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Gesund wohnen ist in aller Munde

Interview mit Baumit-Produktmanagerin Barbara Wiedemann über „Gesundes wohnen“ allgemein und Kalkputze im Speziellen.

Fotos: Baumit

Warum ist das Kalkputz-Sortiment inzwischen so breit gefächert?

Barbara Wiedemann: Das Klima-Kalkputzprogramm macht fast alle Gestaltungswünsche umsetzbar. Zementfreie Kalkputze, Kalk-Maschinenputze, Kalk-Fein- und Handputze, Kalk-Marmorspachtel und Kalk-Edelputze, sowie pastöse einfärbbare Kalk-Endbeschichtungen bringen Handwerker- und Bauherrenwünsche in Einklang.

Welche Kriterien sind für die Fachunternehmen die entscheidenden?

Barbara Wiedemann: Für die Fach-handwerker geht es um Planbarkeit/Kalkulierbarkeit und Sicherheit sowie Effizienz bei der Ausführung.

Spielt die Gestaltbarkeit für die Fachunternehmen eine relevante Rolle?

Barbara Wiedemann: Es geht auch um eine hohe Variabilität bei der Gestaltung. Marmorspachtel und Kalkglätte ermöglichen matte oder glänzend erscheinende Oberflächen mit repräsentativer Wirkung. Mit zementfreien Kalkputzen kann nah am historischen Befund gearbeitet werden. Alten Böden, Decken, historischen Türen und Fenstern und sichtbaren Sandsteinen lässt sich ein adäquater Rahmen geben. Zementfreie Kalkputze sind auch Grundlage zur Herstellung von reinsilikatisch farbig gefassten Friesen und Bändern. Die richtige Auswahl des geeigneten Kalkputzes ist eine Frage der Materialkenntnis und des behutsamen Vereinens alter und neuer Handwerkskunst mit moderner detaillierter Planung.

Gibt es unterschiedliche Wünsche seitens Verarbeiter und Bauherren?

Barbara Wiedemann: Ja durchaus – die Bauherren interessieren sich häufig für Schadstofffreiheit und entsprechende Zertifikate und Prüfberichte. Auch die Anforderungen aus Gebäudelabeln spielen eine immer größere Rolle.

Gesund Wohnen ist in aller Munde?

Barbara Wiedemann: Alle reden vom demographischen Wandel. Besonders die Wohnungswirtschaft ist in hohem Maße betroffen. Sie möchte durch entsprechende Maßnahmen Mietern oder Käufern eine gesteigerte Attraktivität bieten und die Chancen erhöhen, bessere Preise zu erzielen. Das Augenmerk auf die Wohngesundheit zu richten heißt für die Wohnungswirtschaft eine Differenzierung anzustreben, sich einen Verkaufsvorteil zu beschaffen.

Gibt es auch das Gegenteil von „gesund wohnen“also „krank Wohnen“?

Barbara Wiedemann: Ja! Eine gesunde Person kann sich in einem dauerhaft mit Schadstoffen belasteten Wohnraum durchaus „krank wohnen“. So wurden z. T. neu gebaute oder frisch sanierte öffentliche Gebäude aufgrund der hohen Schadstoffbelastungen geschlossen, da sie die Menschen gesundheitlich beeinträchtigten. Wissenschaftlich wurde bewiesen, dass sich das Allergierisiko in schadstoffbelasteten Räumen deutlich erhöht. Häufige Reaktionen auf Schadstoffe sind: Unwohlsein und Kopfschmerzen durch Lösemittel, tränende Augen, gereizte Schleimhäute und Krebsgefahr durch Formaldehyd.

Was spielt im Kontext „gesund wohnen“ die größte Rolle?

Barbara Wiedemann: Saubere, unbelastete Luft in Innenräumen, denn der moderne Mensch hält sich rund 80 bis 90 Prozent seiner Lebenszeit in geschlossenen Räumen auf.

Woraus ergibt sich dieser enorme Einfluss auf die Innenraumluft?

