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Der Aufbau von Klebeband bestimmt die technischen Eigenschaften

Klebeband
Vielschichtig aufgebaut

Teil 1: Der Aufbau von Klebeband wird durch seine technischen Eigenschaften bestimmt. Diesen Aufbau sehen wir uns hier im Detail an.

Autoren: Florian Anschütz, Irina Janßen | Fotos: Kip

Klebebänder werden zum Schutz von Oberflächen bzw. Untergründen und zur Begrenzung von Bearbeitungsflächen eingesetzt. Schäden am Untergrund entstehen in vielen Fällen durch Anwendungsfehler und damit durch den Einsatz des falschen Klebebandes. Oft entstehen dadurch hohe Folgekosten und nicht zu vergessen: Ärger mit dem Kunden.

Die mechanischen, elektrischen und chemischen Fähigkeiten eines Klebebandes hängen stark von den für die einzelnen Schichten verwendeten Materialien ab, die im Folgenden näher erläutert werden.

Aufbau eines Klebebandes

Trennschicht / Trennpapier: Bei einseitigen Klebebändern besteht die Trennschicht meist aus einer Trennlackierung, die die Abrollbarkeit des Klebebandes beeinflusst und verhindert, dass die Klebeschicht auf der Rückseite des Trägers kleben bleibt.

Bei doppelseitigen Klebebändern wird als „Trennschicht“ ein Trennpapier verwendet, das in vielen Fällen aus einer doppelseitig silikonisierten Folie oder einem doppelseitig silikonisierten Papier besteht. Auch bei doppelseitigen Klebebändern hat das verwendete Trennpapier Einfluss auf die Abrollbarkeit des Bandes.

Trägermaterialien

Der Träger ist die Schicht, auf die der Kleber aufgetragen wird. Je nach verwendetem Material beeinflusst diese stark die mechanischen, elektrischen und chemischen Eigenschaften und damit auch die Verwendbarkeit und Einsatzdauer eines Klebebandes. Die häufigsten Trägermaterialien sind Papier, Folien und Gewebe.

Papier: Das Flachkrepp besitzt eine mittlere Dehnfähigkeit und je nach Imprägnierung eine gute Wasser- und Feuchtigkeitsbeständigkeit. Das Hochkrepp dagegen ist sehr dehnbar und somit perfekt zum Abkleben von Rundungen. Das Washi Spezialpapier ist sehr dünn, anschmiegsam und besitzt eine hohe Reißfestigkeit.

Folien: PE (Polyethylen), ist bei hohen und niedrigen Temperaturen verarbeitbar, zudem ist es weichmacherfrei. PVC (Polyvinylchlorid) ist formstabil, und auch gerillt erhältlich. Beide Träger sind beständig gegen chemische Belastungen. PP (Polypropylen), besitzt eine gute Zugfestigkeit, hat eine harte Oberfläche und wird überwiegend für Packbänder verwendet.

Gewebe: Zellwolle, Baumwolle, Polyamid oder Glasfasern. Gewebebänder besitzen eine gute Reißfestigkeit und sind beständig gegen Öle, Wasser und chemische Einflüsse. Zudem haben einige Gewebebänder einen eingearbeiteten UV-Filter und besitzen somit eine Lange UV-Beständigkeit.

Auf einigen Trägermaterialien kann der Kleber nicht direkt aufgebracht werden, da dieser nicht halten würde. Dies ist zum Beispiel bei PE-Folie der Fall. Deshalb müssen diese Träger vorher mit einem Primer behandelt werden, um eine sichere Verbindung zwischen Träger und Kleber zu gewährleisten.

Kleber: Funktion und Arten

Der Kleber stellt die „Haftung“ her zwischen dem Träger des Klebebandes und der Oberflache durch Adhäsions- (Haftkräfte an den Kontaktflächen) und Kohäsionskräfte (Kräfte, die die Moleküle des Klebers zusammenhalten).

Die Adhäsionskräfte haben Einfluss auf die Klebkraft. Kleber mit hohen Adhäsionskräften haben eine hohe Klebkraft. Die Kohäsionskräfte haben Einfluss auf die Viskosität (Zähflüssigkeit) des Klebers. Kleber mit niedrigen Kohäsionskräften haben eine geringere Viskosität, d.h. sie sind „flüssiger“ und fühlen sich klebriger an. Dies hat Vorteile bei Verklebungen auf rauen und staubigen Untergründen, jedoch den Nachteil, dass es auf einigen Oberflächen, durch Abreißen der Kleberschicht, leichter zu Rückständen kommen kann.

Naturkautschuk hat eine hohe Anfangsklebkraft und haftet auch auf Untergründen, wo andere Bänder Probleme zeigen: Zum Beispiel auf rauen oder unebenen Untergründen.

Acrylatkleber besitzt eine hohe UV-Beständigkeit und ist zudem sehr alterungs- und witterungsbeständig.

Synthese-Kautschuk (Hot-Melt Klebstoff) ist nur für den kurzfristigen Einsatz, denn er hat keine UV-Beständigkeit und ist nur eingeschränkt temperaturbeständig.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Wechselwirkungen zwischen Klebstoffen, Untergründen und Umweltbedingungen (z.B. Temperaturen, UV-Strahlung etc.) sehr komplex sind, da es eine große Zahl an Kombinationsmöglichkeiten gibt. Die Auswahl der Klebebänder sollte sich nicht immer an der Klebkraft orientieren. Die Klebkraft ist abhängig von der aufgetragenen Dicke des Klebers, dem Anpressdruck und es kommt natürlich auf die zu beklebende Oberfläche an.

Welches Band für welchen Untergrund geeignet ist, damit beschäftigt sich der nächste Teil dieser Serie. Eines sei jetzt schon empfohlen: Immer eine Testverklebung an einer möglichst unauffälligen Stelle durchführen.

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