Kubus mit klarer Kante

Jeder Topf findet seinen Deckel. Doch nicht jeder Kochgeschirr-hersteller findet das passende, imagestarke Design für sein Geschäftsgebäude. Eindrucksvoll geschafft hat das die Firma Fissler mit der neuen Farbgestaltung ihres knapp 150 Kubikmeter umfassenden Logistikzentrums in Rheinland-Pfalz.

Marco Bock

Die positiven Nachwirkungen einer wahrlich stattlichen Beschichtungsaufgabe schildert Ingo Nolde, Geschäftsführer des Malergeschäfts Schüller aus Niederbrombach, so: „Der Entwurf und seine Strahlkraft hat für einige Resonanz bei uns in der Gegend gesorgt, und wir als der ausführende Malerbetrieb werden immer noch anerkennend darauf angesprochen.“ Aus dem Grün einer Senke, umrahmt von Wald und Wiesen, erhebt sich ein 41 Meter hoher Kubus mit ansehnlichen 116 Meter Gebäudelänge und 30 Metern Breite. Das Volumen allein ist es nicht, was die Blicke der Zugreisenden und Autofahrer auf der naheliegenden Bahnstrecke und Autobahn auf sich zieht: Es ist das selbstbewusste farbige Design der Fassade, was für Aufmerksamkeit sorgt und mit dem das Unternehmen, das seine Logistik in diesem Gebäude untergebracht hat, eine unübersehbare Visitenkarte abgibt.
Die Unternehmensfarbe Rot und drei unterschiedliche Grautöne, die von der Guss- und Edelstahloptik der Unternehmensprodukte abgeleitet sind: Sie kombiniert der Farbentwurf für den Gebäudekomplex von Fissler, Hersteller hochwertigen und stilbewussten Kochgeschirrs, mit Weiß als Fond. Doch nicht irgendwie und schon gar nicht langweilig ebenmäßig. Farbdesignerin Andrea Schäfer vom Brillux Farbstudio Münster entwickelte mehrere Varianten für den Bestandsbau, die alle auf senkrechte farbige Bänder in unterschiedlichen Breiten setzen. So werden die 9.600 Quadratmeter Fassadenfläche jetzt mit kurzen und langen Farbtakten aufregend gegliedert, ohne in Unruhe zu verfallen. Das plakative Nebeneinander der wechselnden Farbtöne erzeugt, je nach Nachbarschaft, ganz unterschiedliche Stimmungen. Das Fissler-Rot strahlt, wo es von weißen Farbfeldern gerahmt wird. Im Duett mit dem dunkelsten Grauton, wie er auf einer Gebäudestirnseite zu finden ist, entwickelt die Komposition eine edle Wirkung.
Leicht versetzter Farbwechsel
Als Hintergrund für den puren, weißen Logoschriftzug „Fissler“ zeigt sich das Firmenrot als souveräner Eyecatcher. Aus keinem Blickwinkel wirkt die Farbgestaltung gleich, als nur der Architektur aufgesetzt oder nur als Bemalung des Kubus. Andrea Schäfer verrät, welches wichtige Gestaltungsdetail hierzu beiträgt: „Der Farbwechsel erfolgt immer leicht versetzt auf der Fassade und nicht direkt an den Gebäudeecken.“ Welchen Qualitätsunterschied es zwischen einer Gestaltung mit Bändern gibt, macht dieses Objekt besonders augenfällig. Denn bereits die Vorgängerfassade zeigte sich in hellgrauen und weißen senkrechten Streifen, die allerdings alle gleich breit ausgeführt waren und so deutlich einförmiger wirkten.
Das Farbkonzept integriert
Die vertikale Bänderung hatte gestalterische und technische Gründe: Die Fassade besteht aus einer senkrecht profilierten Stahlblechverkleidung, die somit eine Gestaltungsrichtung vorgibt. Das Malerteam von Ingo Nolde setzte den Entwurf, der im permanenten Dialog zwischen ihm, der Geschäftsführung der Firma Fissler und dem Brillux Farbstudio Münster entwickelt worden war, innerhalb von zwölf Wochen, mit einem Airless-Spritzverfahren und Lacken des Herstellers, um. Während der gesamten Projektlaufzeit wurde der Malerbetrieb durch den Brillux Objektsservice vor Ort unterstützt – vom Anlegen verschiedener Musterflächen bis hin zur technischen Beratung hinsichtlich der optimalen Beschichtungen.
Neben dem großen Logistik-Kubus wurde auch das vorgelagerte Fissler-Kundendienstzentrum in die Sanierung einbezogen. Dessen Farbgestaltung bindet den nur dreigeschossigen Bau an das mächtige Logistikzentrum an und berücksichtigt bei der Farbwahl, dass es bei diesem kleinen Gebäude nicht vorderhand um Fernwirkung geht. Weiß als vorherrschende Fassadenfarbe, mit roten Akzenten auf den Fensterelementen und dem leichtesten Grauton des Farbkanons für die Sockelflächen, integriert das Kundendienstzentrum harmonisch ins Gesamtbild.
Dreiklang als Projektprinzip
Riesige Fassadenflächen von Gewerbebauten tragen die Chance in sich, zu Botschaftern für das Unternehmen zu werden, wenn man sie gekonnt und sensibel für die Außendarstellung einsetzt. Fissler war offen für diese Chance, hat sie genutzt und die richtigen Akteure zusammengebracht: einen Auftraggeber, dem die Aufwertung des Standorts ebenso wichtig war wie die Einbindung ins Landschaftsbild; ein Farbstudio, das einen aussagekräftigen und stimmigen Entwurf entwickelte, der den Zielen des Unternehmens dient, und einen Malerbetrieb, der seine Erfahrungen, sein eigenes Farbgespür und sein praktisches Können in die Waagschale warf. Nachahmenswert!

praxisplus
Objektsteckbrief
  • Bauherr: Fissler GmbH, Hoppstädten-Weiersbach
  • Planung: Fissler GmbH, Abteilung Instandhaltung, Idar-Oberstein
  • Farbentwurf: Brillux Farbstudio Münster
  • Ausführung: Malergeschäft Schüller GmbH, Niederbrombach
  • Fassadenfläche: 9.600 Quadratmeter
eingesetzte Brillux-Produkte: 2K-Epoxi-Haftgrund 855, MuMulti-Protect 800