Barbara Wiedemann: Wie empfindlich das Innenraumklima auf Veränderungen in der Bauweise reagiert, wird im Zusammenhang mit der dichteren Bauweise immer deutlicher. So hat der Gesetzgeber über die Energieeinsparverordnung die Bauweise in Deutschland maßgeblich verändert. Der geforderte Wärmeschutz und die damit verbundene Energieeinsparung funktioniert nur bei einer Luftdichtheit von Gebäuden. Als Folge bleiben die Wärme, aber auch Schadstoffe, die früher durch Undichtigkeiten ablüften konnten, im Haus. Diese Dichtigkeit hat zur Folge, dass der Austausch mit der Außenluft (die Luftwechselrate) heute bis zu zehnfach geringer ist als bei alten Gebäuden. In der Absicht, Heizenergie zu sparen, wird durch reduziertes Lüften der Luftwechsel in bewohnten Räumen weiter reduziert, wodurch sich der Effekt der Schadstoffkonzentration weiter verschärft.

Gibt es verbindliche Grenzwerte?

Barbara Wiedemann: Eine der ersten offiziellen Unterlagen mit Angabe von Schadstoff-Grenzwerten in der Innenraumluft ist der „Leitfaden für die Innenraumhygiene in Schulgebäuden“ vom Bundesumweltamt aus dem Jahr 2008. Die Grenzwerte dieser Unterlage werden immer häufiger für die Errichtung oder Sanierung von öffentlichen Bauten herangezogen. Zum 31. März 2011 wurde in Anlehnung an die europäische Gesetzgebung der Leitfaden „Nachhaltiges Bauen für die Bundesbauverwaltung zur Anwendung bei Büro- und Verwaltungsbauten (Neubau)“ eingeführt. Insbesondere die gesetzlichen Beschlüsse auf europäischer Ebene wie Verordnung (EU) „Nr. 305/2011 des Europäischen Parlaments und des Rates“ werden das Bauen in Deutschland massiv verändern.

Welchen Einfluss hat die Beschichtung der Oberflächen auf die Raumluftqualität?

Barbara Wiedemann: Einen enormen. Gleiches gilt im Übrigen für Mauermörtel und Estriche usw. Gesunde Raumluft kann nur erzielt werden, wenn die für den Neubau oder die Modernisierung notwendigen Produkte durch ein entsprechendes Prüfzertifikat Informationen hinsichtlich ihrer Auswirkung auf die Raumluft geben. Nur dann kann der Planer Notwendigkeit, Menge und zu erwartendes Emissionspotential entsprechend bewerten.

Gilt das nur für den Neubau?

Barbara Wiedemann: Nein, auch in der Renovierung und Modernisierung und in der Sanierung von historischer Bausubstanz. Umbau bedeutet meist, die historische Substanz wo immer möglich zu erhalten und gleichzeitig nach modernen Maßstäben bewohnbare und unterhaltbare Wohnungen und Räumlichkeiten zu schaffen. Die Besonderheit liegt darin, dass Reinkalk, Kalk- und Kalkzementputz einschließlich der Sanierputze die hier v. a. zum Einsatz kommen, nicht nur den technischen und verarbeitungsrelevanten Anforderungen genügen müssen, sondern sie müssen auch den Nachweis erbringen, die Innenraumluft nicht mit Schadstoffen zu belasten. Produkte, die dies mit einem entsprechenden Prüfzertifikat nachweisen können, leisten einen doppelten Beitrag – einmal zur Sanierung historischer Bausubstanz und zur Wohngesundheit.

Leisten Kalkputze einen Beitrag zur Wohngesundheit in Innenräumen?

Barbara Wiedemann: Aufgrund ihrer besonderen Sorptionsfähigkeit können sie eine feuchteausgleichende Wirkung haben. Sie helfen eine zu niedrige Luftfeuchte zu verhindern. Die Atemwege trocknen folglich nicht so leicht aus und das Infektrisiko sinkt. Kalkputz werden raumklimaverbessernde Eigenschaften zugeschrieben, denn Kalkputze „schlucken“ Schadstoffe wie Schwefeldioxid und CO2. Letzteres hängt damit zusammen, dass Kalkputz während seiner Carbonatisierungsphase CO2 aufnimmt und einbaut. Kalkputze regulieren nicht nur die Feuchtigkeit – sie bieten durch ihre hohe Alkalität Schimmel keinen Nährboden. Somit managt der Kalkputz das Raumklima und die Luftfeuchte im Haus. Zusätzlich besteht er aus rein natürlichen Rohstoffen. An der antistatischen Oberfläche bleibt weder Staub noch Schmutz haften.

