wartungswege, aber auch für Solaranlagen und technische Anlagen.

Ein sicherer und langlebiger Flachdachaufbau ist abhängig von der gewählten Ausführung und den verwendeten Materialien. Für Wartungswege und unter technischen Anlagen sollten grundsätzlich druckbelastbare Dämmstoffe zum Einsatz kommen. Wenn diese darüber hinaus auch die Anforderungen an den Wärme- und Brandschutz erfüllen, ist eine sichere Nutzung und lange Lebensdauer des Industrieleichtdachs gewährleistet.

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