Werden auch farbige Kalkputze nachgefragt?

Barbara Wiedemann: Ja, denn individuelle handwerkliche Gestaltung mit Farbe und Licht sind für die Fachunternehmer häufig das entscheidende Element um einen lukrativen Auftrag zu erhalten.Gesundes Wohnen bedeutet für viele Menschen auch, Räume harmonisch zu gestalten. Farben beeinflussen das Wohlbefinden entscheidend. Licht vermittelt Vitalität, Freude und Wärme. Daher ist auch die räumliche Gestaltung, die die Lichtgestaltung mit einbezieht, durchaus ein unabdingbarer Aspekt gesunden Wohnens.

Was sind nach ihrer Erfahrung die wichtigsten Kriterien einer Produktentscheidung für die Verarbeiter?

Barbara Wiedemann: Die fein gefilzten oder mit der Kelle fein strukturierten Oberflächen geben den Räumen das zwischen Tradition und Moderne fein ausbalancierte harmonische Ambiente. Kalkputz ist seit Jahrhunderten bewährt und heute aktueller denn je. Denn Kalkputz bietet nicht nur eine seit langem bekannte Anmutung, sondern kommt heute in sehr zeitgemäßer Form daher. Einer der Hauptgründe, warum das Material auch heute so beliebt ist und gerne eingesetzt wird, liegt in der Oberflächenoptik und Haptik begründet. Kalkputze an der Wand vermitteln ein warmes, baubiologische Wohnklima. Eine elementare Voraussetzung dafür ist, dass die Kalkputzoberflächen nicht mit Tapeten oder dichten Anstrich- und Beschichtungsstoffen überdeckt werden. Ein weiterer Grund für die Beliebtheit von Kalkputz ist die effiziente und nutzerfreundliche Verarbeitbarkeit als Maschinenputz. Klima-Kalkputze sind angepasst an die heute mehrheitlich verwendeten Leichtmauerwerke. Sie eignen sich für alle Anwendungen in Innen- und Feuchträumen und lassen für alle Beschichtungsoptionen Platz. Durch ihre spezielle Zusammensetzung minimieren beschleunigte Kalkputze Temperatur- und Untergrundeinflüsse (z. B. Saugfähigkeitsunterschiede). Anwendungsempfehlungen erhöhen die Beratungs- und Verarbeitungssicherheit.

Was ist das ausschlaggebende Kriterium für den Kauf des Produktes?

Barbara Wiedemann: Seine Gestaltbarkeit. Der Oberflächengestaltung sind fast keine Grenzen gesetzt. In erster Linie hängt sie ab vom kreativen Potenzial und dem handwerklichen Können des ausführenden Handwerkers. Individueller Geschmack und Trends aus Mode und Kunst setzen neue Impulse. So können z. B. Betonimitationen ausgeführt werden. Verarbeitungsfertige Kalk-Dünnschichtdeckputze für Innen bieten die Vorteile eines mineralischen Oberputzes in einer pastösen und einfärbbaren Lieferform. Klima-Kalkputze in ihrer reinsten, zementfreien Form eignen sich für die Sanierung. Kalkglätten und -spachtel ermöglichen in diesem und im modernen Kontext zeitgemäße glatte Oberflächen. Sicherheit, Effizienz und Gestaltbarkeit sind keine sich gegenseitig ausschließenden Faktoren, sondern Kernkompetenz moderner Kalkputze.

Gibt es noch einen Aspekt, welchen wir noch nicht berücksichtigt haben?

Barbara Wiedemann: Das Thema Nachhaltigkeit soll nicht unerwähnt bleiben als ein Aspekt der Wohngesundheit. Gesundes Wohnen ist möglich, wenn die Materialauswahl, die Raumgestaltung und bauphysikalische Faktoren in Einklang gebracht werden. Diese Balance zu finden sind Planer, Handwerker und Hersteller im täglichen Tun immer wieder gefordert.

Weitere Informationen:
www.baumit.de



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